Solothurn

Bielstrasse 160 weicht für Haus mit mehr als 45 Genossenschaftswohnungen

Letzte Woche wurde mit der Destruktion des Magazingebäudes angefangen.

Letzte Woche wurde mit der Destruktion des Magazingebäudes angefangen.

Das Haus an der Bielstrasse 160 wird diese Woche abgerissen, nachdem es für ein Jahr unter provisorischem Schutz stand.

Die Fenster sind herausgenommen worden, wertvolle Einzelteile wurden ausgebaut – so steht das blassrosafarbene Haus an der Bielstrasse 160 wie nackt da. Früher ein herrschaftliches Haus, heute wartet es auf die Abrissbirne. Es soll für Genossenschaftswohnungen weichen. Wo damals wenige gewohnt haben, sollen in naher Zukunft viele wohnen.

Doch ist dieses Haus nicht schützenswert? Das hat sich auch der Kanton gefragt, nachdem die Baugenossenschaft «Frohes Wohnen» im Oktober 2018 ein Abrissgesucht stellte. Die kantonale Denkmalpflege wurde aktiv und empfahl in einem Kurzgutachten «angesichts der grossen architekturhistorischen, städtebaulichen, und bautypologischen Bedeutung» den Erhalt des Gebäudes. Per Regierungsratsbeschluss wurde das Wohnhaus und das Nebengebäude – das Magazingebäude mit der Hausnummer 162 – im Februar 2019 provisorisch unter Denkmalschutz gestellt. Innerhalb eines Jahres sollte untersucht werden, ob das Haus schützenswert ist. Während dieser Zeit durfte es nicht abgerissen werden.

Es ist «erhaltenswert», nicht «schützenswert»

Im Februar 2020 dann der Entscheid: Der Liegenschaft sei Denkmalcharakter zuzusprechen, heisst es im Gutachten. Doch: «Unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten drängt sich eine Einstufung der Liegenschaft als erhaltenswert auf.» Dies ist eine andere Klassifizierung als «schützenswert». Es sei zwar ein typischer Bau des Historismus und des «gehobenen Wohnens aus der Zeit um 1900», bei dem die Originalsubstanz noch erhalten sei. Es fehlen aber wichtige Elemente: Die schmucke Gartenmauer mit dem darauf gesetzten Eisengitter und der Vorgarten sind verschwunden. Heute ist das Grundstück durch eine nicht bemerkenswerte Mauer umringt. Auch die Alleebäume auf dem Trottoir mussten einer Strassenkorrektur weichen. Durch diese Verluste, büsse das Haus an Repräsentanz ein, heisst es.

Das Quartier ist wichtig für die Bewertung

Bei der Bewertung der Liegenschaft spielt die Umgebung eine entscheidende Rolle. So sind erhaltenswerte Gebäude wichtig für das Ortsbild. Gemäss des Inventars der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz wird diesem Quartier aber eine «geringe räumliche und architekturhistorische Bedeutung» zugemessen. Zuletzt wird der Zustand des Gebäudes befragt. Hier ist das Urteil des Gutachtens vernichtend: Es sei «abgewirtschafteten» und «abgewohnt». Diese Faktoren führten dazu, dass davon abgeraten wurde, die Liegenschaft gegen den Willen der Eigentümer unter Denkmalschutz zu stellen. Daraufhin wurde das unterbrochene Baubewilligungsverfahren wieder aufgenommen, und Ende März bewilligte die städtische Baukommission den Abriss des Gebäudes. Letzte Woche wurde mit der Destruktion des Magazingebäudes angefangen. Vor Ablauf dieser Woche, sollen beide Gebäude nicht mehr stehen. In Zukunft soll hier ein Wohnhaus mit mehr als 45 günstigen Wohnungen stehen. Die Baugenossenschaft hofft, spätestens Anfang 2023 mit dem Bau beginnen zu können.

Verwandte Themen:

Autorin

Judith Frei

Meistgesehen

Artboard 1