Leihmutterschaft
Wenn das Kind zwei Mütter hat, sind Schweizer Beamte überfordert

Weil sie bei uns verboten ist, gehen viele kinderlose Paare ins Ausland. Bislang werden die «neuen» Eltern in der Schweiz oft nicht anerkannt. Das könnte sich nun ändern.

Rinaldo Tibolla
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Wenn es die Natur nicht will, suchen sich heutzutage kinderlose Paare andere Wege, um an ihr Glück zu kommen. Für einige geht dieser Weg über eine Leihmutterschaft im Ausland. Ist der Kinderwunsch dann erfüllt, kann es aber zu Problemen mit den Behörden am Wohnort kommen. Oft wissen diese nicht mit dem Phänomen umzugehen, obwohl man es immer öfter antrifft. So kommt es vor, dass nur der genetisch mit dem Kind verwandte Vater als Elternteil akzeptiert wird, nicht jedoch die Wunschmutter. Ein Eintrag ins Zivilstandsregister kann somit nicht erfolgen. Dagegen wehren sich Paare. Mit solchen Fällen – seien es heterosexuelle oder homosexuelle Paare – befasst sich Karin Hochl, Anwältin aus Winterthur. «Es braucht zu dieser Frage ein Urteil des höchsten Gerichts, denn im Moment besteht bei den Betroffenen und den Behörden eine grosse Rechtsunsicherheit», sagte Hochl gestern im «SonntagsBlick».

Nicht nur Hochl und andere Juristen setzen sich mit der Thematik auseinander, auch beim Bund scheint sie für Diskussionen zu sorgen. Vor nicht mal drei Monaten hat sich das Eidgenössische Amt für Zivilstandswesen – bislang noch unbeachtet – in einem Bericht befürwortend dazu geäussert. Der zunehmende Druck vonseiten der Lehre, die steigende Zahl von Wunscheltern, die ins Ausland gehen, und politische Befürworter würden ihre Wirkung zeigen. So heisst es unter dem Punkt «Folgen für das Zivilstandswesen»: «Es muss davon ausgegangen werden, dass (...) ein ausländischer Leihmutterschaftsentscheid, der die Elternschaft regelt, in nicht all zu ferner Zukunft anerkannt werden wird.» Dennoch stellt das Amt auch kritische Fragen, beispielsweise, wie eine solche Geburt überhaupt beurkundet werden soll, denn die Kenntnis der Abstammung des betroffenen Kindes müsse ja gewahrt werden.

Bundesrat für Kindeswohl

Auch der Bundesrat hatte sich Ende 2013 in einem Bericht zur Leihmutterschaft positiv geäussert. Die schweizerischen Behörden seien nicht verpflichtet, im Ausland mittels Leihmutterschaft begründete Kindesverhältnisse grundsätzlich abzuweisen, hiess es. Die derzeitige Praxis führe zu einer schwer erträglichen Situation. Wunscheltern würden nicht als rechtliche Eltern eingetragen, obwohl sie faktisch für die Erziehung des Kindes sorgen. Deshalb muss aus Sicht des Bundesrats in Bezug auf das Kindeswohl eine Anerkennung der Eltern, welche eine Leihmutterschaft im Ausland in Anspruch genommen haben, durch die Behörden möglich sein.

Die liberale Haltung in der Lehre und die Einschätzung des Bundesrats stimmen Fachleute positiv. Auch sie gehen davon aus, dass die Schweizer Rechtsprechung, sprich das Bundesgericht bald für diese Anerkennung eintritt.

In der Schweiz ist es verboten, ein Kind von einer Leihmutter austragen zu lassen, sowohl im Inland als auch im Ausland. Bei Anwälten häufen sich jedoch Anfragen von Schweizer Paaren, die sich ihren Kinderwunsch dank einer Leihmutter im Ausland erfüllt haben. Die Leihmutterschaft ist in einigen Bundesstaaten der USA, in der Ukraine, in Indien und in England erlaubt.

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