Zweite «Blinddarm-Operation» abgeblasen

Im Soge der Finanzkommission hat auch der Einwohnerrat die Stadtreparatur Blinddarm/Gstühl nicht ganz unerwartet bachab geschickt, doch nur knapp. In einer intensiv geführten Diskussion konnte die Kritik an den Teilprojekten nicht weggeräumt werden.

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Einwohnerrat Baden

Einwohnerrat Baden

Aargauer Zeitung

Roman Huber

Der Öffentlichkeit erweise man mit diesem Vorhaben keinen Dienst, so lautete eines von vielen Voten, welche die als Flickwerk bezeichnete Stadtreparatur an der Schnittstelle Blinddarm/Gstühl kritisierte. Die Gegenfrage blieb nach der Abstimmung im Raum hängen: Hat der Einwohnerrat der Öffentlichkeit einen Dienst erwiesen, indem er diesen Unort so stehen lässt und ein von einer Spezialkommission begleitetes Projekt verhindert.

Von der Finanzkommission torpediert

Aufgrund der Vorgeschichte hätte man davon ausgehen können, dass das Projekt nun eine Mehrheit finden würde. Doch im Vorfeld der Ratssitzung wurde es von der Finanzkommission regelrecht abgeschossen. Die Fiko wolle kein Flickwerk, denn zu viele Elemente in diesem Verbund seien noch ungelöst, erklärte Präsident Olivier Funk und spielte unter anderem die Unterführung Sterk und das Südhaus an. Ebenso vermisste die Fiko verbindliche Verträge.

Reto Huber (cvp) versuchte die schlechten Gefühle bzw. die Stimmung umzukehren. Funktionell wie architektonisch sei das Beste aus diesem Ort gemacht worden. Wolle man für die neuen Läden im Blinddarm und im City-Corner die Situation verbessern, so müsse man nun diesen Unort beheben. Die Mietzinse seien garantiert, darum wäre die Nettoinvestition gemessen am Gewinn letztlich klein. Huber fragte sich zudem, was man mit einem Aufschub gewinnen würde.

Die Kosten von 3,2 Mio. Franken seien zu hoch, der Mehrwert für die Öffentlichkeit zu klein, so Stefan Brand (team). Er vermisse eine alternative Minimallösung oder eine Aufwertung des Ortes ohne bauliche Massnahmen. Für Brand sei dieser Ort nicht zwingend ein Schandfleck. Er könnte sich hier auch Räume für Kunst und Kultur vorstellen.

Chance des Wettbewerbs verpasst

Karin Bächli (sp) zweifelte, dass dies das optimale Projekt sei. Laut ihrer Meinung hätte man einen Wettbewerb durchführen sollen. Bächli glaubt auch nicht an die budgetierte Refinanzierung durch die Mietzinse, ebenso nicht an den Erfolg des geplanten Cafés neben Bahnlinie und Busrampe. André Bauer (svp) störte sich primär an den hohen Honorarkosten. Beatrice Schilling (grüne) kritisiert die Massnahmen für das LWB, wo doch dieses einst als Kulturlokal gedacht gewesen sei. Sie schlug vor, die Veloverbindung ohne Rampe zu öffnen, und fragte sich, was man verliere, wenn man nichts mache.

FDP-Einwohnerrat und Architekt Peter Courvoisier brach eine Lanze für das Vorhaben, vermochte aber das Blatt auch nicht mehr zu wenden. Er erklärte zwar, warum diese Aufwertung auf der Linie Innenstadt, Blinddarm, Gstühl, Langhaus wichtig sei und dass die Situation städtebaulich dadurch deutlich verbessert würde. Dagegen forderte Isabelle Wanner (glp), dass die Bauerei ende, man könne später schauen. Auch für Peter Heer (fdp) war die Vorlage als Lösung nicht überzeugend. Es brauche weder ein Tages-Café noch ein Fumoir für das LWB, erklärte Ursina Schmidlin (grüne) und sagte, dass dieser «Nullort» sein dürfe.

Ja und Nein quer durch Fraktionen

Stadtrat Kurt Wiederkehr konnte einiges korrigieren, doch schienen die Meinungen gemacht. Dass man denselben Architekten beauftrage, der das Siegerprojekt für die Gestaltung Innenstadt (samt Blinddarm-Ladenpassage) zeichnete, sei logisch. Er wies auf den Wertgewinn für die Läden, das LWB, die Umgebung etc. hin. Und die Arbeiten seien noch nicht vergeben, so könne man auch die Honorare noch verhandeln.

In allen Fraktionen war man geteilter Meinung. Schwer überblickbar war darum bei der Abstimmung das Feld der erhobenen Hände. Die Stimmenzählerinnen stellten 24 Nein- und 22 Ja-Stimmen fest.

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