Das Duo «schön&gut» setzte mit «Mary» im vollbesetzten Kleintheater einen fulminanten Schlusspunkt hinter eine überaus geglückte Saison.

Anna-Katharina Rickert und Ralf Schlatter entführen die Zuschauenden auch in ihrem fünften Streich wiederum nach Grosshöchstetten, diesem Ort, der als Sinnbild für Schweizer Verhältnisse verstanden werden kann. Die Lettin Agneta soll eingebürgert werden, vom Gemeindepräsidenten Kellenberger höchstpersönlich. Im Laufe der Geschichte scheint es diesem jedoch opportuner, eine gutbetuchte Heimweh-Schweizerin aus den fernen Staaten für sein Dorf zu gewinnen.

Die beiden Protagonisten untersuchen in ihrem neuesten Stück unser Verhältnis zu Flüchtlingen. Wer soll eingebürgert werden, Wirtschafts- oder Steuerflüchtlinge, ist nur eine der Fragen, denen sie auf den Grund gehen. Ihr politisches-poetisches Kabarett ist gekleidet in diverse verschachtelte Episoden, geflochten zu einer stimmigen Geschichte. Schon erstaunlich, mit welch literarischer Leichtigkeit sie ihre Botschaft rüberbringen.

Dazu haben sie ein untrügliches Gespür für pfiffige Pointen, die meist verschlüsselt dargebracht werden und deren Kern dennoch beim Publikum treffsicher ankommt. Mit stupender Leichtigkeit schlüpfen die beiden in diverse Rollen, brauchen dazu kaum Requisiten, denn ihre genaue, der jeweiligen Person angepasste Mimik, Gestik und Tonalität sprechen für sich.

Gewürzt mit unbändigem Wortwitz singen, tanzen, sprechen, musizieren und zwitschern sie sich durch das zweistündige Programm, entlarven so manchen schweizerischen Mythos, bedienen sich gängiger Klischees, um diese mittels Überhöhung der Lächerlichkeit preiszugeben.

Ihr Plädoyer für mehr Menschlichkeit veredeln sie zum Entzücken des Publikums mit schon beinahe unerhörter, geistreicher Scharfsinnigkeit. Mit untrüglichem Gespür für die Dramaturgie steuern sie auf die finale Gemeindeversammlung zu; plötzlich herrscht atemberaubende Stille bei den Zuschauenden, die sich nach der Auflösung in tosenden, wohlverdienten Applaus verwandelt.