WEF 2018
Trump-Show: Manager sind verzückt, doch nicht alle lassen sich aus dem Takt bringen

Tag 3 am World Economic Forum stand ganz im Zeichen der Ankunft von Donald Trump.

Pascal Ritter
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Trump nach seinen ersten Meetings am WEF.
52 Bilder
Netanjahu und Trump.
Zuvor hatte Trump Theresa May getroffen.
Donald Trump im Kongresszentrum.
Die britische Premierministerin Theresa May hatte am Donnerstag ihren grossen Auftritt am WEF.
Benjamin Netanyahu, Permieminister von Israel.
US-Präsident Donald Trump entsteigt der «Marine One» in Davos.
WEF, Stand Tag 3: Eindrücke von Davos
Trump winkt aus der Air Force One.
«Hello, Mr. President!» Die Air Force One ist am Donnerstagmorgen um 10.20 Uhr sicher am Flughafen Zürich gelandet.
Erste Vorboten: Donald Trumps Helikopter über dem Flughafen Zürich am Donnerstagmorgen.
US-Präsident Donald Trump unterwegs in die Schweiz: Die Air Force One hob kurz vor 3 Uhr mitteleuropäischer Zeit (20.47 Uhr Lokalzeit) vom US-Luftwaffenstützpunkt Andrews ab.
Macron gab sich in Davos kämpferisch: Von Europa forderte er mehr Ehrgeiz, um mit den Weltmächten China und USA wieder aufzuschliessen.
Auch Kanzlerin Merkel reiht sich in den Reigen der WEF-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer ein, die sich an den protektionistischen Vorstössen der USA stören.
EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker muss seine Teilnahme am WEF absagen. Der Grund: Er ist krank.
Am Dienstagabend haben Polizisten bei einer Demonstration in Davos einen Schweizer Journalisten festgenommen.
Schnüffeln erlaubt: Spürhund Atos sucht am WEF in Davos nach Sprengstoffen.
Auch der kanadische Premierminister Justin Trudeau nimmt am WEF in Davos teil – und gibt dort den lächelenden Gegenpol zum US-Präsidenten Donald Trump.
Polizisten jagen Jugendliche vor dem Kongresszentrum.
Trotz Verbot: Demonstration auf der Promenade in Davos
Der spanische König Felipe VI ist am Dienstag in Davos angekommen.
Die Stadtpolizei erwartet für die Demonstration durch die Zürcher Innenstadt eine vierstellige Teilnehmerzahl.
Demonstriert wird auch in Lausanne...
... und Genf.
Demo in Zürich gegen das WEF und Trump
Das Anti-WEF und Anti-Trump-Haus gegenüber des Kongresszentrums in Davos
Bundespräsident Alain Berset und Basima Abdulrahman, Gründerin KESK Green Building Constuling im Irak.
Professor Joseph E. Stiglitz
Der kanadische Premierminister Justin Trudeau.
Der ehemalige britische Premierminister David Cameron (links) und Jitendra Singh, indischer Staatsminister, Entwicklungsministerium der nordöstlichen Region in Indien.
Der kanadische Premierminister Justin Trudeau (links) und der Norweger Borge Brende
Jets von Besuchern vom WEF am Flughafen Zürich.
Giorgi Kvirikashvil, der georgische Premierminister am ersten Tag des WEFs.
Der indische Schauspieler Shah Rukh Khan während eines Gesprächs am WEF über die Veränderungen in Indien durch die Stärkung der Frauen.
Die australische Schauspielerin Cate Blanchett am ersten Tag des WEFs. Sie ist auch Aktivistin im Kampf gegen sexuelle Belästigung.
Bundespräsident Alain Berset (rechts) mit dem indischen Premierminister Narendra Modi.
Bundespräsident Alain Berset (rechts) mit dem indischen Premierminister Narendra Modi.
Alexander De Croo (l), stellvertretender Ministerpräsident von Belgien und Perus Premierministerin Mercedes Flores Araoz
Emmerson Mnangagwa, Präsident von Zimbawe
Perus Premierministerin Mercedes Flores Araoz
Polizeikräfte aus allen 26 Kantonen und dem Fürstentum Liechtenstein sowie knapp 4400 Armeeangehörige gewährleisten die Sicherheit der WEF-Teilnehmer in und um Davos.
Eindrücke vom WEF Davos.
Joao lourenco (l), Präsident von Angola und Paul Kagame, Präsident von Ruanda.
Paul Kagame, Präsident von Ruanda
Emmerson Mnangagwa, Präsident von Zimbawe
Der indische Premierminister Narendra Modi
Bundespräsident Berset am WEF in Davos: Er hoffe, dass 2018 das Jahr der internationalen Zusammenarbeit und des Multilateralismus wird.
Der britische Musiker Elten John erhält am Montag einen Crystal Award.
Während der Verleihung wechselt er die Brille.
Der Indische Schauspieler Shah Rukh Khan wird ebenfalls mit einem Crystal Award ausgezeichnet.
Sowie die australische Schauspielerin Cate Blanchett.
Der schweizerische Bundespräsident Alain Berset (rechts) und der indische Premierminister Narendra Modi vor dem Start des WEF.

Trump nach seinen ersten Meetings am WEF.

LAURENT GILLIERON

Am Ufer des Davosersee stehen sie im Schnee und warten. Hunderte Schaulustige, zum Teil extra aus dem Unterland angereist. In der eisigen Kälte suchen sie den Himmel ab nach ihm. Immer wieder ein Blick aufs Smartphone. Seine hellblaue Airforce One ist längst in Zürich gelandet und seine Helikopter sind gestartet.

Gleich wird Donald Trump auf dem kleinen Flugplatz landen. Aktivisten ist es gelungen, entlang der Flugroute ein riesiges Banner zu entrollen: «Trump not Welcome», steht darauf. Willkommen heissen wollen ihn nicht alle. Aber kalt lässt er niemanden.

Die Rhätische Bahn stiehlt die Show

Martin Naville, Chef der schweizerisch-amerikanischen Handelskammer, stapft durch den Schnee. Den Anflug Trumps will er sich nicht entgehen lassen. Nach einem Znacht mit amerikanischen Ministern am Vorabend ist er optimistisch. Trumps «America First» heisse nicht einfach Abschottung. Die Schweizer Wirtschaft müsse sich nicht sorgen.

Dann hört man die Rotoren. Er kommt mit Getöse. Die US-Helikopter, die man sonst nur in Filmen sieht, begleitet von einem Geschwader der Schweizer Luftwaffe. Schnee stiebt auf. Alle Smartphones auf Aufnahme. Der US-Präsident ist gelandet und Handelskammerchef Naville nicht ganz zufrieden. Als Clinton kam, habe er seine Kampfhelikopter mitgebracht. «Es war wie im Kriegsfilm Apocalypse Now», erinnert er sich.

Kaum ist Trump am Boden, versperren rote Bahnwaggons die Sicht. Die Rhätische Bahn lässt sich vom hohen Besuch nicht den Takt diktieren.

Die Wagenkolonne rollt. 25 Fahrzeuge sind es, samt Schweizer Eskorte. Die Zuschauer rätseln, in welchem der schwarzen Geländewagen er sitzt. Unser Fotograf, André Springer, steht goldrichtig. Trump winkt ihm durchs Fenster zu und er drückt ab.

Oben auf dem Hügel, im Hotel Intercontinental, wartet WEF-Gründer Klaus Schwab. Gleich kommt der Mann, der ihn wieder weltweit auf die Frontseiten hievt. Der US-Botschafter in Bern, Edward McMullen, ist dabei, als Trump Schwab die Hand schüttelt. Er habe von der Landschaft geschwärmt und sich für die Einladung bedankt. «Thank’s for having me.» Glaubt man dem Botschafter, machte dem 71-Jährigen der lange Flug über den Atlantik, über den Zürichsee und durch das Landwassertal nichts aus. «Der Präsident ist niemals müde, er ist ein Duracell-Hase.»

Was Trump heute vor den WEF-Teilnehmern sagen wird, wisse nur er selbst, sagt McMullen.

Drei bullige Typen mit einem Schäferhund durqueren die Hotellobby. Die Amerikaner checken das Hotel – vermutlich auf Sprengstoff.

Ein «Blick»-Reporter wird von einem Wachmann gleich nach der Sicherheitsschleuse abgefangen. Auch der «Tagi» muss vor die Tür. Nur noch amerikanische Journalisten seien offiziell zugelassen, heisst es. Doch der AZ-Reporter bleibt unbehelligt.

Teurer Snack im goldenen Ei

Der Hamburger, den Trump so gerne mag, kostet in der Lobby mit extra Speck und Davoser Käse 52 Franken. Fürs WEF schlagen die Hoteliers noch einmal auf. Doch gegen die Speisen, die in den Staatsbankett-Sälen serviert werden, sind solche Preise sowieso Peanuts.

Trump bleibt kaum Zeit zum Essen. Der Pressetross schlurft schon wieder durch die Lobby. Er selbst nimmt den Hinterausgang. Ab durch die Tiefgarage. Die Präsidenten-Kolonne fährt ab Richtung Kongresszentrum. Ein Polizist wird beinahe umgefahren. Er hat den Konvoi nicht erkannt, aufhalten lässt sich die Trump-Karawane nicht.

Kurz vor 15 Uhr taucht Trump im Kongresszentrum auf, begleitet vom strahlenden Klaus Schwab und seiner Ehefrau Hilde. Sie sind sichtlich stolz über ihren Coup. Jetzt zücken die Manager ihre Smartphones, fotografieren und filmen. Auch Trump ist stolz, winkt nach allen Seiten, schüttelt Hände, lässt sich feiern.

Triumphzug vor der Elite

Trump geniesst die Anerkennung, die er aus der überbordenden Aufmerksamkeit ableitet. Der Präsident gibt sogar Autogramme. Als ihn ein Journalist fragt, was seine Botschaft sei, antwortet Trump: «Peace and prosperity» (Friede und Wohlstand). Damit löst er Lacher aus, was ihn aber nicht zu irritieren scheint.

Bald verschwindet er in einem Raum, wo er sich mit Grossbritanniens Premierministerin Theresa May unterhält. Ausgewählte Medienvertreter dürfen danach die Pressekonferenz der beiden Staatschefs besuchen. Alles ist «great»: Mit diesem Adjektiv versieht Trump das Verhältnis der USA zu Grossbritannien, aber auch – man höre und staune – den Freihandel zwischen den beiden Ländern. Geht es nach Trump, werde dieser Handel «tremendously» (enorm) zunehmen und Jobs schaffen. «Great!»

Dann das nächste bilaterale Treffen: Trump bespricht sich mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Draussen im Gang drängeln sich nicht nur Journalisten, sondern auch EU-Spitzenbeamte und CEOs in der Hoffnung, Trump von nahe zu sehen, wenn er rauskommt. Man wartet und wartet. Es erscheinen IWF-Chefin Christine Lagarde, US-Spitzenpolitiker John Kerry und Deutschlands Ministerin Ursula von der Leyen, allesamt grosse Nummern, doch niemand interessiert sich jetzt für sie. Nicht einmal Theresa May wird gross beachtet, als sie vor den Trump-Beobachtern durchspaziert.

Thomas Jordan darf durch

30 Minuten, 60 Minuten, 90 Minuten. Noch immer kein Trump. Immer dichteres Gedränge. Dann die Information: Trump kommt nicht raus. Die konsternierten Wartenden packen ihre Handys wieder ein. Dafür werden die geladenen Gäste von Trumps Cocktail-Empfang nun durchgelassen.

Nationalbank-Chef Thomas Jordan, Nestlé-Präsident Paul Bulcke, ABB-Chef Ulrich Spiesshofer und Wirtschafts-Doyen Walter Kielholz gehören zu den Cocktail-Gästen.

Um 19.40 Uhr folgt – ebenfalls im Kongresszentrum – das WEF-Dinner mit Trump. Der Verwaltungsratspräsident eines grossen Schweizer Unternehmens, der eingeladen wäre, bleibt dem Anlass fern: «Ich glaube nicht, dass sich Trump für mich interessiert», sagt er. Die grosse Trump-Show: Es wollen doch nicht alle mitmachen.

US-Präsidenten in der Schweiz

Die Staatschefs der vier Grossmaechte treffen sich an der Genfer Viermaechte-Konferenz am 20. Juli 1955, von links nach rechts, der sowjetische Ministerpraesident Nikolai Bulganin, der amerikanische Praesident Dwight D. Eisenhower, der franzoesische Premierminister Edgar Faure und der britische Premierminister Anthony Eden.
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Der amerikanische Praesidenten Jimmy Carter, Mitte, und sein Aussenminister Cyrus Vance, Mitte rechts, werden am 9. Mai 1977 auf dem Flughafen von Genf-Cointrin empfangen. Carter wird in Genf mit dem syrischen Ministerpraesidenten Hafiz al-Assad zu Friedensverhandlungen im Nahostkonflikt zusammentreffen.
Ronald Reagan mit Michail Gorbatschow in Genf im November 1985
US-Präsident Bill Clinton (rechts) schüttelt Hafez al-Assaad, Präsident von Syrien bei einem Treffen in Genf die Hand.
Der amerikanische Praesident Bill Clinton, links, trifft Bundespraesident Adolf Ogi, rechts, am 29. Januar 2000 im Rahmen des World Economic Forum WEF im Hotel Belvedere in Davos.

Die Staatschefs der vier Grossmaechte treffen sich an der Genfer Viermaechte-Konferenz am 20. Juli 1955, von links nach rechts, der sowjetische Ministerpraesident Nikolai Bulganin, der amerikanische Praesident Dwight D. Eisenhower, der franzoesische Premierminister Edgar Faure und der britische Premierminister Anthony Eden.

Keystone