Brände
Gefahr droht, wenn Laien am Werk sind

Zehn Haus- und Wohnungsbrände meldete die Kantonspolizei Solothurn allein in den ersten beiden Monaten 2011. Praktisch in allen Fällen haben die Brandermittler «Defekte in den elektrischen Installationen» als Ursache festgestellt.

Franz Schaible
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Solothurner Zeitung

«Diese Häufung in kurzer Zeit von grösseren Brandschäden ist sicher ungewöhnlich», erklärt Alain Rossier, Direktor der Solothurnischen Gebäudeversicherung. Gründe dafür im jetzigen Zeitpunkt zu nennen, wäre ohne genaue Analyse jedes einzelnen Falles unseriös. Erst danach könnten Rückschlüsse gezogen werden. Denn ein «technischer Defekt» bedeute nicht zwingend, dass die «Hausinstallation» schlecht gewesen sei.

Es sei auch möglich, dass ein Elektrogerät oder die Verbindung vom Gerät zum Netzanschlussteil defekt gewesen sei. Rossier: «Klar ist aber, dass wir aufgrund der jüngsten Brände das Thema der Elektroinstallations-Sicherheit und Prävention neu aufnehmen und überprüfen, welche Verbesserungen möglich sind» (siehe Kasten).

Verantwortung liegt beim Besitzer

Kurt Jäggi, Präsident des Verbandes Kantonal-Solothurnischer Elektro-Installationsfirmen und Inhaber der Firma Jäggi Elektroinstallationen in Balsthal, weist darauf hin, dass gesetzlich der Eigentümer einer Liegenschaft für seine elektrische Installation verantwortlich sei und diese auch zu unterhalten habe. Dazu werde er vom Stromversorger periodisch daran erinnert, dass er die Installationen einer Sicherheitsprüfung unterziehen lassen müsse.

Die Perioden dauern von 20 Jahren (Wohnbauten) bis zu einem Jahr (Baustellen). Bei Handänderungen ist eine Kontrolle dann nötig, wenn die letzte Überprüfung mehr als fünf Jahre zurückliegt. Erstelle zudem ein Fachinstallateur eine elektrische Installation oder schliesse einen Kochherd oder eine Waschmaschine ans Netz an, müsse er einen Sicherheitsnachweis erstellen. Damit bürgt er, so Jäggi, für die fachmännische Ausführung und das Einhalten der Sicherheitsnormen.

Laien installieren

«Dank diesen periodischen Kontrollen werden Mängel in vielen Gebäuden entdeckt», ergänzt Rossier. Das bestätigt Jäggi. «Die Elektroinstallateure stellen in ihrer Berufspraxis immer wieder fest, dass elektrische Installationen nicht vom Fachmann, sondern von Laien erstellt werden. Das sind dann häufig Ursachen für Störungen, Überhitzung von Leitungen und elektrischen Installationen sowie Elektrounfällen und Bränden.» In den Baumärkten könnten Rohre, Kabel, Schaltapparate, Steckdosen oder Verbindungsdosen von jedermann gekauft werden. «Dieser Umstand senkt den nötigen Respekt vor dem Strom und verleitet zur Selbstinstallation», warnt
Jäggi.

Rossier weist daraufhin, dass der Liegenschaftsbesitzer bei der Kontrolle festgestellte Mängel fristgerecht beheben lassen müsse. Sonst drohten Mahnungen bis zum zwangsweisen Vollzug. «Oder der Stromlieferant kann gar die Stromzufuhr unterbrechen.» Dass es sich lohnt, als Liegenschaftsbesitzer die Verantwortung wahrzunehmen, zeigt sich spätestens beim Schadenfall. «Wenn wir feststellen, dass es bei einem Brand in Richtung Fahrlässigkeit geht oder die Mängel nicht behoben wurden, dann nehmen wir deutliche Kürzungen bei den Schadenzahlungen vor.»

Risiken steigen «exponenziell»

Wie erwähnt sind nicht nur elektrische Installationen, sondern vielfach auch elektrische Geräte die Ursache von Bränden. Diese würden oft unsachgemäss oder in falscher Umgebung eingesetzt, hält Alain Rossier fest. Zählte vielleicht vor 30 oder 40 Jahren ein Haushalt lediglich drei Geräte, könnten es heute schon gegen deren 40 sein. «Das Gefahrenpotenzial nimmt damit exponenziell zu.»

Aber manchmal können auch alle Vorsichtsmassnahmen und beste fachmännische Installationen einen Brand aus «technischen Gründen» nicht verhindern. Dann etwa, wenn Stromleitungen von Mäusen angefressen werden, wie im Fall des Brandes Anfang Januar in einem Einfamilienhaus in Wangen bei Olten.

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