Tiefenlager
Streit um den Atommüll: Warum der Standortentscheid trotz allem richtig ist

Nördlich Lägern ist als Standort für die Endlagerung des radioaktiven Abfalls bestimmt worden. Einzig und allein die Geologie zählt. Warum der Standortentscheid richtig ist.

Bruno Knellwolf
Bruno Knellwolf
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Die Proteste gegen das Lager bleiben, sind aber deutlich kleiner als in früheren Zeiten.

Die Proteste gegen das Lager bleiben, sind aber deutlich kleiner als in früheren Zeiten.

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2017 hat die Schweizer Stimmbevölkerung den Atomausstieg beschlossen. Damit hat sich auch der Widerstand gegen ein Tiefenlager für die Atomabfälle merklich abgekühlt. Fundamentalopposition? Gibt es keine. Selbst die betroffene Region Nördlich Lägern reagiert nüchtern auf den Entscheid. Noch sind die Abfälle aber nicht versenkt. Und die mit der Energiekrise wiedererstarkten Pro-Atom-Stimmen sollten nicht dazu führen, dass sich der Widerstand auch wieder gegen die Endlager formiert.

Denn dabei geht es nicht um Atomkraft ja oder nein. Wir alle nutzen seit 1969 Strom aus vier, zuvor fünf Kernkraftwerken und sind somit für den Abfall verantwortlich. Das sind zwar in realen Kubikmetern gemessen keine grossen Mengen, aber dafür solche mit langer Strahlkraft. Dieser Abfall, der auch aus Medizin, Industrie und Forschung stammt, muss im eigenen Land entsorgt werden.

Kaum jemand möchte den Atomabfall aber vor der Haustüre. Doch bei der Wahl des Standorts zählen keine regionalen Befindlichkeiten, auch nicht von deutscher Seite, sondern einzig die Sicherheit. Am besten aufgehoben ist der Abfall im Opalinuston. Seit 1956 forschen die Nagra und Organisationen aus aller Welt an diesem Gestein, das vor rund 175 Millionen Jahren entstanden, homogen und wasserundurchlässig ist. Die Geologie hat die Wahl bestimmt. Das Abfallproblem ist aber erst gelöst, wenn die Politik die reife Lösung der Wissenschaft in den nächsten Jahren auch umsetzt.