Grenchen

Gelungenes Duett: Glockengeläut und Orgel im ökumenischen Zusammenspiel

Ein gelungenes Experiment in der Eusebiuskirche sorgt für ein besinnliches Erlebnis von Gemeinschaft auf Distanz. Der Organist der reformierten Kirchgemeinde spielte auf den Glocken der Kirche, während der römisch-katholische Organist die Orgel bediente.

«On Air» heisst es jeweils in Leuchtschrift vor einem Studio, wenn eine Sendung am Laufen ist. «On Air» gab es am Pfingstsonntag in Grenchen gleich in zweifacher Hinsicht: Ein Glockenspiel aus dem Turm der Eusebiuskirche über die Schallwellen durch die Luft und gleichzeitig die Orgel über die elektromagnetischen Wellen des Internets. Ein gelungenes musikalisches und besinnliches Innehalten am hohen kirchlichen Feiertag.

Ein seltenes Bild zeigte sich gegen die Mittagsstunde in der Gegend des Parktheaters und bei den Schulhäusern entlang der Lindenstrasse. Menschengruppen sammelten sich da und dort und schauten in ihre Smartphones, was heutzutage zwar durchaus nichts Ungewöhnliches ist auf den Strassen. Die Blicke gingen aber immer wieder zum hohen Kirchturm der römisch-katholischen Eusebiuskirche. Aus den dortigen Fenstern des Glockengestühls wurden ungewöhnliche Klänge erwartet: Eric Nünlist, Organist der reformierten Kirchgemeinde Grenchen-Bettlach, machte sich in luftiger Höhe bereit, auf den sieben Glocken der Kirche zu musizieren. Im Kirchenraum sass sein Kollege Albert Knechtle, Organist der römisch-katholischen Kirchgemeinde Grenchen, an seinem gewohnten Platz am Manual. Seine Klänge wurden über das Internet übertragen.

Aus den Smartphones und den Frequenzen von Radio 32 tönte die bekannte Stimme von Dagobert Cahannes, der das ungewöhnliche Pfingstkonzert moderierte. Da die Physik die Geschwindigkeit der Schallwellen diktiert, musste man sich ungefähr in einer Distanz von 300 Metern von der Eusebiuskirche aufhalten. Für die Kalibrierung zählte Cahannes einen Countdown hinunter, dann wurde gleichzeitig ein Orgel- und ein Glockenton gespielt.

Nicht immer ganz synchron, aber dennoch gelungen

Manche Zuhörer änderten ihre Position leicht. Andere kämpften ab und an mit den Tücken der Technik und fielen zeitweise aus dem Konzert heraus. Es zeigte sich auch, dass die Gleichzeitigkeit der Übertragung nicht immer gewährleistet war, wenn man bei den Nebenanstehenden mithören und vergleichen konnte. Das tat keinen Abbruch an der Tatsache, dass es ein spezielles und besinnliches Erlebnis in «Gemeinschaft auf Distanz» war. Dies auch durch die Worte von Pfarreiseelsorgerin Gudula Metzel, die von Pfingsten als Geburtstag der Kirche sprach. Dazu wünschte sie sich, dass die Kirche ökumenisch die vielen Getauften in den unterschiedlichsten Gemeinschaften und Kirchen zusammenführt.

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