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Und Zuwanderung schafft doch Arbeitsplätze für Schweizer

In der Debatte um die SVP-Initiative gegen Masseneinwanderung ist die Behauptung noch und noch zu hören: Die Zuwanderer treiben in der Schweiz die Arbeitslosigkeit in die Höhe.

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Keystone

Der Schaffhauser Ständerat Thomas Minder sagt es. Der und ehemalige SP-Nationalrat und Preisüberwacher Rudolf Strahm auch. Die SVP sowieso.

Doch die Fakten zeigen etwas anderes. Michael Siegenthaler, Arbeitsmarktexperte der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich, hat sämtliche Studien ausgewertet. «Es zeigt sich klar, dass die Zuwanderung ausländischer Mitarbeiter die Arbeitslosigkeit von Einheimischen in der Schweiz nicht erhöht hat», sagt er zu Sonntagsblick. Eher ist das Gegenteil der Fall. «Gemäss unseren Berechnungen hat die Zuwanderung seit Beginn der Personenfreizügigkeit die Arbeitslosenquote leicht gesenkt.» Siegenthaler schätzt, dass ohne Zuwanderung jedes Jahr 1000 bis 3000 mehr Schweizer ohne Stelle gewesen wären.

Nach Siegenthalers Meinung helfen die zugewanderten Fachkräfte mit, die Schweizer Unternehmen besser zu machen. «Wenn im Inland der richtige Mitarbeiter nicht zu finden ist, können sie sich dank ihnen dennoch gegen ausländische Konkurrenz behaupten.» So können sie Marktanteile verteidigen oder ausbauen. Das sichert Jobs oder schafft neue.
Doch warum beträgt die Arbeitslosenquote noch immer 3,2 Prozent, obschon die Wirtschaft kräftig wächst? Für Befürworter der SVP-Initiative ist es der Beweis: die Zuwanderung erhöht doch die Arbeitslosigkeit.

Anders als früher lasse Wirtschaftswachs

tum heute zwar tatsächlich die Arbeitslosigkeit nicht mehr verschwinden, sagt Siegenthaler. Mit der Zuwanderung habe das aber nichts zu tun.
«Die Qualifikationen der Arbeitslosen entsprechen nicht mehr dem, was die Unternehmen suchen», sagt er. Das zeige sich darin, dass die Wirtschaft in den letzten Jahren vor allem für gut Qualifizierte neue Stellen geschaffen habe. Schlecht Qualifizierte blieben häufiger arbeitslos. Daran wird sich laut KOF auch in diesem Jahr nichts ändern. Sie geht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit bei 3 Prozent hängen bleibt. l

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