Fall Rupperswil
Seltsame Beziehung: Gefängnis-Angestellte entwickelte Gefühle für Vierfachmörder Thomas N.

Eine Gefängnisangestellte rief die Staatsanwältin Barbara Loppacher an, um sich für Thomas N. einzusetzen. Jetzt reagiert das Amt für Justizvollzug.

Andreas Maurer
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Hinter einer dieser Türen der Strafvollzugsanstalt Pöschwies sitzt Vierfachmörder Thomas N. – Eine Mitarbeiterin steht auf seiner Seite.Johanna Bossart

Hinter einer dieser Türen der Strafvollzugsanstalt Pöschwies sitzt Vierfachmörder Thomas N. – Eine Mitarbeiterin steht auf seiner Seite.Johanna Bossart

ZVG/Johanna Bossart

Thomas N., der Vierfachmörder von Rupperswil, hatte in den 33 Jahren seines Lebens vor seiner Tat nur eine Bezugsperson: seine Mutter. Er war nicht in der Lage, zu anderen Menschen eine langfristige Beziehung aufzubauen. Auch im Gefängnis bleibt die Mutter für ihn wichtig. Sie besucht ihn alle zwei Wochen. Er nutzt die vier Stunden Besuchszeit, die ihm im Gemeinschaftsraum zustehen, sowie die 160 Minuten Telefongespräche nur für sie.

In der Justizvollzugsanstalt Pöschwies in Regensdorf ZH, in der N. sitzt, ist eine neue Vertrauensperson im Leben des Vierfachmörders aufgetaucht. Zu einer Angestellten der Anstalt hat er eine Beziehung aufgebaut, die über den üblichen Kontakt zwischen Aufseherinnen und Insassen hinausgeht. Er heulte sich bei ihr aus, als er erfahren hatte, dass die Staatsanwältin ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben hatte.

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Thomas N. ist für den Vierfachmord von Rupperswil, begangen am 21. Dezember 2015, verantwortlich. Dieses Bild von ihm kursiert schon kurz nach seiner Festnahme im Mai 2016 in den Medien.
Festgenommen wurde Thomas N. am 13. Mai 2016, fast 5 Monate nach der Tat.
Diese Bilder zeigen Thomas N. als Junioren-Betreuer an einem Fussballspiel im April 2016, vier Monate nach der Tat.
Thomas N. war Koordinator bei der Seetal Selection, bei denen Junioren des SC Seengen und des FC Sarmenstorf spielen.
Diese Bilder zeigen Thomas N. als Junioren-Betreuer an einem Fussballspiel im April 2016, vier Monate nach der Tat.
Schrecklich normale Bilder vom Fussballplatz: Hier hält der Vierfachmörder eine Linienrichterfahne in der Hand.
13. März 2013: Thomas N. am ersten Prozesstag – so sieht ihn AZ-Zeichner Marco Tancredi.
Immer wieder stützt Thomas N. am Prozess seinen Kopf auf der Hand auf.
Am ersten Prozesstag wird Thomas N. vom Gericht befragt. «Mein Sexualleben ist im Gefängnis nicht vorhanden», sagt er etwa.
Er habe um seine Pädophilie gewusst und entsprechende Pornografie konsumiert. Kinder zu begehren, ist falsch. Und ich habe mir erfolgreich eingeredet, diese Videos würden auch bestehen, wenn ich sie nicht anschauen würde.»
Er habe um seine Pädophilie gewusst und entsprechende Pornografie konsumiert. Kinder zu begehren, ist falsch. Und ich habe mir erfolgreich eingeredet, diese Videos würden auch bestehen, wenn ich sie nicht anschauen würde.»
Thomas N. wird vor den Medien abgeschirmt: Nach dem ersten Prozesstag verlässt ein ziviles Polizeifahrzeug der Kantonspolizei Aargau die Tiefgarage der Mobilen Einsatzpolizei in Schafisheim, wo der Prozesstag stattfindet. Die Polizei fährt Thomas N. zurück ins Zentralgefängnis Lenzburg. Nach dem Prozess wird er zurück in die Justizvollzugsanstalt Pöschwies in Regensdorf ZH gebracht.
Im Schlusswort am Mittwoch, dem zweiten Prozesstag, sagt er zu den Hinterbliebenen: «Es tut mir leid. Entschuldigung.»
Urteilsverkündigung – Thomas N. erhebt sich. Das Urteil: Lebenslängliche Freiheitsstrafe, schuldig in allen Anklagepunkten, ordentliche Verwahrung und stationäre therapeutische und vollzugsbegleitende Massnahme.
Am 14. Dezember 2018 findet der Prozess vor dem Aargauer Obergericht statt: Die lebenslängliche Freiheitsstrafe steht nicht zur Debatte.
Das Obergericht ordnet erneut eine "ordentliche Verwahrung" an, streicht dagegen die ambulante Massnahme (Therapie). Thomas N. kann sich für Therapie-Sitzungen einzig an den Gefängnispsychiater wenden.

Sibylle Heusser/Keystone

Dieser Verfahrensschritt bedeutete für ihn, dass ihm die Verwahrung drohte. Die Fachfrau hatte Mitleid mit ihm und wollte ihm helfen. Sie wählte die Nummer der Aargauer Staatsanwältin Barbara Loppacher und kritisierte die Ermittlerin für ihre Untersuchungshandlung. Thomas N. sei nun wegen ihr «völlig durch den Wind», soll die Justizvollzugsangestellte gejammert haben.

Loppacher machte den Vorfall diese Woche an der Gerichtsverhandlung publik. Sie wollte damit die Fähigkeit des Mörders illustrieren, andere Leute zu manipulieren. Gleichzeitig deckte sie dadurch allerdings auch einen mutmasslichen Regelverstoss im sichers- ten Gefängnis der Schweiz auf.

Rupperswil-Prozess vor Aargauer Obergericht:

Renate Senn, Verteidigerin von Thomas N.: «Mein Klient hat die Hoffnung gehabt, dass das Obergericht ein anderes Urteil spricht.»
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Opferanwalt Markus Leimbacher: «Den Eltern von Carla Schauer geht es nicht gut.»
Staatsanwältin Barbara Loppacher ist zufrieden mit dem Urteil des Obergerichts.
Das Aargauer Obergericht hat entschieden, dass der Vierfachmörder von Rupperswil ordentlich verwahrt wird, aber keine ambulante Massnahme (Therapie) erhält.
Das Aargauer Obergericht in Aarau am Donnerstagmorgen: Hier findet der Prozess im Vierfachmord Rupperswil statt.
Anstehen heisst es heute früh vor dem Aargauer Obergericht für die Journalisten.
Das Medien-Interesse ist wie vor dem ersten Prozess am Bezirksgericht Lenzburg gross.
Da Urteil soll noch am Donnerstag mündlich bekannt gegeben werden.
Staatsanwältin Barbara Loppacher trifft ein.
Loppacher verlangt, wie bereits vor dem Bezirksgericht, eine lebenslängliche Verwahrung.
Der Anwalt der Opferfamilie, Markus Leimbacher, trifft ein.
Der Anwalt der Opferfamilie, Markus Leimbacher, trifft ein.
Gutachter Elmar Habermeyer trifft ein.
Auch der bekannte Schweizer Reporter Erwin Koch ist vor Ort.
Der Anwalt der Opferfamilie, Markus Leimbacher, gibt den Medien Auskunft.
Der Anwalt der Opferfamilie, Markus Leimbacher, gibt den Medien Auskunft.
Das Aargauer Obergericht in Aarau am Donnerstagmorgen.
Hier findet der Prozess im Vierfachmord Rupperswil statt.
Einlasskontrolle: Alle werden kontrolliert.
Einlasskontrolle: Alle werden kontrolliert.
Einlasskontrolle: Alle werden kontrolliert.
Einlasskontrolle: Alle werden kontrolliert.
Anstehen heisst es heute früh vor dem Aargauer Obergericht für die Journalisten. Der Interesse ist wie vor dem ersten Prozess am Bezirksgericht Lenzburg gross. (Bild: Sandra Ardizzone)
Das Aargauer Obergericht in Aarau am frühen Donnerstagmorgen: Hier findet der Prozess im Vierfachmord Rupperswil statt.
Das Urteil des Aargauer Obergerichts soll noch am Donnerstag mündlich bekannt gegeben werden.
Das Aargauer Obergericht in Aarau am Donnerstagmorgen: Hier findet der Prozess im Vierfachmord Rupperswil statt.
Das Aargauer Obergericht befindet in zweiter Instanz über Thomas N.
Das Aargauer Obergericht in Aarau am frühen Donnerstagmorgen: Hier findet der Prozess im Vierfachmord Rupperswil statt.
Der Prozess findet im Obergericht in Aarau statt.
Vierfachmörder Thomas N. steht am Donnerstag, 13.12.2018, vor dem Aargauer Obergericht in Aarau.
Der Tatort in Rupperswil, das Einfamilienhaus von Familie Schauer. Mit Trauerstätte.
Mittels List verschaffte sich Thomas N. am 21.Dezember 2015 Zugang zum Haus seiner Opfer. Er fesselte sie und schnitt ihnen die Kehle auf, danach zündete er das Haus an.
Der Schock: Die örtliche Feuerwehr rückte zu einem Brand aus – und fand vier Leichen.
Was geschah genau am Vormittag des 21. Dezembers? Ein grafischer Überblick zu den Fakten am Tag des Verbrechens und den Spuren zum Vierfachmord.
Diese Utensilien des Mörders stellte die Polizei sicher.
Grosse Trauer in Rupperswil – der Aargauer Landammann unterbrach die Ferien.
Der Lebenspartner der ermordeten Mutter schrieb sich die Trauer von der Seele: "Für immer"
Georg M., Lebenspartner von Carla Schauer, in der SRF-Sendung «Rundschau» In dieser Szene spricht er darüber, dass er nicht verstehen kann, weshalb im Fall Rupperswil kein DNA-Profil erstellt werden durfte.
Der erste Prozess zum Vierfachmord fand im März 2018 unter speziellen Bedingungen statt: In einem Polizeigebäude. Blick in den improvisierten Gerichtssaal mit dem Angeklagten Thomas N. (rechts aussen) beim Prozess um den Vierfachmord von Rupperswil vor dem Bezirksgericht Lenzburg in Schafisheim (AG) am Dienstag, 13. März 2018.
Die anklagende Staatsanwältin Barbara Loppacher.
Grosses Medieninteresse am Fall. Medienschaffende warten vor dem Eingang zum Prozess um den Vierfachmord von Rupperswil vor dem Bezirksgericht Lenzburg in Schafisheim (AG), aufgenommen am Freitag, 16. März 2018. Der vierfache Mörder von Rupperswil AG wird verwahrt. Das Bezirksgericht Lenzburg hat den 34-jährigen Schweizer in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Es verhaengte eine lebenslaengliche Freiheitsstrafe und ordnete eine ordentliche Verwahrung an.
Brief von Thomas N.: Wie ehrlich ist seine Entschuldigung?
Vierfachmord Rupperswil: Schuldig in allen Punkten der Anklage.

Renate Senn, Verteidigerin von Thomas N.: «Mein Klient hat die Hoffnung gehabt, dass das Obergericht ein anderes Urteil spricht.»

Alex Spichale

Thomas Manhart leitet das Zürcher Amt für Justizvollzug und ist für Thomas N. verantwortlich. Am Donnerstagabend erfährt er über diese Zeitung von der Anschuldigung der Staatsanwältin und reagiert umgehend. Er startet Abklärungen und schreibt: «Mir ist der Fall nicht bekannt. Ich finde es auch etwas merkwürdig, dass die Staatsanwältin mich deswegen nicht kontaktiert hat. Das werde ich nun meinerseits nachholen.»

Am Freitag stellt er die Staatsanwältin zur Rede und lässt danach ausrichten, dass sich der Vorfall im Frühjahr 2017 ereignet habe. Die Mitarbeiterin habe sich wegen N.s «psychischer Belastung durch das Gutachten» an die Staatsanwältin gewandt. Grundsätzlich könne es etwa bei einer Suizidgefährdung angebracht sein, die fallführende Staatsanwältin über besondere Vorkommnisse zu informieren. Inzwischen arbeite die Frau nicht mehr in der Pöschwies. Deshalb könnten die Hintergründe nicht weiter untersucht werden.

Das berühmteste Knastpaar

In jüngerer Zeit hat eine Zürcher Anstalt sogar international Schlagzeilen ausgelöst, weil eine Aufseherin vergass, was sie in der Ausbildung gelernt hatte. Der richtige Umgang mit Nähe und Distanz ist ein zentraler Bestandteil des Lehrgangs für Justizvollzugsmitarbeitende. Die Frau, die zur berühmtesten Gefängnisaufseherin der Schweiz wurde, heisst Angela Magdici. Die damals 27-Jährige befreite den 32-jährigen Vergewaltiger Hassan Kiko aus dem Gefängnis Limmattal. Die Verliebten flüchteten nach Italien und wurden erst nach sieben Wochen verhaftet. Zurück im Gefängnis heirateten sie.

Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass sich Thomas N. körperlich zur Gefängnismitarbeiterin hingezogen fühlt, da er pädophil und homosexuell ist. N. gelang es 33 Jahre lang, seiner Mutter vorzuspielen, er sei ein ganz normaler Sohn. Die Staatsanwältin geht davon aus, dass er die Angestellte ebenfalls mit Lügengeschichten vereinnahmte.

Die Pöschwies ist mit 400 Plätzen und 260 Angestellten die grösste Justizvollzugsanstalt der Schweiz. Der Mann, der vier Menschen die Kehle durchgeschnitten hat, gilt als angenehmer Insasse. In den bisherigen zweieinhalb Jahren Haft ging wegen ihm kein einziger Rapport ein. Dabei sind diese an der Tagesordnung. Im vergangenen Jahr war die Anstalt mit durchschnittlich 335 Gefangenen belegt. Diese verhielten sich 411 Mal daneben, so viele Rapporte gingen bei der Anstaltsleitung ein, meist wegen negativem Verhalten in der Gruppe. Das führte zu 781 Disziplinarmassnahmen. Keine betraf N.

Von einem Gutachten des Gefängnisses erhielt er sogar Lob. Im Vergleich zu anderen Sexualstraftätern wurde er als geringeres Risiko eingestuft. Deshalb kommt der Schwerverbrecher in den Genuss eines lockeren Haftregimes. Seine Zelle ist tagsüber geöffnet, er muss keine Handschellen tragen. Jeden Tag darf er sich in offenen Arbeitsräumen aufhalten. Er nutzte die Gelegenheit für eine neue Bekanntschaft.

Die Reaktionen zum Urteil des Aargauer Obergerichts im Fall Rupperswil:

Markus Leimbacher, Anwalt der Angehörigen «Die Verhandlung vor Obergericht ist so abgelaufen, wie ich es erwartet habe: wenig spektakulär und technisch. Es hat keine Neuigkeiten gegeben. Ohne die vorgängigen Äusserungen von Psychiater Frank Urbaniok, der die Therapierbarkeit von Thomas N. infrage stellte, wäre es langweilig gewesen. Das Urteil ist meinen Erwartungen entsprechend ausgefallen. Thomas N. hat verloren. Er hat Berufung eingelegt und nun ein schlechteres Urteil als vorher bekommen. Für die Angehörigen der Opfer wäre es nun wichtig, dass das Urteil so bleibt und es keine Ehrenrunde über das Bundesgericht gibt. Ihnen war wichtig, dass Thomas N. verwahrt wird. Ohne Verwahrung wären sie nicht zufrieden gewesen.»
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Natalie Rickli, SVP-Nationalrätin (ZH) «Ich bin froh, dass das Obergericht die ordentliche Verwahrung bestätigt hat. Es wurde das Maximum herausgeholt. Die Hürden für eine lebenslängliche Verwahrung sind wegen des Gesetzes und des Bundesgerichts leider zu hoch. Doch auch die lebenslange Freiheitsstrafe ist ein Etikettenschwindel, da eine bedingte Entlassung nach 15 Jahren möglich ist, was dazu führt, dass die Gerichte zusätzlich die Verwahrung anordnen. Deshalb verlange ich zusammen mit FDP-Ständerat Andrea Caroni vom Bundesrat einen Bericht, wie das System verbessert werden könnte, um bei besonders schweren Straftaten eine bedingte Entlassung für einen längeren Zeitraum oder ganz auszuschliessen.»
Matthias Fricker, Anwalt des Lucie-Mörders «Das Urteil entspricht in etwa dem, was man erwarten konnte. Im Vorfeld zur Verhandlung war ich gespannt darauf, wie sich das Obergericht zur ambulanten Massnahme äussert, die das Bezirksgericht angeordnet hatte. Es stellte sich die Frage, ob eine solche Massnahme neben einer Verwahrung überhaupt zulässig ist. Es ist ja gerade Bedingung für die Anordnung einer Verwahrung, dass eine Massnahme keinen Erfolg verspricht. Dieser Meinung ist auch das Obergericht, das die Therapie aufgehoben hat. Für den Beschuldigten ist dies sicherlich keine gute Nachricht. Es bleibt ihm nun lediglich die psychiatrische ‹Grundversorgung›, wie sie allen Personen im Strafvollzug zusteht.»
Muriel Trummer, Juristin Amnesty International «Das Urteil zeigt die grundlegende Problematik der Verwahrungsinitiative. Für Psychiaterinnen ist es kaum je möglich, eine Untherapierbarkeit vorherzusagen. Deshalb wird die lebenslange Verwahrung wohl nie verhängt werden. Selbst bei einem solch schrecklichen Verbrechen muss die Möglichkeit einer Überprüfung der Gefährlichkeit eines Täters garantiert bleiben. Dies ist mit der ordentlichen Verwahrung nach Ende der verbüssten Freiheitsstrafe gewährleistet. Das Urteil berücksichtigt die absolut legitimen Ansprüche der Hinterbliebenen und der Gesellschaft nach strenger Bestrafung und nach Schutz vor weiteren Taten, ohne jedoch internationale Menschenrechtsgarantien zu verletzen.»
Ruedi Hediger, Gemeindeammann Rupperswil «Ich bin froh, dass das Obergericht die ordentliche Verwahrung von Thomas N. bestätigt hat und die Therapie aufgehoben hat. Auffallend für mich war, dass die Verhandlung vor Ober-gericht nicht mehr die gleiche Brisanz hatte wie jene vor dem Bezirksgericht Lenzburg im März. Diese sorgte in unserem Dorf für Unruhe – das war dieses Mal nicht der Fall. Aber das liegt sicher daran, dass es nur noch um juristische Fragen ging und auch der Täter nicht mehr befragt wurde. Ich rechne damit, dass Thomas N. das Urteil beziehungsweise die Verwahrung nicht akzeptieren wird und sich als Nächstes auch noch das Bundesgericht mit dem Fall Rupperswil befassen muss.»
Marianne Heer, Lehrbeauftragte für Strafrecht «Ich finde es einen Unsinn, eine Verwahrung neben einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe auszusprechen. Zuerst wird die Freiheitsstrafe vollzogen, im Anschluss daran die Verwahrung. Solange der Täter gefährlich ist, wird er aber nicht aus der lebenslänglichen Freiheitsstrafe entlassen werden. Wenn man ihn irgendwann als nicht mehr gefährlich erachten sollte, dann würde er auch die Bedingungen für eine Verwahrung nicht mehr erfüllen. Deshalb braucht es sie nicht. Das ist eine symbolische Rechtsprechung. Aber das Bundesgericht unterstützt dieses Vorgehen und bestätigt es regelmässig, zuletzt am Mittwoch im Rahmen einer öffentlichen Urteilsberatung.»
Daniel Jositsch, Strafrechtsprofessor «Das Obergericht hat das richtige Urteil gefällt. Ich habe nie verstanden, warum die Staatsanwaltschaft in diesem Fall eine lebenslängliche Verwahrung beantragt hat. Kein Gutachter kann eine lebenslängliche Untherapierbarkeit prognostizieren. Ausserdem ist der Unterschied zwischen der ordentlichen und der lebenslänglichen Verwahrung sowieso nur theoretisch. Es ist so oder so unwahrscheinlich, dass Thomas N. je entlassen wird. Deshalb würde bereits eine lebenslängliche Freiheitsstrafe reichen. Auch diese wird nur bei günstiger Prognose aufgehoben und wäre die Prognose günstig, käme keine Verwahrung infrage. Aber das Bundesgericht heisst diese Praxis der Gerichte gut.»

Markus Leimbacher, Anwalt der Angehörigen «Die Verhandlung vor Obergericht ist so abgelaufen, wie ich es erwartet habe: wenig spektakulär und technisch. Es hat keine Neuigkeiten gegeben. Ohne die vorgängigen Äusserungen von Psychiater Frank Urbaniok, der die Therapierbarkeit von Thomas N. infrage stellte, wäre es langweilig gewesen. Das Urteil ist meinen Erwartungen entsprechend ausgefallen. Thomas N. hat verloren. Er hat Berufung eingelegt und nun ein schlechteres Urteil als vorher bekommen. Für die Angehörigen der Opfer wäre es nun wichtig, dass das Urteil so bleibt und es keine Ehrenrunde über das Bundesgericht gibt. Ihnen war wichtig, dass Thomas N. verwahrt wird. Ohne Verwahrung wären sie nicht zufrieden gewesen.»

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