Die Märzsession war nicht einfach gewesen für Christian Imark: Nachdem der Solothurner SVP-Nationalrat tagelang wiederholt hatte, er wolle die Rentenreform unterstützen, hatte ihm Fraktionschef Adrian Amstutz eine Abreibung erteilt. Entsprechend enthielt sich der eingeschüchterte Imark der Stimme, als es wirklich ernst galt.

Die Junisession läuft nun besser: Gestern schloss sich nach dem National- auch der Ständerat seiner Forderung an, die Schweiz solle keine Nichtregierungsorganisationen mehr unterstützen, die in rassistische, antisemitische und hetzerische Aktionen verwickelt sind. Nicht nur damit sorgte Imark dieser Tage für Aufsehen: Am Montag überraschte er mit einer ausgefallenen Annexionsidee, die Jugendliche im Projekt «Verändere die Schweiz» ausgeheckt hatten – dem Anschluss des norditalienischen Tals Veltlin.

Christian Imark, normalerweise kämpft die SVP für eine Schweiz, die sich einigelt. Warum wollen nun ausgerechnet Sie das Staatsgebiet vergrössern?

Das Anliegen ist zugegebenermassen provokativ. Doch die Idee, das Veltlin könnte ein Teil der Schweiz sein, ist historisch gesehen überhaupt nicht abwegig und birgt interessante Wertefragen. Warum wollen die Bürger einer ausländischen Region auf einmal zur Schweiz gehören? Weil sie mit unserem Land direkte Demokratie, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung verbinden – Werte, die in der EU nichts gelten.

Waren Sie schon mal im Veltlin?

Auf dem Weg nach Meran durchquerte ich das Veltlin zweimal – ein wunderschöne Region. Fast könnte man meinen, man sei in der Schweiz (schmunzelt).

Einst gehörte das Veltlin tatsächlich zur Schweiz. Doch Napoleon schlug es 1797 der Cisalpinischen Republik zu.

Genau, das Veltlin gehört bloss wegen einer Laune der Geschichte nicht mehr zur Schweiz. Ich würde seine Bürger mit offenen Armen empfangen, sollten sie zu uns wechseln wollen.

Ehrlich gesagt: Wenn ich wählen könnte, entschiede ich mich eher für eine Region mit Zugang zum Mittelmeer.

Das verstehe ich. Mir geht es aber darum, die Wertediskussion zu lancieren. Wir brauchen nicht gleich mit Kampfjets nach Rom zu fliegen. (lacht) Für Bündner und Tessiner ist die Veltlin-Frage offenbar eine Herzensangelegenheit.

Die Gebietserweiterung dürfte wohl ein Traum bleiben. Bereits erreicht haben Sie hingegen einen Kurswechsel in der Entwicklungshilfe.

Ich bin erleichtert, hat auch der Ständerat erkannt, dass mit Schweizer Steuergeld bis anhin teilweise antisemitische, rassistische und anderweitige Hetze finanziert worden ist – vor allem im nahen Osten. So hat die Schweiz nicht selten einseitig Partei ergriffen, was einem neutralen Land schlecht ansteht.

Woher rührt Ihr Furor in dieser Sache?

Ich bin weder in einer Freikirche noch habe ich jüdische Verwandte oder bin selbst Jude. Entsprechend geht es mir auch nicht um Religion, sondern um die Neutralität der Schweiz und darum, dass wir uns für Frieden einsetzen, statt Hass zu säen.

Die SVP habe ihre frühere Juden- durch Islamfeindlichkeit ersetzt, kritisierte der ehemalige Grünen-Nationalrat Jo Lang jüngst in der «Woz». Was erwidern Sie?

Wie andere Linke verurteilt Jo Lang Antisemitismus, wenn er von Rechtsextremen kommt. Bei Arabern aber schauen er und seine Mitstreiter nicht nur bloss tatenlos zu, sondern wollen solche Aktionen gar mit Steuergeldern unterstützen. Das ist heuchlerisch.