Justiz

US-Gericht stoppt Demjanjuks Auslieferung in letzter Minute

John Demjanjuk wird nicht ausgeliefert

John Demjanjuk wird nicht ausgeliefert

Überraschende Wende im Fall Demjanjuk: Ein US-Gericht hat die Auslieferung des früheren KZ-Wärters John Demjanjuk nach Deutschland praktisch in letzter Minute gestoppt.

Ein Berufungsgericht gab Demjanjuks Antrag auf einstweilige Aussetzung des Auslieferungsverfahrens statt und gewährte ihm weiteren Aufschub. Kurz zuvor hatten Justizbeamte den 89-Jährigen in Gewahrsam genommen, um ihn nach Deutschland überstellen. Laut US-Medienberichten war er bereits auf dem Weg zum Flughafen und sollte am Mittwoch in München ankommen.

Das US-Gericht begründete die Aussetzung des Abschiebeverfahrens damit, dass der Einspruch Demjanjuks gegen die Auslieferung "weitere Abwägung" auf Seiten der Justiz erfordere. Am Morgen hatte Demjanjuks Anwalt vor dem Gericht eine einstweilige Verfügung gegen die bevorstehende Abschiebung beantragt.

Die Staatsanwaltschaft München wirft Demjanjuk Beihilfe zum Mord an 29 000 Juden im Vernichtungslager Sobibor im Jahr 1943 vor. Demjanjuk bestreitet, an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen zu sein.

Der Abschiebung aus den Vereinigten Staaten geht ein längerer Rechtsstreit voraus. Ein US-Gericht hatte Anfang April einen Auslieferungsstopp kurzfristig aufgehoben.

Allerdings wiesen die Richter darauf hin, dass der Antrag eigentlich einem Berufungsgericht für Einwanderungsfragen hätte vorgelegt werden müssen. Die USA hatten Demjanjuk bereits vor einiger Zeit die Staatsbürgerschaft entzogen.

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