Existenzielle Ängste

Abgesagt wegen Corona? Grosse Aufregung um den Grenchner Wochenmarkt

Auf dem Markt mussten bereits Mitte Mai bei der ersten Lockerung strenge Massnahmen eingehalten werden

Auf dem Markt mussten bereits Mitte Mai bei der ersten Lockerung strenge Massnahmen eingehalten werden

Am Mittwoch erhielten die Marktfahrer die Nachricht, der Grenchner Wochenmarkt werde bis Ende August nicht stattfinden – am Donnerstag kam die Entwarnung.

Mittwoch Nachmittag um 15.50 Uhr erhielten die Marktfahrer, die jeweils regelmässig den Grenchner Wochenmarkt besuchen, per Whatsapp die Info, der Grenchner Wochenmarkt am Freitag werde aufgrund der vom Kanton neu verordneten Regelung bis Ende August nicht mehr stattfinden. Eine «katastrophale Info», wie Karin Boss-Röthlisberger aus Bargen schreibt, die mit ihren Kaninchen- und Geflügelspezialitäten in Grenchen jeden Freitag auf eine grosse Stammkundschaft zählen kann.

Die Whatsapp-Nachricht wurde in der eigens für die Marktfahrer eingerichteten Whatsapp-Gruppe abgesetzt und kam vom Verantwortlichen für den Markt bei der Stadtpolizei. Die Kommentarfunktion in der Gruppe wurde offenbar auch gleich abgeschaltet, was Karin Boss dazu brachte, eine neue Gruppe zu gründen, um sich mit den anderen Marktfahrern zu besprechen. Einige, wie beispielsweise Vreni und Ueli Hostettler, die seit bald 46 Jahren immer am Freitag ihre Forellen aus der eigenen Zucht in Kräiligen und andere Fischspezialitäten feilbieten, erreichte sie telefonisch. Vom Marktverbot hatten diese beispielsweise gar nichts gewusst, weil sie nicht über Whatsapp kommunizieren.

Wären trotz des Verbotes am Freitag aufgefahren

Die Nachricht habe bei den Marktfahrern erneut existenzielle Ängste aufkommen lassen, schreibt Karin Boss in ihrem E-Mail an diese Zeitung. Also hätten sich die Marktfahrer am Mittwochabend auf dem Marktplatz getroffen und besprochen, wie sie mit der Situation umgehen sollten. «Unser Lösungsansatz war, da wir alle unsere Ware schon geschlachtet, gepflückt, geerntet oder sonst produziert haben, trotz Verbot am Freitag auf dem Marktplatz zu erscheinen. Zu verlieren hätten wir ja nichts, die Ware ist bereit und wir wollten nichts unversucht lassen, damit die Ware nicht in den Abfall kommt.» Sogar ein Anwalt wurde eingeschaltet, der offenbar einige Möglichkeiten sah, den Marktfahrern zu helfen. 

«Diese Entscheidung war für uns einfach unbegreiflich», sagt Karin Boss. «Wir würden einfach gerne auch die Persönlichkeiten, die solch einen Entscheid fällen, wachrütteln. Den Politikern klar machen, was sie mit sowas auslösen: Arbeitsplätze auslöschen, Existenzen gefährden, einfach eine ganze Marktbranche an die Wand drücken. Da stehen nicht Grosskonzerne dahinter, da geht es um Familienbetriebe mit langer Tradition.»

Es gehe auch um die treue Kundschaft, die an der frischen Luft einkaufen wolle und eben nicht im Grossverteiler, die treu bei jedem Wind und Wetter den Markt besuchen. Ihnen sei man das schuldig, den Markt durchzuführen. Es habe sich nach dem Lockdown gezeigt, als Märkte im Zuge der ersten Öffnungsschritte wieder stattfinden konnten, dass die Leute vorsichtig seien und sich meist an die Abstandsregeln hielten.

Marschhalt war notwendig für Lagebeurteilung

Den Entschluss, nach der von der Solothurner Regierung am Mittwoch verfügten Beschränkung auf 100 Personen bei Anlässen, zuerst einmal alles zu stoppen, hatte Christian Ambühl, Kommandant der Polizei Stadt Grenchen und Stabschef des Corona-Sonderstabs getroffen. «Ich musste erst einmal die Situation analysieren, eine Lagebeurteilung vornehmen und abklären, was überhaupt möglich ist. Darum erging auch die Weisung an den Marktverantwortlichen in meinem Team, die Marktfahrer dementsprechend zu informieren», sagt Ambühl auf Anfrage.

In der regierungsrätlichen Verordnung sind laut Ambühl Märkte explizit erwähnt – die Beschränkung gilt also nicht bloss für Clubs, Bars, Discos und Restaurants. Und auch in Grenchen sei durchaus möglich, dass sich mehr als 100 Personen gleichzeitig auf dem Marktplatz aufhielten und die Abstands- und Hygieneregeln nicht eingehalten werden können, wenn der Markt so stattfinde, wie üblich.

Mit dem nötigen Abstand und Absperrgittern

Nach eingehender Prüfung der vorhandenen Möglichkeiten vor Ort habe er am Donnerstagmorgen dann entschieden, dass der Wochenmarkt weiterhin stattfinden kann. Allerdings so, wie das im ersten Öffnungsschritt nach dem Lockdown war: Mit Absperrgittern und Einbahnwegen vor den Ständen und genügend Abstand zwischen den einzelnen Marktfahrern.

Den Dienstagsmarkt will man aber in Absprache mit den Marktfahrern bis auf weiteres ausfallen lassen.

Die Marktfahrer in Grenchen können also aufatmen. Und hoffen, dass sich nicht zu viele Solothurner nach Grenchen an den Wochenmarkt verirren, sollte sich die Stadt Solothurn auch an die geltenden Vorschriften halten wollen.

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