GfS-Umfragen: SRG zahlt 300000 Franken pro Jahr - Bakom kritisiert Publikations-Stopp
SRG zahlt 300 000 Franken pro Jahr für Umfragen von Claude Longchamp

Der SRG-Auftrag macht 10 Prozent des jährlichen GfS-Umsatzes von 3,05 Millionen Franken aus. Seit dem Umfragedebakel bei der Minarett-Initiative lässt die SRG die Umfragen zwar noch durchführen, publiziert diese aber nicht mehr. Das Bakom kritisiert diesen Entscheid.

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Politologe Claude Longchamp (Archiv)

Politologe Claude Longchamp (Archiv)

Keystone

Die SRG überweist dem Meinungsforschungsinsitit GfS Bern von Claude Longchamp jährlich rund 300000 Franken, wie Recherchen der Zeitung «Sonntag» ergeben haben. Der SRG-Auftrag macht 10 Prozent des jährlichen GfS-Umsatzes von 3,05 Millionen Franken aus. In den 300000 Franken sind neben den je 20000 Franken für jede Umfragewelle (zwei vor jedem Abstimmungssonntag, insgesamt acht pro Jahr) auch die Analysen von Longchamp in den SRG-Medien enthalten. In Wahljahren kosten die GfS-Dienstleistungen nahezu das Doppelte. Ins Gerede gekommen ist das GfS-Insititut nach dem Umfragedebakel bei der Minarett-Initiative, bei der die Prognosen weit neben dem tatsächlichen Resultat lagen. Die SRG hat daraufhin entschieden, die Umfragen zwar weiterhin durchführen zu lassen, aber die Ergebnisse nicht mehr zu publizieren. Das stösst nicht nur bei den Parteien auf Kritik, sondern auch beim Bakom. «Ich finde diesen Entscheid seltsam. So verfügen einige Journalisten über die Informationen aus der Umfrage und andere nicht», sagt Bakom-Chef Martin Dummermuth gegenüber «Sonntag». Erste Analysen der Minarett-Umfrage zeigen, dass der Grund für das Prognosedebakel nicht wie zuerst vermutet daran liegt, dass immer mehr Menschen keinen Festnetzanschluss haben. Die 3 Prozent der Schweizer Bevölkerung, die nur noch ein Mobiltelefon besitzen, verursachen eine Fehlerquote von höchstens 1,5 Prozent, wie die externe Überprüfung ergeben hat.