Tierischer Ärger
Krähen unter Beschuss: Westschweizer Stadt bekämpft die Plage mit Bussarden – und fordert nun nationale Lösungen

Die Stadt Yverdon-les-Bains versucht Krähen mit allen Mitteln zu vertreiben – mit wenig Erfolg. Kürzlich beschäftigte sich gar der Bundesrat mit den Vögeln, die auch anderswo für Ärger sorgen.

Julian Spörri, Lausanne
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Krähen – im Bild die Saatkrähe – sind in Schweizer Städten ungern gesehen.

Krähen – im Bild die Saatkrähe – sind in Schweizer Städten ungern gesehen.

Symbolbild: Annika Buetschi

Yverdon-les-Bains gehen die Krähen tierisch auf die Nerven. Seit dem Jahr 2008 kämpft die Stadt am Neuenburgersee gegen den Lärm und die Verunreinigungen, die der unliebsame schwarze Vogel verursacht. Um der Lage Herr zu werden, wurde alles Erdenkliche ausprobiert: Die Stadt passte den Baumschnitt an, damit der Nestbau der Krähen – seien es Rabenkrähen oder Saatkrähen – erschwert wird. Sie spielte in betroffenen Quartieren Tonaufnahmen von Artgenossen in Not ab und entfernte jeweils minutiös alle Nester aus dem Vorjahr. Zuletzt probierten es die Behörden gar mit tierischer Unterstützung. «Wir haben einen Falkner engagiert, der seinen Bussard über der Stadt fliegen liess, um die Krähen aufzuscheuchen und zu vertreiben», erklärt Brenda Tuosto, die zuständige Stadträtin.

Doch genützt haben die Bemühungen herzlich wenig. Im Gegenteil: Die Populationen sind weiter gewachsen – über die letzten beiden Jahre hinweg gesehen um 40 Prozent. Woran das liegt, ist für Tuosto klar.

«Ein grosses Problem ist die vom Bund vorgeschriebene Schonzeit von Mitte Februar bis Ende Juli.»

«In dieser Periode können wir keine Massnahmen gegen die Krähen ergreifen. Sogar der Bussard darf nicht eingesetzt werden.» Dies ermögliche es den cleveren Vögeln, sich erneut auszubreiten.

Krähen machen sich auf dem Bahnhofplatz von Yverdon-les-Bains breit – und sorgen für hohe Reinigungskosten.

Krähen machen sich auf dem Bahnhofplatz von Yverdon-les-Bains breit – und sorgen für hohe Reinigungskosten.

Julian Spörri

Der Bund soll handeln

Um aus diesem Hamsterrad auszubrechen, wollte Yverdon-les-Bains im aktuellen Jahr auch in der Schonzeit gegen die Krähen vorgehen können. Ein entsprechendes Gesuch wurde vom Kanton Waadt jedoch abgelehnt. Die Situation sei zwar problematisch, doch das Ausmass der Schäden rechtfertige keine Ausnahmegenehmigung, so die Begründung. Nun fordert Tuosto den Bund zum Handeln auf:

«So wie wir die Krähen heute bekämpfen, bekommen wir das Problem nicht in den Griff. Es braucht Lösungen auf nationaler Ebene, zumal die Thematik auch andere Städte betrifft.»

In der Romandie waren dies in den letzten Jahren beispielsweise Payerne oder Lausanne.

FDP-Nationalrat Olivier Feller.

FDP-Nationalrat Olivier Feller.

Anthony Anex / Keystone

Eine Möglichkeit sieht die SP-Stadträtin darin, dass der Bund an den betroffenen Orten Vergrämungsmassnahmen bis zum Zeitpunkt der Eiablage erlaubt. Sie sei jedoch auch offen für andere Lösungen. So könnte man etwa untersuchen, wie die Krähen dazu gebracht werden, am Stadtrand zu bleiben, sagt Tuosto.

FDP-Nationalrat reichte Interpellation ein

Die Krähen sind derzeit nicht nur in den Städten ein Thema. Auch auf dem Land sorgen sie für Ärger, der seine Wellen bis nach Bundesbern schlägt. Weil Krähen Schäden an Getreidekulturen anrichten, Früchte im Obstbau zerstören und Setzlinge ausrupfen, reichte der Waadtländer FDP-Nationalrat Olivier Feller jüngst eine Interpellation ein. Er wollte vom Bundesrat wissen, wann die Rabenkrähen gejagt werden können und wer für die Schäden in der Landwirtschaft aufkommt.

Vogelwarte: Vorbeugen ist besser als abschiessen

«Mit Abschüssen lassen sich die Bestände insbesondere bei der Raben- und Nebelkrähe nicht nachhaltig regulieren», hält die Vogelwarte Sempach in einem Merkblatt fest. Denn ein frei gewordenes Brutrevier werde nach einem Abschuss rasch durch andere Artgenossen übernommen. Besser sei es, Schäden in der Landwirtschaft vorzubeugen, etwa mit Hecken am Rand von Ackerflächen. Sie bieten Schutz für Greifvögel, die zu den natürlichen Feinden der Krähe zählen.

In seiner Stellungnahme von Ende Januar hält die Landesregierung nun fest, dass Entschädigungszahlungen Sache der Kantone seien und dass sich der Bund – anders als etwa bei Wolfsrissen – nicht beteilige. Hinsichtlich des Jagdverbots zwischen Februar und Juli gibt es für betroffene Bäuerinnen und Bauern jedoch eine Ausnahme. Denn die Schonzeit gilt nicht für Schwärme von Rabenkrähen, die auf schadengefährdeten landwirtschaftlichen Kulturen auftreten. Sie dürfen das ganze Jahr gejagt werden.