Gastkolumne

Haltung und Leidenschaft

Der Leiter der Sozialen Dienste Oberer Leberberg geht Ende Monat in den Ruhestand.

Der Leiter der Sozialen Dienste Oberer Leberberg geht Ende Monat in den Ruhestand.

Ich habe mich immer wieder kritisch mit den politischen Gegebenheiten im Kanton Solothurn auseinandergesetzt. Nun wird, am Schluss meiner Tätigkeit als Leiter Soziale Dienste, ein positiver Punkt gesetzt. Das hat mit Grenchen zu tun.

Basierend auf Vertrauen, mit sehr viel Loyalität und Sachlichkeit angereichert – so würde ich meine Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat in Grenchen während der letzten 17 Jahren beschreiben. Das tönt vorerst mal trocken und unpersönlich. Ich kann Ihnen jedoch versichern, es war eine sehr persönliche und verlässliche «Arbeitsbeziehung». Positiv in diesem Zusammenhang vor allem die Verlässlichkeit und das Vertrauen, das ich in den ganzen Jahren gespürt habe. Verlässlichkeit und Vertrauen sind beidseitig in einer Einfachheit gelebt worden, die sich einfach so ergibt, wenn man sich mag.

Im politischen Umfeld der gesetzlichen Sozialhilfe und des Kindes- und Erwachsenenschutzes ist alles ein wenig turbulenter und emotionaler. Es gibt die Liebhaber der einfachen Wahrheiten. Sie wissen sich in Szene zu setzen und profilieren sich auf Kosten der nicht über einen Leist zu schlagenden Klientinnen und Klienten und hauen auch die Sozialarbeitenden gnadenlos in die Pfanne. So ist es sehr einfach, aufgrund von Einzelfällen den Diensten unprofessionelles Gebaren vorzuwerfen. Die gleichen Vereinfacher verweigern den Diensten die notwendigen Mittel und Ressourcen. Sie leben in der Vorstellung, dass die Entprofessionalisierung der Sozialdienste die Probleme löse und die Kosten senke.

Nicht so in Grenchen. Trotz grösseren Herausforderungen im Sozialbereich und steigenden Kosten (die Anzahl der Stellen in der Sozialhilfe und im Kindes- und Erwachsenenschutz hat sich in den 17 Jahren verdoppelt) waren die Diskussionen während all den Jahren nie auf politische Profilierung ausgerichtet, sondern von Sachlichkeit und einer menschlichen Grundhaltung geprägt. Alle gut begründeten Stellenbegehren wurden einstimmig verabschiedet. Die Fraktionen haben sich auch von Mutterparteien oder anderen Kreisen nie für Kampagnen gegen die Sozialen Dienste einspannen lassen. Auch in den Zeiten, als die Diskussion über Sozialhilfemissbrauch Hochkonjunktur hatte, fanden wir in Grenchen pragmatische Lösungen, setzten punktuell Sozialdetektive ein statt blauäugig zu behaupten, das Problem existiere nicht. Die Fraktionen von links bis rechts waren stets verlässliche und faire Partner. Dafür bedanke ich mich.

Als meinen Beitrag habe ich Haltung und Leidenschaft in die Beziehung eingebracht. Haltung ist der gleichmässige und permanente Teil der nicht irgendwo anfängt oder aufhört. Hat man oder hat man nicht. Haltung in Politik und Verwaltung produziert automatisch Echtheit, Kongruenz und Verlässlichkeit. Demgegenüber steht das, was man in Zeiten von Wahlen wohl noch häufiger beobachtet als sonst, nämlich politisches Kalkül und Opportunismus um jeden Preis.

Leidenschaft war gefordert wenn es darum ging, grosse und innovative Projekte zu verwirklichen. Leidenschaft in jeglicher Form ist wohl grösseren Schwankungen ausgesetzt, lässt sich nicht permanent auf gleichem Niveau leben. Doch: «Wenn die Passion fehlt, fehlt alles. Ohne Leidenschaft ist nichts zu erreichen»(Alberto Moravia). Ich habe in Grenchen Interesse, Loyalität und die Anerkennung von fachlicher Kompetenz erlebt. Dies immer in der Kultur eines soliden Grundvertrauens. Ich habe diese gelebten Werte nie als Selbstverständlichkeit hingenommen. Grenchen hat mir gut getan.

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