Brugg

Stehen lassen? Abreissen?

Massiv: Die Alte Post überragt die Stadtführung unter der Leitung von Titus Meier. (Robert Benz)

Alte Post Brugg

Massiv: Die Alte Post überragt die Stadtführung unter der Leitung von Titus Meier. (Robert Benz)

Das Ringen um die Alte Post in Brugg geht weiter. Ob sie definitiv neu gebaut werden dürfte, hängt vom Entscheid des Kantons ab.

Robert Benz

An der Spezial-Stadtführung zur städtebaulichen Entwicklung Bruggs unterstrich Stadtführer Titus Meier die historische Bedeutung der Alten Post als Schnittstelle zwischen den Zeitaltern und Stadtteilen. Vorab erläuterte Stadtammann Rolf Alder das weitere Vorgehen des Stadtrates.

Laut Rolf Alder will der Stadtrat nämlich schon im Dezember den Studienauftrag für einen Neu- respektive Umbau der Alten Post zu einer «Zentralisierten Stadtverwaltung» ausschreiben lassen. Ein Neubau auf dem Areal ist jedoch nur dann möglich, wenn der Kanton den Entscheid des Brugger Einwohnerrats vom 6. März als rechtskräftig akzeptiert, die Alte Post nicht mehr als kommunales Denkmalschutzobjekt zu behandeln. Im Moment seien die Verhandlungen in vollem Gange. Im März 2010 sollen in einer Vorqualifikation sechs Architekturbüros ausgewählt werden, welche bis im August je zwei Varianten zur Erneuerung der Alten Post vorlegen - eine Variante Neubau und eine Variante Umbau.

Umbau statt Abbruch

Für einen Umbau des Gebäudes plädiert das «Komitee zur Erhaltung der ‹Alten Post›» mit einer Petition, die bis dato bereits über 550 Personen unterzeichnet haben. Dabei kommt es dem Komitee, bestehend aus Titus Meier, Konrad Zehnder und Barbara Iten, nicht auf die schiere Masse der Unterschriften an. Meier spricht von einem «emotionalen» Thema und erklärt nach dem kurzen Rundgang durch Brugg mit Start und Ziel bei der Alten Post: «Wir wollen dem Stadtrat klarmachen, dass es ein Risiko sein kann, dem Volk einen Neubau vorzulegen.»

Hinderungsgründe für einen Umbau zur Stadtverwaltung gebe es verschiedene, so Alder. Ein älteres Gebäude umzubauen und zu bewahren, verursache höhere Baukosten, und zudem ist die Nutzung weniger flexibel; die Wohnräume in den Obergeschossen seien überdies für Verwaltungszwecke zu tief und müssten aufwändig angepasst werden.

Auch Marcel Frizzoni gehörte am Freitagabend zu den Teilnehmern der Stadtführung. Nachdem er 15 Jahre in Brugg gelebt hatte, ist er weggezogen und jetzt beim Stadtzürcher Heimatschutz tätig. Als er vernahm, dass die Alte Post möglicherweise abgebrochen wird, reiste er sofort nach Brugg. Er betonte: «Sogar in Zürich hat man es verstanden, die Jugendstilhäuser nicht abzureissen, sondern zu renovieren.»

Die Debatte über die Alte Post, die ihren Ursprung in den 60er-Jahren hat, wird so schnell nicht entschieden und treibt selbst Auswärtige um. Auf die Projektdauer angesprochen, meinte der Stadtammann: «Es ist noch ein sehr, sehr weiter Weg. Bis zu einer neuen, zentralisierten Stadtverwaltung dauert es mindestens noch 4 bis 5 Jahre, wenn alles nach Plan läuft.»

Derweil wartet alles gespannt auf die Entscheide des Kantons und danach auf die Skizzen der Architekturbüros. Was hätte wohl der Brugger Bundesrat Edmund Schulthess mit den Räumlicheiten seiner ehemaligen Kanzlei gerne geschehen sehen?

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