Coronakrise
Sperrstunde, Weihnachtsmärkte und ein Zückerchen für «Vorzeigekantone» – die wichtigsten Antworten zu den neuen Regeln des Bundesrats

Mit schweizweit geltenden Regeln will der Bundesrat die Ausbreitung des Coronavirus bremsen. Sie betreffen Restaurants, Läden, Märkte und Veranstaltungen. Alles Wissenswerte im Überblick.

Christoph Bernet
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Ab 19 Uhr ist Sperrstunde: Blick in ein Restaurant in Lausanne.

Ab 19 Uhr ist Sperrstunde: Blick in ein Restaurant in Lausanne.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

«Wir sind in einer äusserst kritischen Situation», sagte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga am Freitag zum Auftakt der Medienkonferenz. Die Rückkehr zum exponentiellen Wachstum bei den Covid-Neuinfektionen bereitet dem Bundesrat sorgen. Diese Entwicklung bringe die Spitäler und vor allem das Gesundheitspersonal «ans Limit». Um das Virus unter Kontrolle zu bringen, brauche es zusätzlich Massnahmen.

Deshalb hat der Bundesrat im Rahmen der Covid-Verordnung eine Reihe von neuen Massnahmen beschlossen. Der Schritt war bereits am Dienstag angekündigt worden. Die neuen Regeln gelten für die ganze Schweiz. Sie treten am Samstag um Mitternacht in Kraft und gelten vorläufig bis am 22. Januar 2021.

1. Sperrstunde für die Gastronomie

Restaurants und Bars müssen neu bereits um 19 Uhr schliessen. Damit rückt die bisher geltende schweizweite Sperrstunde von 23 Uhr um vier Stunden nach vorne. Hingegen verzichtet der Bundesrat entgegen seiner Ankündigung vom Dienstag, die Restaurants auch am Sonntag zu schliessen.

Take-Away und Lieferdienste sind nach 19 Uhr weiterhin erlaubt. Hotelrestaurants dürfen bis 23 Uhr geöffnet bleiben, allerdings ausschliesslich für Gäste des Hotels. Am 24. Dezember wird die Sperrstunde auf 1 Uhr morgens verlängert, ebenso in der Silvesternacht vom 31. Dezember. Unter anderem in Basel-Stadt und Graubünden sind Restaurants derzeit vollständig geschlossen. Diese weiter gehenden kantonalen Regeln bleiben in Kraft.

2. Läden und Märkte müssen abends und sonntags schliessen

Weihnachtsmarkt am Sechseläutenplatz in Zürich.

Weihnachtsmarkt am Sechseläutenplatz in Zürich.

Roger Szilagyi

Auch für Einkaufsläden und Märkte im freien gelten neu reduzierte Öffnungszeiten. Sie müssen ebenfalls um 19 Uhr zumachen. Anders als die Gastronomie müssen sie auch am Sonntag zu bleiben. Dasselbe gilt für Poststellen, Banken und andere Dienstleistungsbetriebe wie Coiffeursalons. Nur Apotheken dürfen abends und an Sonntagen geöffnet sein. Tankstellen können weiterhin rund um die Uhr offen bleiben. Abends und sonntags dürfen sie aber nur Kraftstoffe verkaufen. Denn für die Tankstellenshops gilt die Sperrstunde ebenfalls.

3. Sperrstunde für Kulturstätten sowie Freizeit- und Sportanlagen

Die gleichen Regeln wie für Einkaufsläden gelten für Freizeit- und Sporteinrichtungen. So bleiben etwa Museen, Galerien, Kinos, Zoos, Casinos oder Fitnessstudios nach 19 Uhr sowie an Sonntagen geschlossen. Ausgenommen sind Reithallen und Skigebiete und andere Sportanlagen im freien Gelände. Ebenso keine Sperrstunde gelten für die Sportanlagen der Profiligen oder für Wettkämpfe und Trainings von Angehörigen von nationalen Kader.

4. Praktisch alle öffentlichen Veranstaltungen verboten

Lichterlöschen in den Kinos.

Lichterlöschen in den Kinos.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Öffentliche Veranstaltungen sind ab Samstag grundsätzlich verboten. Dazu gehören Amateursport-Wettkämpfe, Konzerte oder Kinovorführungen. Professionelle Kultur- und Sportveranstaltungen ohne Publikum bleiben möglich, ebenso wie politische Kundgebungen mit maximal 50 Teilnehmenden. Auch Gottesdienste mit bis zu 50 Personen und Beerdigungen im engen Familien- und Freundeskreis sind erlaubt.

5. Sport und Musizieren im kleinen Kreis weiterhin möglich

Kinder unter 16 Jahren können weiterhin kulturelle Aktivitäten durchführen und Sport betreiben. Wettkämpfe sind allerdings verboten. Bei Erwachsenen ist Freizeitsport bis zu einer Gruppengrösse von fünf Personen erlaubt, Kontaktsportarten sind verboten. Wer im Privaten kulturelle Aktivitäten betreiben möchte, darf das höchstens zu fünft, mit Masken und mit ausreichendem Abstand.

6. Dringende Empfehlungen für Privatanlässe und Homeoffice

Für private Treffen gilt eine Obergrenze von zehn Personen, wobei auch Kinder mitgezählt werden. Gesundheitsminister Alain Berset (SP) rief die Bevölkerung eindringlich dazu auf, «die Anzahl Kontakte möglichst zu reduzieren». Der Bundesrat belässt es bei der «dringenden Empfehlung», dass sich privat nur Mitglieder von zwei Haushalten treffen . Auch für Homeoffice gilt eine «dringende Empfehlung.»

7. «Vorzeigekantone» dürfen Sperrstunde aufheben

Harte Massnahmen sollen belohnt werden: Blick in die Genfer Innenstadt.

Harte Massnahmen sollen belohnt werden: Blick in die Genfer Innenstadt.

Salvatore Di Nolfi / KEYSTONE

Die am Dienstag angekündigte Sperrstunde für die Gastronomie und den Detailhandel hat insbesondere in der Romandie für Unmut gesorgt. Die Westschweizer Kantone haben mit strengen Massnahmen wie Restaurant- und Ladenschliessungen ihre Fallzahlen senken können. Der Bundesrat will den Kantonen «eine Türe offen lassen», sagte Bundespräsidentin Sommaruga.

Kantone können die Sperrstunde für die Läden und die Gastronomie auf 23 Uhr ausdehnen, wenn es ihre epidemiologische Lage zulässt. Dafür müssen drei Bedingungen erfüllt sein: Ausreichende Kapazitäten im Gesundheitswesen und im Contact Tracing, ein Neuansteckungswert unter dem Schweizer Durchschnitt sowie ein Reproduktionswert, der während einer Woche konstant unter 1 liegt. Liegt dieser Wert während drei Tagen über 1, müssen die Lockerungen sofort rückgängig gemacht werden. Kantone, die Lockerungen beschliessen, müssen diese Absicht dem Bund melden und sich mit den Nachbarkantonen absprechen.

8. Verschlechtert sich die Lage, will der Bundesrat rasch handeln

Am nächsten Freitag trifft sich der Bundesrat zu seiner nächsten Sitzung. Bis dahin will sich der Bundesrat mit Kantonen über einen Mechanismus einigen, wie die Massnahmen bei einer weiteren Verschlechterung der epidemiologischen Lage verschärft werden sollen. «Wir wollen schnell handeln können, wenn das notwendig ist», sagte Bundespräsidentin Sommaruga. Nächste Verschärfungsschritte sind am nächsten Freitag nicht zu erwarten. Aber bei einer anhaltenden Verschlechterung werde man über weitere Schliessungen nachdenken müsse. Man sei auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen, um einen erneuten Lockdown zur verhindern: «Wer sich nicht an die Massnahmen hält, bringt uns näher an strengere Massnahmen», warnte Gesundheitsminister Berset.