Die CVP-Fraktion im Bundeshaus hat entschieden: Sie schlägt der Bundesversammlung ein Zweierticket vor, bestehend aus der Walliser Nationalrätin Viola Amherd und der Urner Regierungsrätin Heidi Z'graggen. Wer von den beiden das Rennen machen wird, ist offen. Amherd gilt als seriöse Schafferin, ist jedoch der Ratsrechten zu links. Z'graggen gilt ebenfalls als seriöse Schafferin, ist vielen im Bundeshaus jedoch nicht bekannt. Chancen hat sie aber vor allem im rechten Lager, weil sie als konservativer gilt als Amherd.


Viola Amherd (CVP/VS): Die 56-jährige Walliserin ist ein Urgestein im Bundeshaus, wo sie seit 2005 politisiert. Die Anwältin ist schlagfertig und häufig Gast in der Arena von SRF. Exekutiverfahrung hat sie als langjährige Stadtpräsidentin von Brig gesammelt. Sie ist in der Fraktion etwas links der Mitte positioniert, ist dort als Fraktionsvizepräsidentin wohlbekannt. Gegen sie wurden in den letzten Wochen aus dem Wallis Vorwürfe der Geldgier laut, unter anderem, weil sie von einer früheren Tochter des Stromkonzerns Alpiq jahrelang eine Miete entgegennahm, die laut erstinstanzlichem Richterspruch höher war als vertraglich vereinbart. Parteiintern wollte das jedoch niemand öffentlich als substanzielles Problem für Amherd qualifizieren.

Heidi Z'graggen (CVP/UR): Als 38-Jährige wurde Heidi Z'graggen bereits in den Regierungsrat gewählt. Das Amt erlaubt im Kanton Uri Nebenbeschäftigungen - und die Primarlehrerin Z'graggen erwarb sich den Doktortitel der Politwissenschaften. Der Urnerin, die sich dem konservativen Flügel der CVP zuordnet, schien es an einem tragfähigen Netzwerk auf nationaler Ebene zu fehlen, obwohl sie von 2007 bis 2016 im CVP-Parteipräsidium auf nationaler Ebene sass. Trotzdem landet die amtierende Urner Justizdirektorin nun auf dem Ticket der Bundeshausfraktion. Z'graggen zieht zwar nach Amherd in der Aussenseiterrolle in das Renne. Sie hat aber durchaus Chancen, für eine Überraschung zu sorgen.

Bundesratswahl: FDP und CVP präsentieren je ein Zweierticket

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Alle Bundesratskandidatinnen und -kandidaten hatten ein gutes Gefühl nach den Gesprächen mit den jeweiligen Fraktionen, doch nur zwei FDP- und zwei CVP-Kandidaten kommen am 5. Dezember vor die Bundesversammlung: Die FDP schickt Karin Keller-Sutter und Hans Wicki ins Rennen und die CVP Viola Amherd und Heidi Z'graggen.

Die CVP schliesst zwei als überzählig aus


Nicht geschafft haben es bei der Nomination durch die CVP-Fraktion eine Nationalrätin aus dem Baselland und ein Zuger Ständerat.


Peter Hegglin (CVP/ZG): Anfänglich wurden ihm kaum Chancen eingeräumt, doch dann lichtete sich das Feld der Bewerber in der Partei. Dann stieg der Stern des Zuger Ständerats Peter Hegglin mangels Alternativen. Der 57-jährige Landwirt fand vor allem bei SVP und FDP Unterstützung, weil er wirtschaftsfreundlicher und gesellschaftskonservativer tickt als seine Konkurrentinnen. Nun hat es doch nicht gereicht, obwohl Hegglin als ehemaliger Gemeinderat, Kantonsparlamentarier, Zuger Finanzdirektor sowie Präsident der Finanzdirektorenkonferenz viel politische Erfahrung auf kantonaler und nationaler Ebene mitbringt. Allerdings fiel ihm nach seiner Wahl in den Ständerat 2015 der Rollenwechsel schwer, in Bern galt er darum auch im Bundesratsrennen lange nur als Aussenseiter.


Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP/BL): Als Präsidentin der aussenpolitischen Kommission ist Schneider-Schneiter stark in den Medien präsent. Als Bundesratskandidatin hingegen wurden der 54-Jährigen trotzdem nur Aussenseiterchancen eingeräumt - was ihre kantonale CVP erzürnte, etwa, als die «Rundschau» von SRF nur die Konkurrenten Hegglin und Amherd porträtierte. Nun hat es Schneider-Schneiter nicht aufs Ticket gereicht. Der Juristin wurde auch in ihrer eigenen Fraktion angelastet, sie sei politisch wankelmütig. Das hängt mit ihrer politischen Entwicklung auf nationaler Ebene und ihrem Präsidium der Handelskammer beider Basel zusammen: Galt Schneider-Schneiter im Baselbieter Landrat als eher links, politisiert sie in den vergangenen Jahren eher wirtschaftsfreundlich. Eine Chance als Bundesratskandidatin hätte Schneider-Schneiter gehabt - etwa auf einem doppelten Frauenticket. Daraus wird nun nichts.

Viola Amherd präsentiert sich als Brückenbauerin

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Als Nachfolgekandidatin für Bundesrätin Doris Leuthard hat sich Viola Amherd vergangene Woche in Brig VS vor der den Medien präsentiert. Die Walliser CVP-Nationalrätin versteht sich als Brückenbauerin mit dem notwendigen Rüstzeug für den Einzug in die Landesregierung.