Schweiz

Warum die «Express-Initiative» zum «Vorteil Europa» im Schweizer Kampfjet-Rennen wird

Vorteil Europa: Eurofighter-Jets letztes Jahr bei den Testflügen in Payerne VD.

Vorteil Europa: Eurofighter-Jets letztes Jahr bei den Testflügen in Payerne VD.

Das knappe Ja hat Folgen – auch für die weiteren Auftritte von Rafale, F-35 und Co.

50,1 Prozent. Das knappe Ja ist, darin sind sich Beobachter einig, ein Schuss vor den Bug der Kampfjet-Befürworter – aber auch der Firmen, die sich den Milliardenauftrag streitig machen. Die Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA), die zusammen mit SP und Grünen hinter dem Kampfjet-Referendum stand, wartet auf ihre Chance. Sollte es im Beschaffungsprozess zu groben Pannen oder Unregelmässigkeiten kommen, startet die GSoA ihre «Express-Initiative» gegen die Kampfflugzeuge: möglichst schnell möglichst viele Unterschriften sammeln und so den Kauf noch stoppen.

Als Steilvorlage für die Initiative sähen es die Gegner auch, falls der Bundesrat nicht einen Jet aus Europa (Rafale oder Eurofighter) wählte. Sondern ein Flugzeug der derzeit unberechenbaren Grossmacht USA (F-35 oder Super Hornet). Es gibt also jetzt einen «Vorteil Europa».

So wollen die Bewerber die weitere Ausmarchung angehen:

  • Rafale: Die Franzosen (Konsortium aus Dassault, Thales, Safran) halten sich «aus Respekt vor den internen Schweizer Prozessen völlig zurück», sagt eine Sprecherin. «Sämtliche mit dem Kampfjet-Kauf verbundenen Diskussionen und Entscheide sind Sache der Schweiz.» Rafale werde auch nach der Abstimmung «nicht an Diskussionen um die Schweizer Sicherheitspolitik teilnehmen». Bis im November werde die verlangte Offerte eingereicht; zum Inhalt mache man keine Angaben. Ebenso wenig zu den vertraulichen Beziehungen zwischen den Regierungen Frankreichs und der Schweiz.
  • Eurofighter: Airbus hielt sich zuletzt zurück mit Medienauftritten. «Wir werden nun sicher aktiver werden, um über unser Angebot zu informieren, aber ein Marketing-Feuerwerk wird es von uns nicht geben», sagt ein Sprecher. In der Schweiz zählten Substanz und Leistung, nicht die Fassade. Zum einen gehe es darum, «mit einem guten Angebot für unser Flugzeug zu überzeugen». Zweite Stossrichtung sei die Partnerschaft und Kooperation mit der Schweiz, ihrer Luftwaffe und Industrie. «Als grosser Konzern, hinter dem mehrere europäische Länder stehen und der auch zivile Flugzeuge herstellt, haben wir viel zu bieten», so der Sprecher des Eurofighters, der unter deutscher Federführung angeboten wird.
  • Super Hornet: Boeing, Hersteller des aktuellen Schweizer Kampfjets F/A-18, trat bisher diskret auf. «Während der letzten 25 Jahre haben wir eine vertrauensvolle Beziehung mit der Schweiz aufgebaut und sind entschlossen, für die Zukunft auf dieser Partnerschaft aufzubauen», sagt ein Sprecher. Man freue sich, dem Publikum nun mehr über das Angebot zu zeigen, zu dem der «erprobte, leistungsfähige F/A-18 Super Hornet Block III» gehöre. Die Kosten blieben dabei im Rahmen des «aktuellen operativen Hornet-Budgets», verrät Boeing. Das Angebot bringe der Schweizer Industrie bedeutsame Wachstums- und Expansionsmöglichkeiten. Boeing sei «ein grossartiger Partner für die Schweiz in den kommenden Jahrzehnten».
  • F-35: Hersteller Lockheed Martin war zuletzt relativ offensiv unterwegs. Denn der Konzern war in der Schweiz bisher eine weitgehend unbekannte Grösse. Lockheed werde, so ein Sprecher, bezüglich «Öffentlichkeitsarbeit weiterhin offen für Medienanfragen sein und relevante Neuigkeiten und Aktualisierungen austauschen». Man konzentriere «sich weiterhin darauf, ein umfassendes und erschwingliches F-35A-Angebot anzubieten», das den Schweizer Anforderungen gerecht werde, so der Sprecher. «Wir glauben, dass die in unserem Angebot enthaltenen Fakten und Daten zeigen werden, dass die F-35A die beste Wahl ist, um den Luftverteidigungsbedarf der Schweiz für die nächsten 40 bis 50 Jahre zu decken.»

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