«TalkTäglich»

Sind wir am Anfang einer zweiten Welle? Experten sind uneins

Experten-Talk: «Wir sind klar am Anfang einer zweiten Welle» oder «Die zweite Welle gibt es nicht»?

Andreas Cerny (via Skype) und Josef Widler waren stark unterschiedlicher Meinung, während Ruth Humbel diplomatisch blieb, aber betonte, dass die Schutzkonzepte nicht funktionieren, wie sie sollten.

Nach den jüngsten Ansteckungen in Bars und Clubs lud Tele Züri für die Sendung «TalkTäglich» drei Experten zur TV-Debatte über die Lage der Nation in Sachen Coronavirus. Diese waren höchst uneins.

Andreas Cerny ist Spezialarzt für Innere Medizin und Infektiologie, Professor der Uni Bern und Epidemiologe fürs Tessin. Er war via Videotelefonie zugeschaltet zur Sendung «TalkTäglich» am Montagabend auf den Regionalsendern von CH Media. Seine Aussage war äusserst präzise: «Wir sind ganz klar am Anfang einer zweiten Welle.»

In einem Club in Zürich und in einer Bar in Spreitenbach kam es zu Ansteckungen, bei denen eine einzelne Person ohne klare Symptome gleich mehrere andere angesteckt hatte. Für Andreas Cerny ist klar: «Die Lage ist ernst. Genau so ging es anfangs März im Tessin los.»

Josef Widler, Präsident der Zürcher Ärztegesellschaft, war live im Studio und widersprach: «Nein, die zweite Welle ist nicht da. Wir haben auch keine Krise. Wir haben eine neue Lage, die wir beurteilen müssen.» Anders als bei der ersten Welle sei es nun im Laufe einer Woche gelungen, die Ansteckungen zurückzuverfolgen und alle betroffenen Personen zu isolieren.

«Die Leute sind fahrlässig geworden»

Ruth Humbel, Aargauer CVP-Nationalrätin und Präsidentin der Gesundheitskommission des Nationalrats, blieb diplomatisch: «Die Leute sind fahrlässig geworden. Der Bundesrat hat ja immer an die Eigenverantwortung appelliert. Offenbar funktionieren die Schutzkonzepte aber nicht, sonst müsste es ja möglich sein, die Ansteckungen korrekt zurückzuverfolgen.» 

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Da Gäste bei der Registrierung in den betroffenen Lokalen falsche Kontaktdaten angegeben haben, forderte Humbel eine zusätzliche ID-Kontrolle. «Die Club-Betreiber haben das zu wenig ernst genommen.»

Epidemiologe Cerny stimmte ihr zwar zu, sagte zum Contact Tracing aber: «Das haben wir im Tessin auch gemacht anfangs und innerhalb von fünf, sieben Tagen, wenn die Verbreitung zunimmt, war das nicht mehr möglich. Ich will nicht Panik machen, aber wenn wir jetzt nicht umdenken, dann kommt es nicht gut.» 

Das hat der Bundesrat am Montagabend zusammen mit den Kantonen diskutiert:

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Sehen Sie hier die Sendung TalkTäglich vom Montagabend in voller Länge:

Coronavirus: Die vergessene Gefahr?

(smo)

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