Es gab Journalisten, die gestern wortlos das Telefon aufgelegt haben, weil Elisabeth Schneider-Schneiter partout nicht vorgängig sagen wollte, ob sie für den Bundesrat kandidiert oder nicht. Die Baselbieter CVP-Nationalrätin wollte ihren Entscheid zuerst vor den Parteikollegen kommunizieren. Und ja, sie will: Sie bewirbt sich für die Nachfolge von Bundesrätin Doris Leuthard.

Die 54-Jährige politisiert seit 2010 im Nationalrat. Die Aussenpolitik ist ihr Steckenpferd: Derzeit präsidiert sie die entsprechende Parlamentskommission und sie gehört auch der Delegation beim Europarat an. Sie ist zudem Mitglied im Parteipräsidium der CVP und vor allem: Präsidentin der Handelskammer beider Basel und auch im Vorstand von Economiesuisse. Mit anderen Worten: Schneider-Schneiter bringt einen beträchtlichen Rucksack mit. Sie selbst sieht sich in Bern als Brückenbauerin, die schon eine Reihe mehrheitsfähiger Entscheide durchgesetzt hat.

Dennoch werden ihr im Bundesratsrennen nur geringe Chancen eingeräumt. Paradoxerweise gilt sie als gute Netzwerkerin, ihr fehlt aber die breite Akzeptanz im Parlament. Bundesrat sei eine Nummer zu gross für sie, sagen viele Nationalratskollegen, wenn auch nur hinter vorgehaltener Hand. Ihre Kritiker monieren, der Juristin fehle das Rückgrat und sie sei formbar. Das zeige sich daran, dass sie in ihrer Heimat als linke CVPlerin gelte, in Bundesbern aber dem rechten Flügel zugeordnet werde. Die Metamorphose wird mit der Wahl zur Präsidentin der Handelskammer erklärt. Allerdings vertritt Schneider-Schneiter auch unpopuläre Meinungen: An ihrer Kritik an den Sanktionen gegen Russland hält sie fest, obschon kürzlich russische Spionagetätigkeiten in der Schweiz aufgeflogen sind.

Rechts, oder doch nicht?

Weiterhin offen ist, ob die Walliser Nationalrätin Viola Amherd kandidieren wird. Sie könnte wohl auf die Unterstützung von Mitte-Links zählen. Schneider-Schneiter — davon gehen Beobachter aus — würde zwischen den beiden Flügeln zerrieben. Wohl eher auf die rechten Stimmen in der Bundesversammlung schielt die Urner Regierungsrätin Heidi Z’graggen. Die Justizdirektorin bringt 14 Jahre Erfahrung in einer Exekutive mit, ist Mitglied mehrerer Regierungskonferenzen und präsidiert die eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission.

Z’graggens wichtigstes Projekt als Regierungsrätin war die Realisierung des Tourismusresorts in Andermatt des ägyptischen Investors Samih Sawiris. Sehr eingesetzt hat sie sich aber auch für das Reussdelta, das zu einem wichtigen Natur- und Erholungsraum geworden ist. Z’graggen sagt von sich selbst, dass sie wirtschaftsfreundlich sei. Daraus — und aufgrund ihrer Partnerschaft mit SVP-Mann Bruno Dobler — abzuleiten, dass sie eine rechte CVPlerin sei, wäre aber falsch, sagt ein Parteikollege. Gerade in Umwelt-, Raumplanungs- und Energiefragen ticke Z’graggen nicht rechts. Sie selbst sagt, als Regierungsrätin denke man nicht im Links-Rechts-Schema, sondern in Projekten.

Die 52-Jährige gilt als Politikerin, die ihre Meinung resolut vertritt, aber auch als kompetent und thematisch breit aufgestellt. Sie hat allerdings ein Handicap: Als Regierungsrätin kommt sie von aussen, ist in Ben wenig bekannt und hat keine Machtbasis in der Bundesversammlung. Sie spricht von einer grossen Herausforderung: «Ich werde mich in den nächsten Wochen bei meinen Parteikolleginnen und Parteikollegen gerne bekannt oder noch bekannter machen. Nicht mit einer Kampagne à la Pierre Maudet sondern auf die Urner Art: Mit einem guten Umfeld und mit einer pragmatischen Herangehensweise.»