Eigentlich sprach bei der SVP alles für Heidi Z’graggen. Die Urner Regierungsrätin zählt sich zum rechten Flügel der CVP, sie ist vergleichsweise ausländer- und öffnungsskeptisch und sie ist mit dem gut vernetzten SVP-Politiker Bruno Dobler liiert. Als Christoph Blocher jüngst betonte, wie gut er bei der Planung des Ferienresorts von Samih Sawiris in Andermatt mit ihr zusammenarbeitete, lag der Schluss nahe: Z’graggen ist die Kandidatin der SVP.

Umso ernüchternder muss das Resultat des SVP-Hearings für sie sein. Wie Fraktionschef Thomas Aeschi nach der Fraktionssitzung bekannt gab, unterstützt zwar eine Mehrheit der Partei die Urner Regierungsrätin. Doch angesichts dessen, dass ihre Konkurrentin, Nationalrätin Viola Amherd, in der SVP als links verschrien ist, muss das Stimmergebnis eine Enttäuschung für Z’graggen sein. 38 Parlamentarier stimmten für sie, 10 für Amherd, 7 legten leer ein.

«Insgesamt konnte Z’graggen zu wenig klar machen, wieso sie die rechtere Alternative zu Amherd sein soll», begründet ein Ratsmitglied das durchzogene Resultat für die Urnerin. Unterstützung für Amherd gab’s dagegen von den Bauern. Die Walliserin hatte am Vortag beim Hearing der Bauern deutlich besser abgeschnitten als Z’graggen. Sie überzeugte nicht nur durch ihre Dossierkenntnisse, sondern konnte auch darlegen, dass sie in der Vergangenheit stets bauernfreundlich gestimmt hatte, sagte ein Bauernvertreter im Vertrauen.

Heidi Z'graggens Karriere in Bildern:

Heidi Z'graggen: Vom Bergkanton in den Bundesrat

Heidi Z'graggen: Vom Bergkanton in den Bundesrat

Frau, Innerschweizerin und bereit für die Landesregierung: Die 52-jährige Urner CVP-Justizdirektorin Heidi Z'graggen hat zwar keine Erfahrung als Bundesparlamentarierin. Sie blickt aber auf eine lange Politkarriere zurück und hat ein breites Netzwerk.

Der «Depp» wirkt nach

Schlecht kam bei der SVP zudem an, dass Z’graggen ein Parteimitglied an einer Podiumsdiskussion mit «Depp» betitelt hatte. Als ein SVP-Fraktionsmitglied sich erkundigte, wieso sie sich bis heute nicht entschuldigt habe, stritt Z’graggen den Vorfall ab. «Das finde ich unhaltbar für eine künftige Bundesrätin», sagt ein SVP-Mitglied, das Amherd wählen wird.

CVP-Bundesratskandidatin Z'graggen: «Dä isch en Depp»

CVP-Bundesratskandidatin Z'graggen: «Dä isch en Depp»

Nach der Frage eines Zuschauers fängt Peter Hegglin an zu antworten. Der Zuschauer ruft dazwischen und Heidi Z‘graggen sagt: «Dä isch en Depp.»

Auf eine Stallorder verzichtet die SVP, wie Aeschi sagte. Damit ist jedes Fraktionsmitglied frei zu wählen, wen es will. Berücksichtigt man, dass am Dienstag 19 Personen abwesend waren, kann Amherd mit einem guten Dutzend Stimmen aus der SVP rechnen.

Da Amherd Mitte-links sehr gut abgestützt ist, hat die Walliserin gute Chancen, am 5. Dezember zur Nachfolgerin von Doris Leuthard gewählt zu werden.

So schlugen sich die Kandidierenden in den Hearings

So schlugen sich die Kandidierenden in den Hearings

Vor der Bundesratswahl am 5. Dezember müssen sich die Kandidatinnen und der Kandidat den Fraktionen stellen. Die erste Runde der Anhörungen fand am Dienstag vor der SVP, den Grünen und den Grünliberalen statt. Ständerätin Karin Keller-Sutter (FDP/SG), Ständerat Hans Wicki (FDP/NW), Nationalrätin Viola Amherd (CVP/VS) und die Urner CVP-Regierungsrätin Heidi Z'graggen waren im Lauf des Nachmittags im Halbstundentakt aufgeboten.

SVP empfiehlt bei der FDP Keller-Sutter zur Wahl

Für die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann unterstützt die SVP die St. Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter. Sie machte 38 Stimmen; auf den Nidwaldner FDP-Ständerat Hans Wicki entfielen 16 Stimmen.

Hearings haben am Dienstag auch Grünliberale und Grüne durchgeführt. Sie entscheiden aber erst nächste Woche, wen sie unterstützen. Noch ausstehend sind zudem die Hearings der Fraktionen der FDP, CVP und BDP. 

Karin Keller-Sutters Karriere in Bildern: