Da steht einer ziemlich alleingelassen auf der ziemlich grossen Kleintheaterbühne. Mausgrauer Anzug. Kaum Gestik und Mimik. Unprätentiöser Auftritt, die Monotonie beim Sprechen ist latent. Ein verbrauchter Abend, an die Langeweile verschwendet? Nichts weniger als das. Die zahlreichen Besucher in der Aula des Schulhauses IV kommen im Gegenteil in den Genuss eines höchst amüsanten Abends. Denn Christoph Simon ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, die Sprache präzis, aber nicht abgewetzt.

WG-Leben und Jungvater

Simons Ausführungen werden mit witziger Wortgewalt gewürzt, sind aber zumeist zotenfrei. Vielmehr ergibt sich bei ihm die Komik aus dem Alltäglichen, dem Banalen. Die Zuschauenden können sich in seine Situation versetzen. Der zweifache Schweizermeister im «Poetry Slam» und aktuelle Preisträger des «Salzburger Stiers» entwickelt aus einer normalen Begebenheit einen extravaganten Plot mit köstlicher Situationskomik.

Christoph Simon gibt den dreifachen Familienvater (2 Mädchen, ein Knabe im Alter von 5-10 Jahren), der noch immer in einer WG lebt, also nicht mit seiner Lebensgefährtin zusammenwohnt, sich mit ihr aber die Kindererziehung teilt. Schon diese Konstellation bietet einiges an köstlichem Konfliktpotenzial. Seine Mitbewohner nennt er der Einfachheit halber alle Fredy, auch die weiblichen. «Sie kommen wegen einer Bachelor-Arbeit und gehen wegen des Putzplanes», erklärt er den regen Wechsel. Als auch noch unverhofft sein Vater auf der Türschwelle steht, verheisst dies nichts Gutes. Und tatsächlich: Seine Strategie, den Erzeuger rauszuekeln, gipfelt darin, dass er – zumindest temporär – die eigenen Kinder loswird.

Irgendwo zwischen Selbstmitleid und Selbstironie philosophiert der Künstler über das Universum, über die nicht gewährte zweite Chance und lässt den Besucher zu dessen Gaudi an seinen abenteuerlichen Erlebnissen teilhaben. Da wird das Baby samt elektrischem Milcherwärmer im Zug vergessen, der Knabe «kennt seine Grenzen nicht» und gerät im Zoo ins Seehund-Becken. Christoph Simon resümiert dazu in fatalistischer Manier: «Wenn du die Polizei alarmieren willst, wählst Du die 117. Brauchst Du die Feuerwehr, alarmierst Du die 118. Wir brauchen beide, also die 235.»

So fabuliert sich der 44-jährige Berner durch die anderthalb Stunden, holt so nebenbei während des Erzählflusses scheinbar vergessen gegangene Personen wieder ins Rampenlicht und lässt die Frage zu, wer da eigentlich wen erzieht.

Kurz: Christoph Simon überzeugt mit herausragender Erzählkunst.