Notfallübung Bazl

Auf dem Flughafen Grenchen wird der Ernstfall im Grosseinsatz geprobt

Ein Kleinflugzeug kommt dem startenden Fallschirm-Absetzflugzeug in die Quere - es kommt zur Kollision. So das Szenario der alle drei Jahre stattfindende Notfallübung, bei der die Einsatz- und Rettungskräfte aller Dienste mächtig gefordert waren.

Kurz vor 17 Uhr nachmittags kommt es auf dem Regionalflughafen Grenchen zu einem folgenschweren Unfall: Ein startendes Fallschirm-Absetzflugzeug mit zehn Springern an Bord kracht in ein Kleinflugzeug mit drei Personen an Bord, das vom sog. Taxiway auf die Piste rollt. Das Kleinflugzeug ist zudem mit einem Ballistic Parachute Systems (BPS) ausgerüstet, einem mit Explosivstoffen versehenen Fallschirmsystem, das nicht auslöst. Ein Feuer bricht aus, mehrere Personen werden verletzt. So das Szenario der Notfallübung, die unter der Aufsicht des Bundesamtes für Zivilluftfahrt Bazl stattfindet.

Übungsteilnehmer sind die Dienste des Airports, wie das Flughafenpersonal, die Leute im Tower– Fluglotsen der Skyguide und Flughafenassistenten und die Flughafenfeuerwehr. Aber auch externe Kräfte werden beübt: die Feuerwehr der Stadt Grenchen, die Stadtpolizei und die Kantonspolizei Solothurn, die Rettungsdienste Grenchen, Solothurn, Olten Biel und der Spitalregion Oberaargau. Und zum ersten Mal, weil sie nun auch zum «Inventar» auf dem Flughafen Grenchen gehört, auch die Rega. Alle involvierten Dienste haben Vorgaben und interne Ziele zu erreichen. Vertreter des Bazl und Spezialisten von Schutz & Rettung der Stadt Zürich fungieren als Schiedsrichter.

Die Übung beginnt mit Rauch und Feuer

Das Ganze ist als Übung angelegt, also kann man eigentlich nicht echte Flugzeuge verwenden, anzünden oder zerstören. Und doch steht auf der Flugpiste das echte Flugzeug der Skydive Grenchen, die PAC 750 Xl. Auch will man nicht die Bevölkerung verschrecken, indem Feuerwehr und Polizei mit Sirenen durchs Land rauschen. Die Beteiligten wurden alle vorinformiert, dass eine Übung stattfindet, ohne Details zu verraten. Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste wurden in einen Warteraum beim Velodrome beordert.

Neben den Flugzeugen wird Rauch erzeugt, zwei Feuer entzündet. Daneben und darin Figuranten: Fallschirmspringer von Skydive Grenchen, sie spielen die Verletzten. Die Alarmsirene wird im Tower ausgelöst, die Flughafenfeuerwehr rückt aus. Innerhalb von drei Minuten muss sie am Unfallort sein, die Fahrzeuge der Feuerwehr Grenchen treffen wenige Minuten später ein. Schläuche werden ausgerollt, die Feuer bekämpft. Schon bald fahren die ersten Ambulanzen vor, die Polizei ist ebenfalls vor Ort. Die ersten Personen werden aus den Trümmern geborgen und zum Sammelplatz gebracht, Verwirrte, aber unverletzte Personen aus der Gefahrenzone gebracht.

Löschen, bergen, retten und abtransportieren

Die Feuerwehr sichert den Bereich, wo der Explosiv-Fallschirm Leute gefährden könnte, sollte er hochgehen. Regelmässig flammen die Feuer wieder auf, was bei Treibstoff und Hitze auch im Ernstfall passieren könnte. Die Feuerwehr Grenchen bekämpft das Feuer supponiert mit Schaum – echter Schaum ist bei einer Übung verboten, das sich der Flughafen in einer Grundwasserzone befindet.

Feuerwehrleute kümmern sich um die zum Teil eingeklemmten Fallschirmspringer im Flugzeug, bis die Rettungssanitäter eintreffen. Zusammen mit den Einsatzkräften der Feuerwehr wird ein Patient nach dem anderen geborgen und auf Bahren weggebracht. Die Rega landet neben dem Unfallort, ein Schwerverletzter wird – supponiert – ins Spital geflogen, wenig später kommt der Heli nochmals und bringt einen Zweiten weg.

Nach etwas mehr als einer Stunde ist die Übung vorbei. Beteiligt waren 7 Ambulanzen mit 16 Rettungssanitätern, 8 Feuerwehrleute der Flughafenfeuerwehr, deren 27 von der Feuerwehr Stadt Grenchen, etwa 12 Einsatzkräfte der Polizei und eine ganze Anzahl ausserhalb des Flughafens. 13 Verletzte waren zu versorgen, drei Personen blieben unverletzt, der Pilot des Kleinflugzeugs überlebte leider nicht.

Der Experte vom Bazl ist zufrieden, Übung erfüllt. Auch Andreas Lochmeier, Leiter Schutz&Rettung Zürich und Schiedsrichter, zieht beim Schlussrapport eine positive Bilanz. Die Einsatzkräfte hätten keinen einfachen Job und es gebe immer Punkte, aus denen man Lehren ziehen könne. Insbesondere die Absprache unter den Einsatzleitern könne man verbessern. Punkte, die nun in die Ausbildung fliessen.

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