Wurde aus fremden Filmen abgekupfert? Lyssys Drehbuchautor verteidigt sich

Kritiker werfen dem Schweizer Altmeister der Komödie Ideendiebstahl vor in seinen beiden letzten Filmen. Am Montagabend nun wurde Lyssy am ­Zürcher Filmfestival für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Eine Feier mit Nebengeräuschen über Fairness im Filmgeschäft.

Daniel Fuchs
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Rolf Lyssy mit dem «Goldenen Auge» am Zurich Film Festival.

Rolf Lyssy mit dem «Goldenen Auge» am Zurich Film Festival.

Bild: Alexandra Wey/Keystone (28. September 2020)

Für Rolf Lyssy, 84, war es ein grosser Tag am Montag. Seine jüngste Komödie «Eden für jeden» hatte am Zurich Film Festival Premiere. Gezeigt wurde sie anlässlich der Auszeichnung für Lyssys Lebenswerk. Nach dem Fotoshooting auf dem «Grünen Teppich» nahm Lyssy ein «Goldenes Auge» entgegen, den Award des Festivals. Regulär in die Kinos kommt Lyssys Komödie übers Zusammenleben im Schrebergarten bereits diese Woche.

Der eine oder andere Zuschauer erlebt dann ein Deja-Vu. Den pingeligen «Presidente» des Schrebergartenvereins mit italienischen Wurzeln – hat man den nicht schon einmal gesehen? Die Konstruktion eines überdimensionalen Grills, damit Muslime und Christen gemeinsam ihr Fleisch braten können – kam doch so schon vor? Genau. Beide Sujets gibt es in echt. Im Dokumentarfilm «Unser Garten Eden» des Berner Filmemachers Mano Khalil aus dem Jahr 2010.

Am Wochenende erhob dieser, der Erfinder, Vorwürfe in der «Sonntagszeitung». «Eden für jeden» sei eine Kopie seines Doks. Zwar sei er damals kontaktiert worden, er fühlte sich jedoch übergangen und hätte nur ja gesagt, weil er kein «Spielverderber sein wollte».

Auch «Die letzte Pointe» nur ein Abklatsch?

Auf Twitter meldeten sich andere Kunstschaffende zu Wort. ­Zuvorderst Regisseurin und Drehbuchautorin Güzin Kar, die Lyssys Verhalten als «enttäuschend» taxierte.

Offenbar handelt es sich bei «Eden für jeden» um keinen Einzelfall. Der Zürcher Satiriker Patrick Frey doppelte in einem Tweet nach, Lyssys Drehbuchautor Dominik Bernet habe sich bereits für Lyssys zweitjüngsten Film «Die letzte Pointe» in unzulässiger Weise bedient.

Die Vorlage, die Frey nennt: das Drehbuch eines nie umgesetzten Films mit dem Namen «Exit Retour» von Katja Früh. Aus der Komödie wurde zwar nichts, doch Frey und Früh realisierten 2017 die gleichnamige Theaterkomödie am Casinotheater Winterthur.

Hier der Trailer zum erwähnten Film «Die letzte Pointe» von 2017:

Auf die Anfrage dieser Zeitung an das Duo reagierte nur Frey, der für vertiefte Informationen auf Katja Früh verwies. Auf Twitter schrieb Frey, dass er selbst am Drehbuch beteiligt gewesen sei. Nachdem die Finanzierung scheiterte, hätten Früh und er beschlossen, ein Theaterstück daraus zu machen.

Wie aber reagiert Lyssy, der Altmeister der Filmkomödie («Schweizermacher»), auf die Vorwürfe? Mehrere Anfragen blieben auch da unbeantwortet. Dafür bezog Dominik Bernet, der mit Lyssy die Drehbücher für «Eden für jeden» und «Die letzte Pointe» schrieb, Stellung. In einer Mail antwortet er, die Schrebergartenkomödie sei die Idee von SRF und Filmproduzent Marcel Wolfisberg gewesen. Der Dok von Khalil habe als eine von mehreren Inspirationsquellen gedient. «Da ich als Autor ebenfalls sehr sensibel bin, wenn es um Urheberrechte geht, liess ich mir von den Auftraggebern versichern, dass Mano Khalil einverstanden ist und entschädigt wird», so Bernet. Dieser habe eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet und sei entschädigt worden.

Im Fall von «Die letzte Pointe» weist Autor Bernet die Vorwürfe ebenfalls zurück. Er habe gewusst, dass Katja Früh und andere Autoren sich dem Thema Sterbehilfe angenommen hätten. «Mit den konkreten Inhalten ihres Projekts kam ich jedoch in keiner Form in Kontakt, weshalb mich dieses auch in keiner Form inspiriert oder sonst wie beeinflusst hat», so Bernet.

Anwalt kümmert sich um Schrebergartengeschichte

Patrick Frey hält an seiner Darstellung fest. Mehrere Elemente im Drehbuch von Früh und im Film von Lyssy seien identisch. Das könne für ihn kein Zufall sein, machte er deutlich. Frey nannte das Vorgehen Bernets und Lyssys «schamlos». Hat Mitautor und Regisseur Rolf Lyssy also gegen Urheberrechte verstossen bei seinen jüngsten Filmen? Kam es zu einem Ideenklau? Oder floss genug Geld und wurde klar kommuniziert, wie viel aus den Originalen übernommen wird?

Mano Khalil wollte sich nicht mehr äussern zur Sache und verwies auf seinen Anwalt. Dieser wiederum war wegen eines privaten Termins nicht erreichbar, wie es in der entsprechenden Berner Kanzlei hiess.

Und hier geht es zu den Trailern von «Eden für jeden» und «Unser Garten Eden»:

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