St. Katharinen

Das Altersheim St. Katharinen hat Therapeuten auf vier Pfoten

Für Tierbesitzer bedeutet der Eintritt ins Altersheim oft nicht nur Abschiednehmen von der vertrauten Umgebung, sondern auch von lieb gewonnenen Vierbeinern. Im Altersheim St. Katharinen kommen auch tierische Helfer zum Einsatz.

Sie sind Seelentröster, Spielgefährten und schenken unvoreingenommen Zuneigung und Geborgenheit – Haustiere haben für viele Menschen einen hohen emotionalen Stellenwert. Auch für Senioren ist die Trennung vom Haustier oft eine undenkbare Vorstellung.

So auch für Erna Murgia. Seit bald drei Monaten lebt sie im Alters- und Pflegeheim St. Katharinen: «Dass ich meine Katze mitbringen durfte, hat den Eintritt sehr erleichtert. Zu wissen, dass jemand Vertrautes in der Nähe ist, gibt Kraft», sagt sie. Auch Heimleiter Peter Aegerter ist überzeugt, dass die Anwesenheit von Tieren auf viele Bewohner tröstend und beruhigend wirkt. «Sich um ein Tier zu kümmern, ist für viele Senioren eine schöne Aufgabe. Das Gefühl, gebraucht zu werden und für jemanden Verantwortung zu tragen, gibt Lebenssinn.»

Will jemand sein Haustier mit ins Heim nehmen, muss zuvor vertraglich festgelegt werden, wer für anfallende Kosten aufkommt und wer sich um das Tier kümmert, sobald die betreffende Person nicht mehr dafür sorgen kann. Zudem müssen Regeln eingehalten werden, damit die Bedürfnisse der Tierbesitzer, des Personals, der Mitbewohner und der Tiere selber erfüllt werden.

Tiere bringen Leben in den Alltag

Im Altersheim St. Katharinen werden Tiere seit vielen Jahren als Therapeuten anerkannt und in die Betreuungs- und Pflegekonzepte integriert. «Die Tiere bringen Leben in den Heimalltag, liefern Gesprächsstoff und haben positive Auswirkungen auf die körperliche und seelische Gesundheit unserer Heimbewohner», sagt Aegerter. Ihm ist es ein Anliegen, dass sich die Bewohner daheim fühlen. Seiner Ansicht nach verkörpern Tiere für viele Menschen ein Stück Zuhause.

«Aber nur Menschen, die Tiere mögen und keine Angst vor ihnen haben, können von ihrer Gegenwart profitieren», sagt Aegerter. Man müsse respektieren, dass sich einige vor Tieren fürchten oder allergisch auf sie sind. Die institutionseigenen Tiere, darunter zwei Ponys, Ziegen, Kaninchen, Hühner, Enten, Wasserschildkröten und Koi-Fische, erfreuen sich jedoch bei den meisten Heimbewohnern grosser Beliebtheit. Sie alle stellen Ansprüche an eine artgerechte Haltung und Pflege. Für das Heim bedeutet dies zusätzliche Kosten und für das Pflegepersonal einen Mehraufwand. Zudem bedingt Tierhaltung eine gut ausgebaute Infrastruktur.

Für die Tiere des Altersheims wurden möglichst natürliche Lebensräume geschaffen. Zur Ausstattung des Tierparks gehören zwei Biotope, ein Bach, weitläufige Tiergehege und Grossvolieren. Die gepflegte Aussenanlage versprüht einen naturverbundenen Charme. Der rollstuhlgängige Begegnungsweg, der den Park umgibt, lädt zu Spaziergängen ein und die vielen Sitzmöglichkeiten zum Verweilen und Beobachten. Ein Pavillon bietet den Bewohnern die Möglichkeit, sich auch bei schlechtem Wetter draussen aufzuhalten und mit den Tieren in Kontakt zu treten. Dass das Projekt Tierpärkli überhaupt zustande kam, verdankt man privaten Spendern.

Es kann vorkommen, dass es den tierischen Gefährten manchmal sogar eher gelingt, den Zugang zu einem Heimbewohner zu finden, als dies dem Pflegepersonal möglich ist. Denn sie ermöglichen Kommunikation auf nonverbaler Ebene. Gerade bei Menschen mit sprachlichen Einschränkungen können Mensch-Tier-Beziehungen Wunder bewirken. Aegerter weiss von einem demenzkranken Mann zu berichten, der sich von seiner Aussenwelt isoliert hatte. Als man ihn mit einem Therapiehund konfrontierte, zeigte er zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Emotionen und fing herzlich an zu lachen. Auch wenn sie nicht dafür ausgebildet wurden, erweisen sich Tiere also immer wieder als Therapeuten und treue Wegbegleiter.

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