Fake-Inserat

Stelleninserat fürs Stadtpräsidium sorgt in Biel für Verwirrung

Dieses Stelleninserat erschien in der Zeitung.

Dieses Stelleninserat erschien in der Zeitung.

In der lokalen Presse erschienen am Freitag falsche Stellenausschreibungen für die Stelle des Bieler Stadtpräsidenten / der Stadtpräsidentin. Dabei handelt es sich aber um ein Fake-Inserat.

Ausführlich werden im Stelleninserat, welches am Freitag unter anderem im «Bieler Tagblatt» erschien, die Hauptaufgaben und das Profil der gesuchten Person für das Stadtpräsidium beschrieben. «Sie können sich in ein Team einordnen – ohne sich dem Team unterzuordnen», heisst es da etwa. Oder dass eine familiäre Tradition in dieser politischen Aufgabe keine Voraussetzung sei. Ein Seitenhieb auf den amtierenden Stadtpräsidenten Erich Fehr (SP), dessen Vater Hermann Fehr dieses Amt ebenfalls innehatte.

Die Stelle ist auf 1.Januar 2021 ausgeschrieben. Befristet bis 31.Dezember 2024, mit Option auf Verlängerung. Die Bewerbung könne mit den üblichen Unterlagen «an alle Bielerinnen und Bieler» gesendet werden.

Farbgebung und Logo des Inserats stimmen mit dem sonstigen Auftritt der Bieler Stadtverwaltung überein. Auf einem Foto ist die Bahnhofstrasse zu sehen, im unteren Teil ein Banner mit Personen, die für die Kampagne «Willkommen in Biel» vor der Linse standen.

© CH Media

Das Inserat ist aber nicht echt. «Diese Stellenausschreibungen stammen nicht von der Stadtverwaltung», teilt diese in einem Communiqué mit. Man bedauert den Missbrauch der visuellen Identität und auch, dass die Personen, welche ihr Einverständnis für die Teilnahme an der Kampagne «Willkommen in Biel» gaben, nun auch in der Kampagne einer politischen Partei zu sehen sind.

«Die falschen Stellenausschreibungen haben im Übrigen zu Anrufen beim städtischen Personaldienstes geführt, welche diesen zusätzlich belasten», heisst es in der Mitteilung weiter. Mehrere Personen hätten sich beim Personaldienst erkundigt, ob das stimme, sagt Julien Steiner, Vize-Stadtschreiber auf Anfrage. «Ich finde es nicht lustig, dass städtisches Personal mit so etwas beschäftigt wird.»

Das Inserat ist laut «Berner Zeitung» Teil der Wahlkampagne für die Gemeinderatsliste «Vereinte Mitte». Die Domaine im Inserat gehört GLP-Stadträtin Sandra Gurtner-Oesch. «Wir haben Kontakt mit ihr aufgenommen und verlangt, dass die Anzeige so nicht mehr erscheint» erklärt Julien Steiner. Solange sie das GLP-Wappen verwende sei das ok. «Aber auf dem Inserat ist das Wappen der Stadt.» Die Stadt Biel überlegt sich, rechtliche Schritte in dieser Sache einzuleiten.

«Demokratischen Volkswahl»

Die Wahl des Stadtpräsidenten oder der Stadtpräsidentin findet am 27. September 2020 statt. «Sie ist das Ergebnis einer politischen Auseinandersetzung im Rahm einer demokratischen Volkswahl und nicht von falschen Stellenausschreibungen», hält die Verwaltung abschliessend fest.

Der bisherige Stadtpräsident Erich Fehr will sein Amt behalten. Hingegen muss der Sitz von Baudirektorin Barbara Schwickert (Grüne) neu besetzt werden, da sie per Ende Legislatur zurücktritt. Insgesamt 21 Kandidatinnen und Kandidaten treten für die Gemeinderatswahlen an.

Meistgesehen

Artboard 1