Rückblick

Und das war alles? Donald Trump versetzte Davos in Aufruhr, doch geliefert hat er nicht viel – das Protokoll eines aufgeregten Tages

Alle Kameras auf Donald Trump US-Präsident Donald Trump betritt an der Seite von WEF-Chef Klaus Schwab das Kongresszentrum in Davos.

Alle Kameras auf Donald Trump US-Präsident Donald Trump betritt an der Seite von WEF-Chef Klaus Schwab das Kongresszentrum in Davos.

Ein letzter Tweet vor dem Abflug: «Auf dem Weg nach Davos!», schreibt der US-Präsident: «Wir sind jetzt NUMMER 1 im Universum, bei Weitem!!» Damit ist der Schweiz-Besuch von Donald dem Grossen lanciert. Es geht los. Wir blicken auf den «Trump-Tag» am WEF zurück.

8.25 Uhr: Landung der «Air Force One» in Zürich-Kloten

Die Plane-Spotter in Kloten sind aus dem Häuschen. Gleich beide Präsidenten-Maschinen sind in Zürich! Das war vor zwei Jahren, beim ersten Trump-Besuch am WEF, nicht der Fall. In den sozialen Medien explodiert der Traffic: Bilder und Videos werden im Sekundentakt ins Netz gestellt. Auch vom Weiterflug im Helikopter nach Davos.

WEF: Hier landet Donald Trump in Zürich

Hier landet Donald Trump in Zürich.

  

9.35 Uhr: Ankunft vor dem Hotel Intercontinental in Davos

Die Helikopter des präsidialen Trosses landen unterhalb des «Intercontinental», genannt «Goldenes Ei»: Auch hier hat es unzählige Schaulustige. Während die Pressesprecherin Trumps aus dem Helikopter den traumhaften Blick auf die Schweizer Alpen twittert, hüpft unten in Davos ein Rentnerpaar aus Stäfa auf dem Schnee. Ihre Füsse in den Mammut-Schuhen sind kalt geworden. Ihre Ferienwohnung vermieten die beiden während des WEF nicht; lieber geniessen sie die freien Pisten und Wanderwege. Auch das gibt’s noch.

US-Präsident Donald Trump ist am WEF in Davos gelandet

US-Präsident Donald Trump kommt in Davos an.

  

Gitter sperren den Landeplatz grossräumig ab, der Fahrzeugkonvoi, der den US-Präsidenten ins Hotel bringen wird, ist säuberlich aufkolonniert. Wie Trump den Helikopter verlässt und von US-Botschafter Edward McMullen begrüsst wird, sehen gewöhnliche Zuschauer im Schneewirbel der drehenden Rotorblätter nicht wirklich.

Eine Minute dauert die Fahrt des Konvois zum Hotel: mit der US- und der Schweizer Fahne beflaggte Geländewagen, US-Sicherheitskräfte, die Schweizer Polizei, ein Krankenwagen. Nicht weniger als 29 Fahrzeuge werden gezählt.

Die «Marine One» fliegt Donald Trump und seine Delegation von Zürich nach Davos. Insgesamt landen sieben US-Helikopter im Landwassertal.

Die «Marine One» fliegt Donald Trump und seine Delegation von Zürich nach Davos. Insgesamt landen sieben US-Helikopter im Landwassertal.

11.20 Uhr: Eintreffen des Präsidenten im Kongresszentrum

Nach einer Ruhepause im Hotel wird Trump ins Kongresszentrum gefahren. Schon lange davor haben sich vor der Haupthalle lange Schlangen gebildet. Selbst Nobelpreisträger Joseph Stiglitz steht früh an – in Wanderschuhen. Reservierte Plätze haben die sieben Bundesräte. Sie sind – eine Premiere am diesjährigen WEF – vollzählig anwesend.

Viola Amherd gönnt sich noch einen Saft. Nur ein paar Meter entfernt unterhält sich Ignazio Cassis mit Michael Hengartner, dem neuen Präsidenten des ETH-Rates. Drinnen im Saal haben sich die amerikanischen Journalisten die besten Plätze gesichert. Die einheimische Presse hat das Nachsehen. America first!

Das «beste Wetter» hätte die Schweiz für ihn bestellt, sagte WEF-Chef Klaus Schwab. Donald Trump landet bei Sonnenschein beim Davosersee.

Das «beste Wetter» hätte die Schweiz für ihn bestellt, sagte WEF-Chef Klaus Schwab. Donald Trump landet bei Sonnenschein beim Davosersee.

11.25 Uhr: rätselhafte Verspätung und musikalische Folklore

Auf 11.30 Uhr ist Trumps Rede angekündigt. Nach Simonetta Sommarugas alarmistischer Rede («die Welt brennt!») marschieren drei kräftige Männer auf die Bühne – sie vermessen mit Bändern alles um das Rednerpult herum und installieren dann zwei Teleprompter. Bildschirme, ab denen Trump seine Rede ablesen wird, Millimeterarbeit vor 1500 gespannten Zuschauern.

Bundespräsidentin Sommaruga warnt am WEF vor Klimakatastrophe

Bundespräsidentin Sommaruga warnt am WEF vor Klimakatastrophe

Alles ist bereit, doch kein Trump. 11.35 Uhr, 11.40 Uhr, das Publikum wird im Ungewissen gelassen wie Passagiere in einem festsitzenden SBB-Zug ohne Lautsprecherdurchsage. Dann tut sich was. Nein, es ist nicht Trump: Zehn Männer betreten in Trachten die Bühne. Sie singen die Westschweizer Hymne «Ranz des vaches». Ein Auftritt, so sympathisch wie rätselhaft. Immerhin fuhr keine militärisch anmutende Blaskapelle mehr auf wie beim letzten Trump-Besuch.

11.45 Uhr: «Welcome back, Mister President!»

Dann kommt er doch noch, begleitet von Klaus Schwab, der den hohen Gast mit seinem kultigen Englisch (süddeutscher Einschlag) gewohnt salbungsvoll begrüsst. «Welcome back, Mister President!» Schon nach Trumps ersten Sätzen haben viele im Saal ein Déjà-vu. Wie vor zwei Jahren setzt Trump zu einer Lobeshymne auf sich selber an. Zahl um Zahl wirft er in den Saal. Wirtschaftswachstum (stärker denn je!), Arbeitslosigkeit (tiefer denn je!), Investitionen (höher denn je!), Steuern (tiefer denn je!) – und das alles natürlich nur wegen ihm. Superlativ folgt auf Superlativ.

WEF: Trump kritisiert "Weltuntergangspropheten"

Trump kritisiert «Weltuntergangspropheten»

In drei Jahren, sagt Trump, habe er die darniederliegende Wirtschaft wieder aufgebaut. Auf Twitter schreibt einer angesichts der Zahlenhuberei: Bewirbt sich der beim Bundesamt für Statistik? Neues hat er nicht zu sagen. Alle warten auf eine Ansage zum Nahostkonflikt, wo nach der Tötung des iranischen Generals Soleimani die versammelte Elite gern erfahren hätte, was die US-Strategie denn nun sein könnte. Nichts dazu. Auch kaum etwas zum dominierenden Thema am WEF, dem Klimawandel. Trump sagt einzig, man solle nicht auf Weltuntergangsprophezeiungen hören.

Zudem unterstütze er die Initiative des WEF, 1000 Milliarden Bäume zu pflanzen. Im Publikum sitzt Greta Thunberg und hört sich an, was sie nicht hören will. Kein Wort von Trump auch zu den Waldbränden in Australien. Dafür wechselt er unvermittelt zum Brand der Notre-Dame de Paris: Das anzusehen sei schwer erträglich gewesen.

Nach seiner Rede, die gespickt war mit Eigenlob, zeigt Trump seine typischen Gesten: die geballte Faust und den hochgereckten Daumen.

Nach seiner Rede, die gespickt war mit Eigenlob, zeigt Trump seine typischen Gesten: die geballte Faust und den hochgereckten Daumen.

12.05 Uhr: Verarbeitung beim Lunch

Üblicherweise stellt Schwab den Staatsgästen am Schluss ihrer Reden noch zwei, drei Fragen. So war es auch bei Trump 2018. Diesmal nicht. Trump winkt ins Publikum, bekommt verhaltenen Applaus (aber diesmal keine Pfiffe) und verlässt die Bühne. Die Zuhörer strömen zu den Lunch-Buffets und verarbeiten das Gehörte.

Tenor: Und das war alles? Der ganze Zirkus, die Millionen Sicherheitskosten nur für das? Nur, hat jemand etwas anderes erwartet? Einer der besten Trump-Kenner, «Washington Post»-Chefredaktor Martin Baron, sagt: «Trump ist Trump. So ist er. Ihm gefällt es hier, weil sich alles um ihn dreht. Darum war er ziemlich brav.»

16.15 Uhr: Treffen mit der Schweizer Regierung

Nachdem der US-Präsident mehrere bilaterale Treffen hinter sich gebracht hat, unter anderem mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, folgt das Gespräch mit Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga, dem mehrere andere Bundesräte beiwohnen. Ausgewählte Medienvertreter dürfen bei den ersten Minuten des Treffens dabei sein:

US-Präsident Trump will mit Schweiz über Handelsabkommen verhandeln

US-Präsident Trump will mit Schweiz über Handelsabkommen verhandeln.

Nettigkeiten werden ausgetauscht. Sommaruga wirkt reservierter als ihr Parteikollege Alain Berset, der vor zwei Jahren als Bundespräsident Donald Trump im selben Raum empfing. «Wir vertrauen euch zu 100 Prozent», habe Donald Trump über die guten Dienste der Schweiz im Konflikt mit dem Iran gesagt, erzählt Sommaruga später den Medien. Und: Man habe auch übers Klima gesprochen.

Am Nachmittag treffen sich Donald Trump und eine Schweizer Delegation, angeführt von Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga.

Am Nachmittag treffen sich Donald Trump und eine Schweizer Delegation, angeführt von Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga.

18.30 Uhr: Dinner u.a. mit Chefs von UBS und Credit Suisse

Der Tag endet für Trump mit einem Dinner mit Wirtschaftsführern. Eingeladen sind auch Sergio Ermotti (UBS) und Tidjane Thiam (CS) sowie Fifa-Präsident Gianni Infantino, der Trump einen Ball schenkt und sagt: «Er ist ein Sportsmann!» Um 19.50 Uhr zieht sich Trump ins Hotel zurück. Das war alles.

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