See im Rösseler-Bodenacker
See ist noch nicht über dem Berg

Rekordverdächtige 199 Stimmberechtigte besuchten die ausserordentliche Gemeindeversammlung in Dulliken. Zu reden gab der See, der mit dem Projekt «Rösseler-Bodenacker» realisiert werden soll.

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See im Rösseler-Bodenacker

See im Rösseler-Bodenacker

Aargauer Zeitung

Beat Wyttenbach

199 von 2409 Stimmberechtigten konnte Gemeindepräsident Theophil Frey in der Aula des Kleinfeldschulhauses begrüssen; diese drohte aus allen Nähten zu platzen. Sogar im Foyer musste nachgestuhlt werden. Das Interesse geweckt hatte das Projekt «Rössler-Bodenacker» und der neue See.

See als Rückhaltebecken

Der Gemeindepräsident erinnerte, dass das Projekts das Ergebnis der 2001/02 revidierten Ortsplanung sei. In diesem Zusammenhang seien die Gemeindebehörden zum Schluss gekommen, dass es ein neues Quartier in Dulliken brauche, um das Image der Gemeinde (mit 40 Prozent dritthöchster Ausländeranteil im Kanton; viele Sozialwohnungen) zu korrigieren.

Frey hob die Bedeutung des künstlichen, rund 280 Meter langen und bis zu 40 Meter breiten Sees im Zentrum dieses neuen Quartiers «Rössler-Bodenacker» hervor. Dieser habe nicht nur die Funktion, den neuen Dorfteil optisch aufzuwerten, sondern er diene auch als Rückhaltebecken.

Basierend auf der Gefahrenkarte und der letzten grossen Überschwemmung vom 12. Mai 1999, als der Mülibach die Dorfstrasse geflutet und Schäden angerichtet hatte, müsse die Gemeinde Hochwasserschutzmassnahmen in der Höhe von rund 3,5 Millionen Franken treffen. Da sei es naheliegend, den Mülibach in diesen See umzuleiten. Zu diesem Zweck würde er bei der Liegenschaft Moll geöffnet und ins Gebiet «Rössler-Bodenacker» geführt.

See als Hort von Mücken?

Dass das Projekt «Rössler-Bodenacker» nicht nur Anhänger hat, wurde in der anschliessenden, intensiven Diskussionsrunde deutlich. Der See sei ein Hort von Mücken, wurde befürchtet. Und die rund 185 Alleebäume, die in den Quartierstrassen angepflanzt werden sollen, würden den See mit Laub verstopfen, war zu hören.

Auch wurde die Befürchtung geäussert, dass der See künstlich mit Wasser gespeist werden müsse, wenn der Mülibach im Sommer nicht genügend Wasser führe.

Ferner wurde die Sicherheitsfrage laut, wenn das Wasser im Winter gefrieren würde. Und auch der Umstand, dass die Südhälfte des Sees der Privatnutzung unterliegen solle, gab zu reden. Der Einwohner Hans Kocher schliesslich fand kein Verständnis dafür, dass 50 Aren Bauland für diesen See geopfert werden sollte; er stellte den Antrag, das Geschäft an die Urne zu bringen.

Zehn Prozentpunkte weniger

Gemeindeverwalter Andreas Gervasoni rechnete vor, dass man mit dieser Überbauung rund 180 Familien mit 200 bis 220 zusätzlichen Steuerpflichtigen anlocken könnte. Dies ergäbe Steuereinnahmen von bis zu 1 Million Franken pro Jahr, was der Gemeinde ermöglichen würde, dem Steuerzahler etwas davon in Form von zehn Steuerpunkten weniger wieder zurückzugeben; der Steuerfuss läge dann also bei 118 statt bei 128 Prozentpunkten.

Zudem sei die Gemeinde ebenfalls Grundstückseigentümerin, was zusätzlich zirka 500 000 Franken in die Gemeindekasse spülen könnte. Und es würden Grundstücksgewinnsteuern seitens der privaten Landverkäufer winken. Schliesslich müsse das Hochwasserproblem zwingend gelöst werden.

«Das würde uns rund 3,5 Millionen Franken kosten; wenn wir die Massnahmen ins Projekt integrieren könnten, würde es uns rund 400 000 Franken billiger zu stehen kommen», so der Gemeindeverwalter.

An die Urne verwiesen

Doch alles Vorrechnen und alle Voten zugunsten des Projekts zeigten wenig Wirkung: Der Antrag Hans Kocher auf Verweis des Geschäftes an die Urne wurde in der Folge mit 72 Ja-Stimmen gutgeheissen.

Somit wird die Dulliker Bevölkerung am Sonntag, 29. November, über das Projekt «Rössler-Bodenacker» zu befinden haben. Dies schliesst auch die beiden Rahmenkreditbegehren mit ein (4,9 Mio. Franken für Baulandumlegung, Nutzungsplanung und Gewässerbaumassnahmen sowie 3,3 Mio. Franken brutto für Leitungsbau, Bachfreilegung und Verlegung der Transportleitung Wasserversorgung).

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