Coronavirus

Weniger Verkehr, sauberere Luft, gestresste Tiere: Der zweimonatige Stillstand hatte gemischte Auswirkungen auf die Umwelt

Der Verkehr ging zurück und damit auch der Lärm. Trotzdem gab es mehr Klagen.

Der Verkehr ging zurück und damit auch der Lärm. Trotzdem gab es mehr Klagen.

In Schweizer Städten hat der Verkehr während den letzten zwei Monaten markant abgenommen. Die Luftqualität verbesserte sich. Der teilweise Lockdown hatte aber auch negative Auswirkungen.

(gb.) Auf den Strassen in der Stadt Zürich waren während des zweimonatigen Stillstands rund 30 Prozent weniger Autos und Lastwagen unterwegs. An den Wochenenden nahm der Verkehr in der grössten Stadt der Schweiz gar um 50 Prozent ab.

Wie die Stadt Zürich am Dienstag in einer Mitteilung schreibt, hatte das verringerte Verkehrsaufkommen einen merklichen Einfluss auf die Luftqualität. Die Emissionen von Stickstoffoxiden, Feinstaubpartikeln und CO2 sei um 28 Prozent zurückgegangen. Wäre das Verkehrsaufkommen das ganze Jahr über so tief, würden schätzungsweise 350 Tonnen weniger C02 ausgestossen, heisst es seitens der Stadt.

Bis zu 37 Prozent weniger Stickstoff in der Nähe der A2

Auch in anderen Schweizer Städten zeigt sich dieser Zusammenhang deutlich. Die Stadt Bern etwa verzeichnete in der letzten Märzwoche einen Rückgang des Verkehrsaufkommens von bis zu 35 Prozent. An einer Messstation beim Bollwerk, einer vielbefahrenen Strasse in der Nähe des Bahnhofs, betrug die Menge von Stickstoffdioxiden in der Luft in der gleichen Woche 21,5 Mikrogramm pro Kubikmeter. Anfang März lag dieser wöchentliche Durchschnitt bei 31,1 Mikrogramm pro Kubikmeter, wie das Tiefbauamt der Stadt Bern auf Anfrage von CH Media mitteilte.

In Basel betrug der Rückgang des motorisierten Verkehrs an einer der am stärksten frequentierten Stelle in der zweiten Woche des Lockdowns 32 Prozent. Wie in Zürich waren an den Wochenenden noch weniger Fahrzeuge unterwegs. Gemäss einer Zählung des Statistischen Amts des Kantons Basel-Stadt nahm der Verkehr an Samstagen und Sonntagen bis zu 48 Prozent ab. In den ersten Wochen des Lockdowns nahm denn auch die Stickstoffbelastung in der Nähe der A2 im Hardwald bei Muttenz bis zu 37 Prozent ab im Vergleich zum Vormonat. Der Wert variiert aber je nach Messstation und hängt auch vom Wetter ab, wie einer Mitteilung der Stadt von Mitte April zu entnehmen ist.

Weniger Lärm und doch mehr Klagen

Die geringere Mobilität auf den Strassen hatte noch einen zweiten Effekt: Es war ruhiger in den Städten. In Zürich etwa war es unter der Woche tagsüber rund 1 Dezibel ruhiger. An den Wochenenden betrug der Rückgang des Lärms 2 Dezibel tagsüber und 3 Dezibel in der Nacht. Der Effekt dürfte gemäss der Stadt Zürich aber auch auf die geschlossenen Restaurants und Bars zurückzuführen sein.

Viele Städterinnen und Städter konnten die ungewohnte Ruhe aber offenbar nicht geniessen. In Basel haben sich Klagen wegen Baulärm während des Lockdowns verdoppelt, wie eine Sprecherin gegenüber CH Media mitteilte. In Zürich und Bern war man auf andere Lärmquellen empfindlich: Dort haben Nachbarschaftsklagen wegen lauter Musik zugenommen. In Bern kam es zu einem Anstieg von Klagen wegen hausinternem Lärm, jedoch in einem geringfügigen Ausmass, wie eine Sprecherin mitteilte.

Tiere reagieren auf Störungen empfindlich

Aufgrund der eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten, suchten die Menschen in Zürich als auch Bern vermehrt Pärke, Wälder und Friedhöfe auf. Dies ist aber für die Umwelt nicht unproblematisch. Wie die Stadt Zürich mitteilte, stieg damit der Druck auf Freiräume, was das Spannungsfeld zwischen dem Nutzen für die Bevölkerung und dem Naturschutz verstärke. Gerade im Wald würden Tiere während der Brutzeit empfindlich auf Störungen reagieren.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1