Umweltschutz

Fledermäusen die Zukunft sichern – so rettet Helen Rutishauser die vom Aussterben bedrohte Tierart

Frau mit besonderer Aufgabe: Helen Rutishauser ist kantonale Fledermausschutzbeauftragte.

Frau mit besonderer Aufgabe: Helen Rutishauser ist kantonale Fledermausschutzbeauftragte.

Solothurn ist ein Fledermauskanton: Helen Rutishauser ist als Fledermausschutzbeauftragte des Kantons Solothurn Tag und Nacht auf Achse. Sie erzählt über Fledermäuse in Solothurn.

Helen Rutishauser betreut in der kantonalen Verwaltung eine Nische. Als Fledermausschutzbeauftragte berät sie die öffentliche Hand und Private bei Umbauten und Sanierungen, damit die bedrohten Tiere (auch) in Zukunft Schlafplätze und Nahrung finden. Sie sorgt dafür, dass verletzte und geschwächte Fledermäuse von ehrenamtlichen Helfenden gesund gepflegt werden und sie leitet das Monitoring der Bestände.

«Zu Beginn meines Studiums, dem Umweltingenieurwesen, hätte ich nicht erwartet, dass ich einmal beruflich mit Fledermäusen zu tun haben würde», sagt Rutishauser. Sie ist gebürtige Bernerin und lebt heute mit ihrer Familie in der Nähe von Olten. Hobbymässig war das Interesse an den nachtaktiven Flugkünstlern damals schon erwacht. Der Auslöser dazu sei vor 20 Jahren die Maturarbeit ihrer älteren Schwester zum Jagdverhalten von Fledermäusen gewesen, erzählt Rutishauser. Später absolvierte sie ein einjähriges Praktikum auf der Bernischen Informationsstelle für Fledermausschutz.

Als hätte ein Würfelzucker Flügel

«Mich fasziniert, wie flink die Fledermäuse sich nachts mittels Echoortung im Raum orientieren und ihre Beute aufspüren. Sie sind unglaublich effizient», so Rutishauser. Eine Zwergfledermaus vertilge in einer Nacht bis 2000 Mücken – bei nur fünf Gramm Körpergewicht. «Das ist, als hätte ein Stück Würfelzucker Flügel von 20 Zentimetern Spannweite», veranschaulicht die Expertin die Hochleistung in der Luft. Auch das Sozialleben der Fledermäuse sei spannend und teilweise noch nicht vollständig erforscht, schwärmt Rutishauser.

Aktuell würden Quartiere der Langohrfledermäuse untersucht, um mehr über den Zustand der Unterschlupfe und deren Umgebung zu erfahren. Das Graue Langohr ist eine der seltensten Arten der Schweiz und vom Aussterben bedroht. Im Kanton Solothurn sei sie mit 18 bekannten Quartieren vergleichsweise stark vertreten, daher hat Rutishauser «die grosse Chance und Verantwortung, entscheidend für den Erhalt dieser Art zu wirken».

Solothurn ist ein Fledermauskanton

Übers Jahr gerechnet deckt die Fledermausschutzbeauftragte ein Pensum von zehn Stellenprozenten ab. Hauptberuflich ist sie im Kanton Basel-Landschaft auf der Naturschutzfachstelle tätig, wo sie die ganze Bandbreite von Fauna und Flora im Fokus hat. Dem Lebensrhythmus der Fledermäuse folgend, hat Rutishauser von Mai bis Juli am meisten zu tun, besonders abends mit Beginn der Dämmerung.

Im Winter, wenn die Tiere in Höhlen, Tunneln, hohlen Bäumen und Scheiterbeigen kopfüber Winterschlaf halten, steht die Umsetzung von Gebäudesanierungen im Zentrum. Die Vermittlung von Adressen von «Fledermausdoktoren» ist das ganze Jahr über gefragt, wenn Leute Tiere finden, die krank oder einer Katze zwischen die Krallen geraten sind. «Dabei und auch bei der jährlichen Zählung der bekannten Bestände werde ich von freiwilligen Fledermausschützern stark unterstützt», sagt Rutishauser.

Wer hätte das gedacht: Solothurn ist ein Fledermauskanton. Von den 30 Arten, die in der Schweiz vorkommen, wurden gemäss Rutishauser 23 im Kanton nachgewiesen. Zum Vergleich: Im Kanton Bern sind es 21. Am häufigsten komme die Zwergfledermaus vor. Gut vertreten seien auch Wasserfledermäuse mit ihren kräftigen Greiffüssen. So genannt, weil sie direkt über der Wasseroberfläche jagen und oft in Brücken Quartier nehmen.

Die vergleichsweise günstige Ausgangslage bei diversen Beständen führt die Fledermausschutzbeauftragte auf die Kombination von naturbelassenen, untereinander verbundenen Flächen am Jura und das Vorhandensein mehrerer grosser Höhlen als Winterquartier zurück.

Die meisten Arten sind gefährdet

Trotzdem gilt: Von den 23 Arten sind 19 gefährdet und teilweise vom Aussterben bedroht. Alle Fledermäuse und ihre Quartiere sind per Bundesgesetz geschützt, für den Vollzug setzen die Kantone Fledermausschutzbeauftragte ein. Diese vernetzen sich in der Stiftung für Fledermausschutz mit Sitz in Zürich, mit Fachtreffen zweimal jährlich. «Wir besprechen dann Fälle aus der Praxis und beraten einander», so Rutishauser.

Sie hat die Arbeit als Fledermausschutzbeauftragte vor zwei Jahren in der laufenden Amtsperiode von ihrem Vorgänger Elias Bader übernommen. Die Tätigkeit, erklärt Rutishauser, setze zugleich eine hohe Selbstständigkeit und eine gute Zusammenarbeit mit anderen Amtsstellen voraus, zum Beispiel mit dem Tiefbau und dem Denkmalschutz.

Im Juni befasste sich der Regierungsrat zuletzt mit dem Amt der Fledermausschutzbeauftragten, mit der Gutsprache für eine weitere Amtsperiode – in einem nicht öffentlichen Beschluss. Die Geheimhaltung hat nichts mit dem Leistungsauftrag zu tun, auch wenn die Tätigkeit gelegentlich bei Nacht und Nebel stattfindet, versichert Barbara Röthlisberger, Leiterin Administration beim zuständigen Bau- und Justizdepartement. «Der Grund ist das Salär, das die Öffentlichkeit nichts angeht. Da ein Regierungsratsbeschluss nicht teilweise öffentlich sein kann, musste er als nicht öffentlich deklariert werden.»

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