Brustkrebs
Gerlafingerin schreibt mit viel Sarkasmus über ihr Krebsgeschwür

Susanna Fluri hat trotz schwerer Krankheit den schwarzen Humor nicht verloren. Offen schreibt sie über hängende Brüste bei Brustkrebs - sie selber ist Brustkrebs-Patientin. Nun erscheint ihr Buch «Im Krebsgag vorwärts».

Agnes Portmann-Leupi
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Susanna Fluri mit ihrem Buch «Im Krebsgag vorwärts». apb

Susanna Fluri mit ihrem Buch «Im Krebsgag vorwärts». apb

Solothurner Zeitung

«Sind Sie unzufrieden mit Ihrem Busen? Versuchen Sie es mal mit Brustkrebs! Sie werden stauen, wie sehr Sie an Ihrem Busen hängen! Auch wenn er hängt.» Diese Frage stellt die an Brustkrebs erkrankte Susanna Fluri in ihrem eben erschienenen Buch «Im Krebsgag vorwärts». Der Untertitel «Eine nicht allzu todernste Betrachtung» verdeutlicht das Besondere an diesem Buch und zeigt, dass die Autorin ungeachtet ihrer Krankheit den Humor nicht verloren hat. Es lässt trotz Tragik eine gewisse Gelassenheit spüren, aber auch über viel schwarzen Humor nachdenken.

Dass sie das Krebs-Gen ihrer Grossmutter in sich tragen könnte, ist für Susanna Fluri zeitlebens gegenwärtig, ihr Denken ist offen für diese Krankheit. Als sie vor fünfeinhalb Jahren einen Knoten in ihrer rechten Brust bemerkt, gerät sie keineswegs in Panik. Ganz andere Sorgen plagen sie: Arbeitslosigkeit, Schulden und die Krebserkrankung zweier Onkel. Zeit zum Kranksein hat sie nicht, der Knoten schmerzt nicht einmal, und so nimmt sie die neue Arbeit im Vier-Schichtbetrieb der Papieri – in einer Männerdomäne – an. Hier bricht sie zwei Jahre später unter der Last zusammen. Ihr Chef schickt sie zum Arzt.

Nebenwirkungen verschiedener Art

Von da an geht alles schnell: Diagnose Brustkrebs, Chemo-Therapien Brustamputation, Bestrahlungen, Hormon-Therapie. Dazu gesellen sich Übelkeit, Beine wie Blei, Geschmackssinnverlust, mit Pilz befallene Schleimhäute, vernebelter Kopf, Haar- und Gewichtsverlust – und die Ausbreitung des Krebses mit Metastasen in den Knochen. Fluris Abwehrsystem verabschiedet sich. Ebenfalls die Kraft. Sie nimmt ihren Körper als Hülle wahr, ohne Emotionen, spürt nur Leere und Stille.

Ihr ist plötzlich alles egal: Essen, trinken, ja sogar der Gedanke ans Sterben. Dieser Zustand ohne Bedürfnisse, der ihr die Angst vor dem Tod nimmt, empfindet sie als gut. Susanna Fluri findet aber wieder ins Leben zurück. Nebenwirkungen erfährt sie nicht nur wegen der medikamentösen Behandlung, sondern auch aus zwischenmenschlicher Sicht. Sie weiss nicht, ob ihr Freunde und Bekannte aus Unsicherheit, Desinteresse oder Angst ausweichen. Sie erfährt auch nicht, ob ihre Arbeitskollegen die Einladung zum Feierabendbier aus den gleichen Gründen übergehen. In dieser Zeit erkrankt auch noch ihr Vater an Krebs. Mit ihren Lieben mitzuleiden, empfindet sie als weit schlimmer als das eigene Schicksal. Vater und Onkel sterben.

Das Leben als Theaterstück

Susanna Fluris Krebs ist unheilbar, die Ärzte versuchen, ihre Metastasen in den Knochen einzukapseln. «Auch wenn die Diagnose unheilbar besteht, werfe ich den ‹Pänggu› nicht weg», sagt die 51-jährige Single-Frau und spricht von der Hoffnung auf neue Medikamente und wieder einen Job zu finden. «Jaja, die Hoffnung stirbt zuletzt», sinniert sie. «Meine Krankheit gibt mir die Möglichkeit, intensiver zu leben und sich an Kleinem zu freuen», lässt sie in ihre Seele blicken.

Nach dem Motto «heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens», versucht sie, jeden Tag als neue Herausforderung anzunehmen. Aufsparen auf die Pension könne sie nichts. «Meine Gedanken sind vielleicht dem Tod näher, aber niemand kennt schliesslich den Zeitpunkt, auch ein Gesunder nicht», sagt sie. «Manchmal scheint mir das Leben wie eine Farce zu sein – ein Theaterstück, in dem wir eine Rolle zu spielen haben. Bis der Vorgang fällt.»

«Im Krebsgag vorwärts» von Susanna Fluri, Verlag Deutsche Literaturgesellschaft Berlin, ISBN 978-3-86215-949-9 ist in Buchhandlungen oder bei Susanna Fluri, fluri.s@gawnet.ch, erhältlich.

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