Kunst
Das Kunsthaus Grenchen präsentiert 13000 Werke

Da sieht man sich im Depot des Kunsthauses Grenchen 13000 Werken gegenüber und soll aus diesen eine Ausstellung arrangieren. Geht man intuitiv vor, Oder nach einem festen Konzept? Beides, fanden Studierende des Instituts für Kunstgeschichte.

Angelica Schorre
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Solothurner Zeitung

«Die Kunst der Auswahl oder was ins Auge fällt» war denn auch das Motto des Anlasses, bei dem sich die Männer der ersten Stunde des Kunsthauses, Stiftungsratspräsident Hanspeter Rentsch und Galerist Toni Brechbühl, die zwei angehenden Kuratorinnen Isabelle Zürcher und Lisa Konrad sowie Eva Inversini, künstlerische Leiterin des Kunsthauses, und Bernadette Walter, Lehrbeauftragte der Uni Bern, zum Gespräch trafen.

Ein Sammelsurium

Ein kurzer Rundgang durch die Ausstellung zeigte Konzept und Intuition. Im ersten Raum der Ausstellung wird der Betrachter intensiv angeschaut, und zwar von vielen Porträts an einer Wand. Wer schaut da wen an? Die Schachteln mit Druckgrafik im nächsten Raum widerspiegeln die Situation im Depot. Im dritten Raum war das Licht als Gestaltungselement für die Auswahl der Werke ausschlaggebend. Dann spielen Bilder, die eine Geschichte erzählen wollen, eine Rolle. Im fünften Raum werden durch starke Farben Emotionen geweckt. Kurioses wie Lustiges und Albtraumhaftes zeigt der letzte Raum. Themen waren somit gegeben, ausgewählt wurde das, was ins Auge fiel.

So bedeutet die Ausstellung für Hanspeter Rentsch eine komplett neue Begegnung mit der Sammlung des Kunsthauses. «Ich habe Werke gesehen, die ich noch nie gesehen habe. Aber ich komme nach wie vor zu dem Schluss: Die Sammlung ist ein Sammelsurium», so Rentsch. Er skizzierte kurz die verschiedenen Phasen der Sammlung, die von diversen Schenkungen bis zum gezielten Ankauf von Originalgrafiken regionaler und – «leider zu wenigen» – internationalen Künstlern reichen.

Früher und heute

Isabelle Zürcher fragte nach den Veränderungen im Kunstbetrieb. Dazu meinte Toni Brechbühl, dass alles viel geschäftlicher geworden sei. Früher habe man engen Kontakt mit den Künstlern gepflegt, sei mit ihnen ein Wegstück gegangen. «Man hatte den Menschen mit einbezogen, nicht nur das Werk gesehen.» In einer ganz anderen Situation befanden sich die Kunststudierenden bei der Auswahl der Bilder: Die meisten Künstlerinnen und Künstler waren ihnen unbekannt. Eva Inversini: «Wir waren erstaunt, dass bei der Auswahl auf Highlights wie etwa auf einen Andy Warhol verzichtet worden ist. Wir mussten die angehenden Kuratorinnen und Kuratoren gar nicht dazu auffordern, auch auf ältere Bildsprachen einzugehen.» So kamen unerwartete Werke aus dem Depot ans Licht – ganz einfach, weil sie den angehenden Ausstellungsmachern ins Auge fielen.

Aber auch die Stadt Grenchen kam bei den «Bernern» gut weg. So fand Isabelle Zürcher den Rückhalt in der Bevölkerung für das Kunsthaus enorm: «Man will wirklich, dass diese Stadt ein kultureller Ort wird.» Und Bernadette Walter: «In welcher anderen Stadt liegt das Kunsthaus offen und einladend direkt am Bahnhof?» Auch das war also ins Auge gefallen.

Die Ausstellung «Ins Auge gefallen» dauert noch bis 10. April. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag von 14 bis 17 Uhr, Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

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