Laientheater

Jahr für Jahr ein neues Stück: «Es sollte lustig sein, aber nicht vulgär»

Theaterautor, Regisseur und Schauspieler: Jürg Bumbacher (vorn) ist das Rückgrat der Kolping-Theatergruppe.

Jürg Bumbacher aus Grenchen hat schon ein Dutzend Theaterstücke geschrieben. Sie werden jeweils von der Theatergruppe des Kolpingvereins gespielt. Auch am kommenden Wochenende wieder.

Am kommenden Wochenende lädt die «Kolpingfamilie» Grenchen zu ihren traditionellen Theatervorführungen in den Eusebiussaal ein. Das Stück heisst «Pätschwörk» und ist in keinem Theaterverlag zu finden. Denn es ist eine Uraufführung und stammt auch diesmal aus der Feder von Jürg Bumbacher, der selber seit Jahrzehnten Mitglied der Theatergruppe ist.

Etwa ein Dutzend Stücke habe er für die Theatergruppe schon geschrieben, sagt Bumbacher. Und das kam so: «Um ein neues Stück zu finden, muss man an die 30 durchlesen», erklärt er. Das nehme recht viel Zeit in Anspruch. Manches sei auch vulgär und voller Zoten und somit nicht der Stil des Kolping-Publikums – und auch nicht seiner. So habe er gedacht, da könne er sich gerade so gut einmal selber als Theaterautor versuchen.

Es begann mit den Weihnachtsgeschichten

Immerhin schreibt er seit bald 20 Jahren jedes Jahr eine längere Weihnachtgeschichte. Diese Tradition wuchs, als Bumbacher als Sozialpädagoge das «Lehrlingsfoyer Ermitage» des Zentrums Bachtelen leitete, das er aufgebaut und während 29 Jahren geleitet hat. Dort wurde der heute 65-Jährige 2015 pensioniert. Er ist in Basel aufgewachsen und kam nach Grenchen, um zusammen mit seiner Frau das ehemalige Bauernhaus seiner Grosseltern in jahrelanger Arbeit umzubauen. Heute haben sie darin auch ein B+B eingerichtet. Bumbacher hat mit seiner Ehefrau drei Kinder und ist inzwischen zweifacher Grossvater.

«Der Pfarrer in der Klemme» hiess sein erstes Theaterstück. Es sei gut angekommen, erinnert er sich. «Doch die Leute sagten, es müsste noch lustiger sein.» Gesagt, getan. Seither schreibt Jürg Bumbacher – mit Unterbrüchen – jedes Jahr ein Lustspiel für die Kolping-Theatergruppe. Die Ingredienzien: «Es sollte lustig sein, aber nicht vulgär – und ein Happy End haben.»

Schauspieler dürfen auch wünschen

Den Anfang bilden Gespräche mit den Schauspielern, die Wünsche anbringen können, welche Rolle sie gerne einmal spielen möchten. Weil man sich in der Theatergruppe gut kennt – viele sind wie Bumbacher seit Jahrzehnten dabei –, falle es ihm nicht schwer, ihnen eine Rolle auf den Leib zu schreiben.

Er ziehe sich dafür jeweils im April für etwa drei Wochen zurück. Dann komme das Stück in die Zensurbehörde. «Das ist meine Frau Marianne», meint Bumbacher lachend. Sie gibt ihm Feedback und Kritik. Er achte ferner darauf, dass alle Spielenden genug Bühnenpräsenz haben. Nur eine kleine Nebenrolle spielen zu dürfen, sei im Laientheater undankbar. Bumbacher, der selbst auch die Regie führt, spielt im Theater ebenfalls mit.

Im August beginnt dann die Theatergruppe im Eusebiushof mit dem Proben, damit man parat ist für die jeweils vier Auftritte im November. «Heuer war es speziell», merkt Bumbacher an, denn es hätten sich gleich vier Personen gemeldet, die neu Theater spielen wollten. Darunter auch ein Kind. Das bedeutete ein Risiko für das diesmal neunköpfige Ensemble. «Denn ich wusste ja nichts über ihre Talente, Möglichkeiten und Vorlieben.»

Aber, so merkt der Hobby-Theaterautor an, Grenchen sei ein gutes Pflaster fürs Laientheater und mit vielen schauspielerischen Talenten gesegnet. Die Schopfbühne, das Freilichtspiel, das Kindertheater Blitz und das Gänggi von Iris Minder, alle zeugten sie davon. Nicht zu vergessen die Theaterschule Grenchen. Ihm jedenfalls ist das Theaterschreiben noch nicht verleidet. Und so können sich die Fans des Laientheaters hoffentlich noch viele Male im November auf lustige Abende im Eusebiushof freuen.

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