Die beiden preisgekrönten Protagonisten boten in ihrem Programm «Strauchelzoo» eine gelungene Mischung aus Slam Poetry, Kabarett und Musik. Wenn sie eine Lobeshymne auf die Mittelmässigkeit anstimmten oder eine Lobby des Scheiterns forderten, zeigten sie auf, wohin die Reise gehen soll. Schliesslich ist die Spezies Mensch nun einmal makelbehaftet.

Ironischerweise heben sich die Künstler allerdings klar vom Durchschnitt ab. Schon beinahe überschäumender Wortwitz, innovative Pointen und eine unverschämte Schlagfertigkeit kennzeichneten das abendfüllende Programm. Als Zuschauer fragt man sich unwillkürlich. «Woher nehmen die das alles?» Immerhin tröstlich, dass ihre Wortakrobatik schon mal auf die eigene Person zielt.

Imaginäre Fragezeichen

Reizvoll ist dabei auch die Tatsache, dass der Musiker nicht einfach sein Ding macht, sondern in die teilweise abenteuerlichen Wortspielereien eingebunden wird. Daraus ergibt sich nämlich eine weitere Dynamik im Zusammenspiel. Hier der eher scheue bis melancholische Samuel Blatter, dessen Einschübe deswegen nicht minder gewitzt sind; da der gewiefte, ausdrucksstarke und mit immenser Bühnenpräsenz versehene Kilian Ziegler.

Dieser kokettiert zudem gekonnt mit dem Publikum, gefällt sich hie und da in Auslassungen und scheint sich diebisch zu freuen, wenn über den Zuschauerrängen vor dem befreienden Lachen zuerst einmal ein imaginäres Fragezeichen hängt. Besonders stark sind die Momente, wenn Kilian Ziegler auf seine immense Erfahrung als Slam Poet zurückgreift. Kaskadenartig fällt der Wortschwall dann auf die Zuhörenden ein und entfaltet eine bemerkenswerte lautmalerische Poesie.

Eine Ode an die Fabulierkunst

«Egal, was der Mensch macht, es ist wie ein Kind mit zwei verschieden langen Beinen – es geht schief», lassen die Künstler zu Beginn verlauten. Und trampeln danach lustvoll auf den menschlichen Schwächen herum, lassen gelegentlich die politische Korrektheit links liegen, suchen nach Auswegen aus dem Strauchelzoo. Sie entlarven sinnlose Werbebotschaften, ebenso fluchende Busfahrer, nehmen gewisse Berufsgruppen auf die Schippe, versuchen sich in Liebesgedichten, erzählen Fabeln und krönen das Ganze schliesslich mit einer gelungenen Parodie auf das Schlagerwesen.

Strauchelzoo: Eine Ode an die Fabulierkunst, gespickt mit sprachlichen Finessen und getragen von einem unerschütterlichen Optimismus. Zurücklehnen gilt für den Zuschauer, die Zuschauerin nicht, oder dann nur zum Preis einer verpassten Pointe.