Sprachenvielfalt
Jetzt gibt's Unterricht im Bundeshaus: Parlamentarier sollen Rätoromanisch büffeln

Die vierte Landessprache hat es schwer im Parlament. Ausser den Bündner Volksvertretern mag sich kaum jemand dem Rätoromanischen zuwenden. Nun wollen die Behörden nachhelfen.

Sven Altermatt
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Parlamentarierinnen und Parlamentarier tauschen sich in der Wandelhalle aus: Nicht allen fällt der Wechsel zwischen den Landessprachen leicht.

Parlamentarierinnen und Parlamentarier tauschen sich in der Wandelhalle aus: Nicht allen fällt der Wechsel zwischen den Landessprachen leicht.

Bild: Keystone

Emprender rumantsch? Na grazia! (Romanisch lernen? Nein danke!)

Die vier Landessprachen sind ein Markenzeichen der Schweiz. Damit sich Parlamentarierinnen und Parlamentarier im Bundeshaus möglichst vielsprachig verständigen können, wird so einiges unternommen. Dafür müssen die Steuerzahler aufkommen: Bis zu 2000 Franken dürfen sich die Ratsmitglieder rückerstatten lassen, sofern sie einen Kurs für eine der vier Landessprachen oder Englisch besuchen.

Manche machen davon gerne Gebrauch, wie aktuelle Zahlen zeigen. Die Mitglieder von Ständerat und Nationalrat reichten in den Jahren 2016 bis 2020 insgesamt 135 Anträge auf Finanzierung eines Sprachkurses ein. 48 Gesuche betrafen das Französische, 46 das Deutsche und immerhin 9 das Italienische. Zudem wollten 32 Ratsmitglieder ihr Englisch verbessern.

Und die vierte Landessprache? Kein einziges Ratsmitglied stellte in den vergangenen fünf Jahren einen Antrag auf einen Rätoromanischkurs. Dass es die kleinste Sprachgruppe im Bundeshaus nicht ganz leicht hat, ist altbekannt. Derzeit beherrschen nur drei der sieben Bündner Parlamentarier die sogenannte Teilamtssprache perfekt.

Gerade sie weibeln tüchtig für die romanische Kultur. Stets verbunden mit der Hoffnung, dass es doch schön wäre, wenn andere zumindest ein paar Brocken Romanisch verstünden und beherrschten. Zuletzt war es auch der sprachaffine Neuenburger FDP-Nationalrat Damian Cottier, der in einem Vorstoss einen Effort für das Romanische gefordert hatte.

An sich gilt der Grundsatz, «dass die Weiterbildung der Ratsmitglieder in deren Eigenverantwortung liegt». Trotzdem scheinen die Ratspräsidien und die Parlamentsdienste nichts unversucht zu lassen. Nun wollen sie sogar mit einem niederschwelligen Angebot im Bundeshaus nachhelfen, wie diese Zeitung erfahren hat: Künftig sollen regelmässige Rätoromanischkurse für die Volksvertreter angeboten werden. Allerdings nur, wenn daran auch ernsthaft Interesse besteht.

Derzeit treffen die Parlamentsdienste entsprechende Abklärungen, wie deren Sprecherin bestätigt. Die Parlamentarier sind aufgefordert, an einer Umfrage teilzunehmen – «um abzuschätzen, wie gross der Appetit auf regelmässige Rätoromanischkurse ist», wie es heisst. Noch können die Verantwortlichen dazu keine näheren Angaben machen.

Die Grenzen der Mehrsprachigkeit

Vorderhand bieten die Parlamentsdienste in der laufenden Session einen Crashkurs an. Das Ziel: Die wichtigsten Grundlagen der romanischen Sprache und Kultur vermitteln. Ein solches Angebot gibt es nach 2020 zum zweiten Mal, beteiligt ist auch die Interessenorganisation Lia Rumantscha.

Um die Herren und Damen Abgeordneten anzulocken, wird im Kurs ein reichhaltiges Buffet mit bündnerischen Spezialitäten aufgetischt. «Rumantsch à discrétion», verspricht die Einladung.

Emprender rumantsch? Pertge betg! (Romanisch lernen? Warum nicht!)