Die Kampfjets der Schweizer Luftpolizei stiegen noch bis vor kurzem nur zu Bürozeiten in die Luft. Von 8 bis 12 Uhr, und zwischen 13.30 und 17 Uhr. Wochenende und Feiertage ausgenommen. Einer breiten Öffentlichkeit wurde dies bewusst, als 2014 ein entführtes Flugzeug der Ethiopian Airlines den Flughafen Genf ansteuerte. Es war gegen 5.30 Uhr morgens. Die französische Luftwaffe musste mit zwei Mirages einspringen und die Maschine ans Ziel eskortieren.

2016 erfolgte eine erste Anpassung am Dispositiv. Seit Anfang Jahr ist es definitiv vorbei mit den Bürozeiten bei der Schweizer Luftwaffe. Neu steht der Luftpolizeidienst von 6 bis 22 Uhr im Einsatz, an 365 Tagen im Jahr. Bis Ende 2020 soll schliesslich der 24-Stunden-Dienst etabliert sein, kurz LP24. Rund um die Uhr sind zwei bewaffnete Jets dann innerhalb von 15 Minuten einsatzbereit, sollte die Sicherheit des Schweizer Luftraums bedroht sein.

Es regt sich Widerstand

Die Ausweitung hat allerdings ihren Preis — und nicht nur den monetären von rund 30 Millionen Franken pro Jahr. Denn die Piloten der Luftwaffe müssen nun ihr Nachtflugtraining intensivieren, wie die Armee kürzlich mitteilte. Jährlich bis zu 100 zusätzliche Trainingsflüge im Dunkeln werden ab diesem Jahr durchgeführt, konkretisiert Armeesprecher Daniel Reist. Fast alle betreffen den Westschweizer Militärflugplatz Payerne, den Hauptstandort für das Projekt LP24. Während weniger Wochen im Jahr sind auch die Ausweichstandorte Emmen bei Luzern und Meiringen im Berner Oberland betroffen.

Die Bewohner von Payerne sind sich Fluglärm gewohnt, auch am Abend. Bereits heute Abend starten die Kampfjets zu Trainingszwecken. Über die Ankündigung, dass nun im Schnitt zusätzlich zwei Mal pro Woche ihre Nachtruhe gestört wird, sind die Anwohner aber alles andere als erfreut. Vor allem, dass neu auch noch am Mittwoch Nachtflüge stattfinden sollen, stösst Cédric Péclard sauer auf. Von der Ausweitung erfährt der Präsident des Schutzverbandes der umliegenden Gemeinden (ASIC) erst durch diese Zeitung. Er werde mit der Armee Kontakt aufnehmen und die Details klären, sagt Péclard. Eine Ausweitung der Nachtflüge auf Mittwochabend werden die Anwohner aber nicht akzeptieren, stellt der ASIC-Präsident bereits klar.

Denn der Krach der Kampfjets sei für die Bewohner der umliegenden Gemeinden in der Nacht besonders störend. Am Abend, wenn es endlich ruhig sei, werde der Lärm noch stärker wahrgenommen. Tatsächlich seien die Landungen am Abend aber auch speziell laut. Dies, weil die Piloten für den Anflug tiefer fliegen müssen. Damit werden auch mehr Anwohner gestört, führt Péclard aus.

«Die Besatzungen, welche für LP24 in Bereitschaft sind, müssen einen ausreichenden Ausbildungsstand im Nachtflug haben», begründet Armeesprecher Reist den neuen Flugplan. Er stellt aber in Aussicht, dass allenfalls nicht alle 100 Trainingsflüge notwendig sind. «Wenn die Besatzungen einen guten Trainingsstand haben, kann auf den Nachtflug mittwochs verzichtet werden», so Reist. Zudem werden die Kampfjets nicht die ganze Nacht über durch die Luft donnern. Die Luftwaffe plane, die Trainingsflüge spätestens um 22 Uhr zu beenden, so Reist.

Im Ernstfall werden die Kampfjetpiloten ab 2021 aber auch zu späterer Stunde ausrücken, dies ist schliesslich der Sinn des 24-Stunden-Dienstes. Wie häufig es zu Nachteinsätzen kommt, ist laut Reist schwierig abzuschätzen. Mit den bisherigen Betriebszeiten musste die Luftwaffe jeweils rund 30 Mal pro Jahr zu sogenannten «Hot Missions» ausrücken, weil Flugzeuge die Lufthoheit der Schweiz oder die Luftverkehrsregeln in schwerwiegender Weise verletzt hatten. So etwa im Sommer 2016, als Schweizer Kampfjets wegen einer Bombendrohung eine israelische Passagiermaschine begleiteten. Daneben gehört es aber auch zu den Aufgaben der Luftpolizei, stichprobenweise ausländische Staatsflugzeuge zu kontrollieren. Rund 300 solcher «Live Missions» werden jährlich durchgeführt.