Ärztemangel

Auch in Grenchen zeichnet sich ein Mangel an Hausärzten ab

Marcel (links) und Sohn Raphael Tièche, Hausärzte in Grenchen, arbeiten zusammen in der Gruppenpraxis am Marktplatz. hanspeter bärtschi

Marcel (links) und Sohn Raphael Tièche, Hausärzte in Grenchen, arbeiten zusammen in der Gruppenpraxis am Marktplatz. hanspeter bärtschi

Die «Gruppenpraxis»-Diskussion ist auch in Grenchen ein wichtiges Thema. Die Hälfte der in der Stadt ansässigen Hausärzte erreicht in fünf Jahren das Pensionsalter, so der Arzt Marcel Tièche.

Die Ärzte Raphael und Marcel Tièche haben sich sehr mit dem Thema der Hausarzt- und Gruppenpraxis beschäftigt. In einem Gespräch mit dem Grenchner Tagblatt diskutieren sie über den Ärztemangel und die neue Praxisform.

Für die beiden Ärzte ist die Gruppenpraxis die einzige Möglichkeit, damit der Beruf des Hausarztes in Zukunft bestehen bleibt. Raphael Tièche, der bis August Oberarzt auf der medizinischen Abteilung und dem medizinischen Notfall des Inselspitals war, hat im September 2013 seine Tätigkeit als Internist und Hausarzt in der Gruppenpraxis am Marktplatz aufgenommen. Sein Vater Marcel Tièche hat ihm die Praxis übergeben und unterstützt ihn beim Aufbau eines neuen Ärzteteams.

Zu wenig Ärzte

Es habe zu wenig Ärzte, vor allem Hausärzte. Ein Problem, das in der ganzen Schweiz besteht. Die meisten noch berufstätigen Hausärzte nähern sich dem Pensionsalter oder haben dieses bereits erreicht. Der Nachwuchs fehlt. Auch in Grenchen könnte dies bald zur Knacknuss werden: «In fünf Jahren kommen rund sechs, also die Hälfte der Hausärzte in der Stadt, ins Pensionsalter», erklärt Marcel Tièche.

Den Grund für den Hausärztemangel sehen er und sein Sohn unter anderem aber auch darin, dass der Hausarztberuf momentan bei vielen Medizinern nicht attraktiv genug zu sein scheint: «Eine eigene Praxis zu führen, kann sehr belastbar sein: Man muss viele Aufgaben übernehmen, die man als Spitalarzt nicht hat», fährt Marcel Tièche fort. Dabei zählt er verschiedene Bereiche auf: So muss ein Hausarzt oft rund um die Uhr für seine Patienten erreichbar sein, deckt verschiedene Spezialgebiete ab und ebenso muss er als Unternehmer fähig sein. Doch all diese Bereiche bieten nach Marcel Tièche für den Hausarzt auch Chancen und eine enorme Vielfalt im Alltag.

Einen weiteren Grund für den Ärztemangel machen die beiden Doktoren am Zulassungsstopp fest, der ihrer Meinung nach falsche Schwerpunkte setze. Das Interesse an der Medizin unter den Studierenden in der Schweiz ist gross, doch genügend Ausbildungsplätze fehlen. Somit ist die Schweiz auf ausländische Ärzte angewiesen.

Situation in Grenchen noch gut

Um die zunehmende Belastung im Hausarztberuf einzudämmen, ist für die beiden Doktoren der allgemeinen Inneren Medizin die Gruppenpraxis die ideale Lösung: «In einer Gruppenpraxis teilt man sich die Arbeitszeiten, man kann Probleme besprechen und sich die diagnostischen Geräte teilen», argumentiert Raphael Tièche. Viele Hausärzte streben diese neue Form an und haben sie zum Teil schon eingeführt.

Ein weiterer Punkt, den die beiden Ärzte ansprechen, sei, nach dem Studium eine eigenständige Ausbildung zum Hausarzt einzuführen: Diese soll den jungen Hausärzten mehr Sicherheit und Motivation geben: «Man hat das Problem des Hausarztrückgangs dank der Hausarzt-Initiative auch im Bund erkannt und arbeitet an einer Lösung», sagt Raphael Tièche.

Trotz der Schwierigkeiten sind die beiden Ärzte der Meinung, dass Grenchen der Generationswechsel gelingen kann: Ihre eigenen Räumlichkeiten bieten Platz für drei bis vier Ärzte. Die Praxis selber und die Organisation werden schon aktiv modernisiert und ein junges Team eingearbeitet. Ausserdem haben mit Thomas Fluri und Astrid Pawlisz zwei junge Ärzte erst kürzlich in Grenchen je eine Praxis übernommen.

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