«Brutvogelatlas»

1993 bis 1996 wurden in und um Grenchen 116 Vogelarten gezählt – jetzt sind es zwei Arten mehr

«Häufige Arten wurden häufiger, das betrifft vor allem Amsel und Buchfink.» (Symbolbild)

«Häufige Arten wurden häufiger, das betrifft vor allem Amsel und Buchfink.» (Symbolbild)

Im Wald konnten die Vogelarten eher profitieren, während das Kulturland eine eigentliche Problemzone ist: Das sind Erkenntnisse des neusten Schweizer Brutvogelatlas. Peter Knaus von der Vogelwarte Sempach stellte beim Vogel- und Naturschutzverein Grenchen das umfassende Werk vor. Auf die Förderung der Vogelarten kann nach wie vor nicht verzichtet werden.

«Vögel sind gute Gradmesser für Umgang mit Natur und Landschaft», begründete Peter Knaus die Erstellung des Schweizer Brutvogelatlas bei seinem Vortrag vor dem Vogel- und Naturschutzverein Grenchen. Knaus ist Mitarbeiter der Vogelwarte Sempach und war Projektleiter des Brutvogelatlas über die Zeitspanne von 2013 bis 2016. Der erste Atlas entstand in den 1970er Jahren, ein zweiter folgte 1993 bis 1996. Der Referent erstellte zusätzlich aus historischen Quellen einen Atlas über die 1950er Jahre. Mit der neusten Forschung sind die Entwicklung der Verbreitungsgebiete und der Dichte der einzelnen Vogelarten über die Zeitachse hinweg gut vergleichbar. «Es war ein gigantischer Aufwand, der nur dank Freiwilligen möglich war», hielt Knaus fest. Rund 2000 ehrenamtliche Mitarbeiter waren schweizweit für den Brutvogelatlas im Einsatz.

Eingehend stellte der Referent die Erkenntnisse der Feldforschungen vor. «Häufige Arten wurden häufiger, das betrifft vor allem Amsel und Buchfink», hielt Peter Knaus fest. Besonders die im Wald lebenden Arten konnten profitieren, was auf die Zunahme der Waldfläche, aber auch mit der Qualität des Waldbestandes, zum Beispiel mit dem für viele Vogelarten wichtigen Totholz, zu tun hat. Weniger erfreulich sieht es bei den Vögeln aus, die ihren Lebensraum im Kulturland haben. «Die Feldlerche hat dramatisch abgenommen», sagte Knaus, «wobei sie früher eine der häufigsten Vogelarten war.» Ebenso seien die Bestände vieler Arten in den Feuchtgebieten nach wie vor tief. Gemäss Peter Knaus büssten auch viele Langstreckenzieher an Terrain ein, besonders herbe Verluste mussten bei den reinen Insektenfressern verzeichnet werden. Andererseits konnten sich die Greifvogelarten erholen. Eine weitere Erkenntnis sei auf die Klimaerwärmung zurückzuführen: Etliche Arten haben ihre Verbreitung auf der Höhenkurve nach oben verschoben.

Oliver Gardi (rechts), Präsident des Vogel- und Naturschutzvereins Grenchen, lud Peter Knaus von der Vogelwarte Sempach als Referent über den Brutvogelatlas ein. Bild: Peter Brotschi.

Oliver Gardi (rechts), Präsident des Vogel- und Naturschutzvereins Grenchen, lud Peter Knaus von der Vogelwarte Sempach als Referent über den Brutvogelatlas ein. Bild: Peter Brotschi.

Peter Knaus, der bei der Vogelwarte den Fachbereich „Lage der Vogelwelt“ leitet, ging auch auf die lokalen Resultate von Grenchen ein: 1993 bis 1996 wurden in und um Grenchen 116 Arten gezählt, jetzt sind es zwei Arten mehr. Schweizweit sind sieben Arten verschwunden, darunter der Jagdfasan, das Haselhuhn und der Kiebitz; neun Arten sind neu hinzugekommen, so etwa die Kolbenente, die Reiherente, der Wendehals und die Felsenschwalbe.

Als Fazit lasse sich festhalten, dass die Förderung der Vogelarten nach wie vor unverzichtbar sei. So zeigte der Referent auf, dass die Vögel vor allem sichere Neststandorte benötigten sowie genügend Nahrung während der Brutzeit. Als problematisch erachtet er viele Gärten, die sich mit wenig Aufwand oft viel naturnaher gestalten liessen.

Die statutarischen Traktanden verliefen während der anschliessenden Generalversammlung ohne grosse Diskussionen. Der Vogel- und Naturschutzverein Grenchen zählt 112 Mitglieder. Präsident Oliver Gardi stellte ein abwechslungsreiches Jahresprogramm vor, das online veröffentlicht ist. Die Versammlung sprach sich für die Sanierung der Elektroinstallation im vereinseigenen Waldhaus aus. Das liegt in der Nähe der Holzerhütte und ist in den letzten Jahren in einen guten Zustand versetzt worden.

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