Das ging zackig. Es dauerte kurz vor vier Uhr nachmittags nur wenige Minuten, dann hatte Simonetta Sommaruga (SP) den symbolischen Schlüssel des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD) an ihre Nachfolgerin Karin Keller-Sutter (FDP) übergeben.

Wer, zugegeben, zwei oder drei Minuten zu spät kam, der hatte Pech im Bundeshaus West, es gab keinen Einlass mehr ins Büro der Justiz- und Polizeiministerin, in dem die Übergabe am stattfand. Das Personal versuchte zwar fieberhaft, einen Weg zu finden, aber das war gar nicht so einfach, weil niemand riskieren wollte, die kurze Feierlichkeit und die beiden anspruchsvollen Bundesrätinnen durch Hereinplatzen zu stören.

Ein Mobile zur Departementsübergabe im EJPD

Simonetta Sommaruga, Karin Keller-Sutter und das Mobile.

   

So kurz die Übergabe ausfiel, so herzlich war sie. Die zwei Frauen stiessen mit Champagner an, und die abtretende Justizministerin Simonetta Sommaruga schenkte ihrer Nachfolger Karin Keller-Sutter ein buntes Mobile. «Das EJPD ist für die Menschen da: für die Familien, die Kinder, die Flüchtlinge und die Opfer von Gewalt. Das EJPD sorgt sich um den Ausgleich und um die Gerechtigkeit», sagte Bundesrätin Sommaruga. «Das Mobile steht für diesen Ausgleich – aber auch für die Sorgfalt und das Feingefühl, das es in diesem Departement braucht.»

Da wollten sich zwei Bundesrätinnen nicht lange von der Arbeit abhalten lassen. Nach der kurzen Schlüsselübergabe unterhielten sich die beiden unter vier Augen über die zu erledigenden Geschäfte, und diese Arbeit war ihnen wichtiger: Es gibt viel zu tun. Und Sommaruga wird schon heute von Doris Leuthard (CVP) den Schlüssel zum Infrastrukturdepartement Uvek übernehmen.

Ein paar kleine Sticheleien

Eine andere Welt hatte sich früher am Tag im Bundeshaus Ost präsentiert, wo das Verteidigungs- und das Wirtschaftsdepartement angesiedelt sind. Um zehn Uhr übergab der abtretende Verteidigungsminister Guy Parmelin (SVP) im Korridor vor dem Chefbüro den symbolischen Schlüssel seiner Nachfolgerin Viola Amherd (CVP). Es wurde ein Akt mit ein paar kleinen Sticheleien.

Viola Amherd übernimmt das VBS: Ist ein Tennisschläger ein gutes Omen?

Viola Amherd übernimmt das VBS: Ist ein Tennisschläger ein gutes Omen?

   

Der Waadtländer händigte seiner Nachfolgerin praktische und etwas mehrdeutige Geschenke aus. Ein Buch über Waffenplätze, damit Frau etwas über die Männerwelt Armee dazulernen kann. Zudem einen Tennisschläger, denn er habe gehört, sie treibe Sport, so Parmelin. «Das ist lange her», stöhnte die Walliserin, aber schlagfertig behändigte sie das Sportgerät und lachte: «Ich weiss, wie man den Schläger in die Hand nimmt.» Ob das eine leichte Drohung an die Generäle war, blieb ihr Geheimnis. «Viel Vergnügen, aber auch viel Arbeit» komme auf sie zu, beschied ihr Parmelin noch. «Ich bin keine Frau der Schnellschüsse», sagte Amherd, und wieder wusste man nicht, ob das doppelbödig gemeint war, wurde Parmelin doch immer mal wieder als «Monsieur Schnellschuss» bezeichnet. Amherd betonte, dass sie nicht nur den VBS-Schlüssel übernehme, sondern auch die Verantwortung für die 12'000 Mitarbeiter.

Auftrag: Vollbeschäftigung

Parmelin stand auch vier Stunden später wieder im Fokus, aber diesmal als Empfänger der Schlüssels. Ein paar Schritte neben dem VBS-Chefbüro befindet sich das Büro des Wirtschaftsministers. Und dort übergab ihm Johann Schneider-Ammann (FDP) einen Schlüssel, der aus dem dane- ben aufgestellten 3-D-Drucker stammte. Als ob Parmelin so was noch nie gesehen hätte. «Ich übergebe den Schlüssel mit Überzeugung», so Schneider-Ammann, und er reichte seinem Nachfolger den Auftrag nach: «Vollbeschäftigung». Er habe verstanden, gab Parmelin zurück, «das Leitmotiv hier sind Jobs, Jobs, Jobs».

Schneider-Ammann übergibt Parmelin gedruckten Schlüssel

Schneider-Ammann übergibt Parmelin gedruckten Schlüssel

   

Auf Schneider-Ammanns Nachfolger kommen harte Zeiten zu, die Latte ist hoch gesetzt. «Ich weiss, dass die Erwartungen gross sind», sagte Parmelin im Gespräch, und er stelle sich auf viel Arbeit ein. Er gestand offen, dass er «etwas überrascht» gewesen sei, wie schlecht ihn einige Medien darstellen.

Der Waadtländer wirkte angespannt, er findet sich in ähnlicher Rolle wieder wie vor Jahren Adolf Ogi (SVP), der öffentlich spöttisch als Leichtgewicht abgetan wurde, als «Primarschüler» und «Skilehrer». Auch Parmelin, einst Weinbauer, fühlt sich zu Unrecht herabgesetzt. Aber er machte klar, dass er wie einst Ogi gewillt ist, Kritiker Lügen zu strafen.

Deutlich wurde gestern, wie be- liebt Wirtschaftsminister Schneider-Ammann bei seinen Leuten war. «Er war ein umgänglicher Chef, der grosse Gelassenheit ausstrahlte, nie die Nerven verlor», sagte einer. Man trauert dem Berner nach. Und ist gespannt, ob Parmelin eine ähnli- che Souveränität entwickelt.