Café Fédéral
Und jetzt umarmt auch noch der Tiger den Bären - tierisch einfältiges Politmarketing

Egal, zu welchem Thema eine Vorlage an die Urne kommt: Auf den Abstimmungsplakaten sieht man nur noch Tiere.

Christoph Bernet
Christoph Bernet
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Mit diesem Sujet wirbt die Ja-Kampagne für das Indonesien-Abkommen.

Mit diesem Sujet wirbt die Ja-Kampagne für das Indonesien-Abkommen.

zvg

Wofür, geschätzte Leserschaft, könnte folgendes Plakatsujet werben? Ein Braunbär und ein Tiger stehen auf ihren Hinterbeinen und umarmen sich mitten in einem Wald. Wirbt hier der Frühstücksflocken-Gigant Kellogg’s für seine beliebten Sorten Frosties (die mit dem Tiger) und Chocos (die mit dem Bären)? Oder kooperiert die Schokoladenmarke Toblerone (mit dem gut versteckten Bären im Logo) mit den Esso-Tankstellen («Tu den Tiger in den Tank»)?

Nichts dergleichen: Mit den Grossraubtieren werben die Befürworter des Freihandelsabkommens mit Indonesien für ein Ja bei der Abstimmung vom 7. März. Braunbär und indochinesischer Tiger seien «zwei sympathische, aber auch überraschende Protagonisten», die sich auf Augenhöhe begegneten und für eine «starke und vertrauensvolle Partnerschaft» stehen, so das Ja-Komitee.

Im Schweizer Politmarketing ist Tiersymbolik angesagt: Beim Jagdgesetz noch nachvollziehbar, bei der Konzernverantwortungs-Initiative schon unplausibel. Deren Gegner warben mit einem Bernhardiner, der sich in den eigenen Schwanz beisst.

Inmitten des tierisch einfältigen Bildsprache-Trends bleibt sich einer treu: SVP-Hauswerber Alexander Segert wirbt mit einer grimmig dreinblickenden, schwarzverhüllten Frau für die Burka-Initiative. Seine Angst-Ästhetik hat sich bewährt und wird europaweit von Rechtspopulisten abgekupfert. Das Tiger-Bär-Sujet hingegen dürfte kein Exportschlager werden.