Interview

Theo Zwanziger, Angeklagter im Prozess um Fifa-Korruption: «Dieses Urteil kann ich in den Papierkorb werfen»

Theo Zwanziger, 74, Ex-DFB-Präsident.

Theo Zwanziger, 74, Ex-DFB-Präsident.

Theo Zwanziger, der prominenteste Angeklagte in der anstehenden Verhandlung um Fifa-Korruption, weiss noch nicht, ob er vor Gericht erscheinen wird. Er wirft der Schweizer Justiz «Schlamperei» vor.

In drei Wochen beginnt am Bundesstrafgericht in Bellinzona ein Prozess, der unter internationaler Beobachtung steht. Es geht um das «Sommermärchen», die Fussball-Weltmeisterschaft in Deutschland von 2006. Franz Beckenbauer, der Präsident des deutschen Organisationskomitees, zahlte im Vorfeld zehn Millionen Franken an Mohammed Bin Hammam, einen Funktionär des Weltfussballverbands Fifa. Das Geld hatte er sich geliehen. Der Deutsche Fussballbund (DFB) beglich die Schuld in einer getarnten Transaktion. Involviert war Theo Zwanziger, ehemaliger DFB-Präsident. Deshalb ist er nun angeklagt. Er verteidigt sich im Interview.

Werden Sie am Prozess, der ab dem 9. März gegen Sie stattfindet, erscheinen?

Theo Zwanziger: Das weiss ich nicht. Ich habe diesen Monat zwei Augenoperationen, die dringend notwendig sind. An meinem rechten Auge ist die Netzhaut stark beschädigt. Ich hatte die Operationstermine extra in den Februar gelegt, damit eine Teilnahme meinerseits an den zunächst für Januar angesetzten Verhandlungstagen möglich ist. Ohne Rücksicht darauf hat das Gericht die Hauptverhandlung in den März verschoben.

Unter welchen Umständen werden Sie an der Verhandlung teilnehmen?

Das werden in erster Linie meine Ärzte entscheiden. Auch hängt es davon ab, ob ich vom Bundesstrafgericht mehr Respekt erwarten kann als von der Bundesanwaltschaft. Die Bundesanwaltschaft hat vier Jahre lang ermittelt, wegen eines Vorgangs, der in Deutschland handelt und hier längst verjährt ist. Und was ist dabei herausgekommen? Eine Schlamperei. Warum soll ich mich achtungsvoll vor Leuten verbeugen, die eine Schlamperei begehen? Eigentlich hätte das Bundesstrafgericht diese Anklage zurückweisen müssen.

Der DFB bestätigt Ihnen in einer Vereinbarung, Ihr Nachfolger als DFB-Präsident, Wolfgang Niersbach, habe in der Affäre falsch aufgeklärt. Als Entschädigung erhalten Sie 12'000 Euro. Ist aus Ihrer Sicht alles nur ein Aufklärungsproblem?

Nicht nur, aber auch. Ich habe zuerst gegen den DFB und Niersbach geklagt und 25'000 Euro Schadenersatz verlangt. Wegen der Vereinbarung habe ich meine Klage zurückgezogen. Niersbach hat mit seiner angeblichen Aufklärung satzungswidrig (statutenwidrig, Anm. d. Red.) gehandelt und einen falschen Eindruck erweckt. Dabei hat niemand einen Betrug begangen. Der DFB macht mit der Vereinbarung deutlich, dass, falls überhaupt ein Schaden entstanden sein sollte, dieser hätte verhindert werden können. Fakt ist: Der wirkliche Zahlungszweck der zehn Millionen ist bis heute nicht geklärt. Am zentralen Punkt ist die Schweizer Justiz gescheitert.

Die Bundesanwaltschaft stützt sich auf die Darstellung von Franz Beckenbauer: Die zehn Millionen Franken sollen eine Provision für einen Zuschuss von 250 Millionen Franken der Fifa gewesen sein.

Wenn das stimmt, müsste man Beckenbauer ein Denkmal setzen. Dann hat er 10 Millionen gezahlt und 250 dafür bekommen.

Das ist Korruption.

Wer hat das Geld bekommen? Bin Hammam. Zu welcher Organisation gehörte er? Zur Fifa. Das ist die kriminelle Organisation. Und der Empfänger des Geldes wird noch nicht einmal als Zeuge vernommen. Unglaublich.

Und was ist, wenn am Ende doch Sie verurteilt werden?

Das Schweizer Urteil kann ich in den Papierkorb werfen. In Deutschland wäre es nicht vollstreckbar, weil Betrug und ungetreue Geschäftsbesorgung bei uns verjährt sind. Die Schweizer Bundesanwaltschaft gibt Hunderttausende Franken für das Verfahren aus, die sie nie mehr wiederkriegen wird. Das Ganze ist eine Anmassung ohne Beispiel.

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