Kinderbräute
Zwangs-Ehen: Verheiratete Minderjährige beantragen vermehrt Asyl

Alleine in diesem Jah betreute die Fachstelle Zwangsheirat 24 Kinderbräute. In den zehn Jahren zuvor waren es nur fünf. Immer mehr verheiratete Minderjährige stellen in der Schweiz den Antrag auf Asyl.

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Starker Anstieg: Verheiratete Minderjährige stellen vermehrt Asyl

Starker Anstieg: Verheiratete Minderjährige stellen vermehrt Asyl

Keystone

Die Schweiz ist zunehmend mit verheirateten minderjährigen Mädchen konfrontiert, die Asyl beantragen. «Allein diese Woche sind drei neue Fälle hinzugekommen», sagt Anu Sivaganesan Vorsteherin der Fachstelle Zwangsheirat zur Zeitung «Schweiz am Sonntag».

Wie viele minderjährige Ehefrauen tatsächlich hierzulande Schutz suchen, ist unklar. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) führt dazu keine Statistik. Sorgen bereitet den Hilfsorganisationen vor allem, dass einige der verheirateten Mädchen noch nicht einmal 15 Jahre alt sind. Hier zeigt sich ein deutlicher Anstieg. Alleine die Fachstelle Zwangsheirat betreute dieses Jahr 24 Kinderbräute. In den zehn Jahren zuvor waren es lediglich fünf.

Diese Entwicklung hängt wohl mit der neuen Migration aus Ländern wie Syrien, Somalia, Eritrea und Afghanistan zusammen. Dort sind die Menschen besonders in Not. Doch was passiert, wenn diese Mädchen in der Schweiz Asyl beantragen?

Automatische Annullierung

Die Behörden annullieren Ehen automatisch, wenn die Frau oder der Mann unter 16 Jahre alt ist. Die Kinderbräute bekommen daher besonderen Schutz und werden als unbegleitete Minderjährige (UMAs) erfasst und betreut. Anders sieht allerdings die Situation bei den über 16-Jährigen aus. Ist das asylsuchende Ehepaar zwischen 16 und 18 Jahre alt, wird heute von Fall zu Fall entschieden.

In Einzelgesprächen klären die Behörden: Sagten die Minderjährigen unter Zwang Ja? Erfuhren sie in der Ehe sexuelle Gewalt? Wie häufig solche Abklärungen stattfinden und wie oft die Ehe bestehen bleibt, ist vom SEM nicht zu erfahren. Dies ist für die Zürcher CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer unverständlich. «Mich interessiert, zu welchen Gunsten die Behörden mehrheitlich entscheiden», sagt sie. Es könne nicht sein, dass dies nicht offengelegt werde.

Seit dem 1. Juli 2013 gilt in der Schweiz: Heiraten unter 18 Jahren werden grundsätzlich nicht anerkannt, Ausnahmen sind aber bei im Ausland geschlossenen Ehen möglich. Menschenrechtlerin Sivaganesan will daher vor allem wissen, wann diese Ausnahmen gewährt werden. Denn sie stellt sich auf den Standpunkt: «Schweizer Recht muss für alle gelten, auch solche ohne Schweizer Pass.» Nur so bekämen die Mädchen ein Stück ihrer Kindheit zurück.

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