Coronakrise
«Schweizer Weg»: Zufriedene Seilbahnen, verärgerte Gewerkschaften

Der Bundesrat verzichtet weiterhin auf einschneidende Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie. Zufriedenheit herrscht bei der Tourismusindustrie, Kritik kommt von den Gewerkschaften.

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Gesundheitsminister Alain Berset präsentierte am Freitag die verschärften Massnahmen. (Archivbild)

Gesundheitsminister Alain Berset präsentierte am Freitag die verschärften Massnahmen. (Archivbild)

Keystone

(wap/sat) Die Landesregierung gibt den Kantonen eine letzte Chance: Am Dienstag wolle sich der Bundesrat zu einer ausserordentlichen Sitzung treffen und Bilanz ziehen, erklärte Gesundheitsminister Alain Berset am Freitag an einer Pressekonferenz. Sinke die Zahl der Neuansteckungen und Hospitalisationen bis dahin nicht, werde er weitere Massnahmen beschliessen. Grund für die mahnenden Worte sind die Hospitalisierungszahlen, die wieder einen steigenden 7-Tages-Trend aufweisen. «Die Situation ist beunruhigend», sagte Berset. Die betroffenen Kantone müssten jetzt handeln. Welche Kantone er dabei meinte, wollte Berset nicht sagen.

Einige Verschärfungen kommunizierte Berset doch schon am Freitag. Zum einen darf in diesem Advent nur noch in Schulen und innerhalb der Familie gesungen werden, wobei das Verbot auch im Freien gilt. Ausserdem dürfen Läden weniger Kunden aufs Mal einlassen. So soll verhindert werden, dass es beim Einkaufen Staus gibt. Zudem müssen Restaurantbetreiber künftig die Kontaktdaten von mindestens einer Person pro Tisch erfassen.

Damit handelte sich der Bundesrat prompt Kritik von Seiten der Wirtschaft ein. Die Sozialpartner seien bei diesem Entscheid nicht wie im neuen Covid-19-Gesetz vorgesehen konsultiert worden, bemängelt der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) in einer ersten Reaktion. «Bundesrätliches Mikromanagement und Aktionismus sind schlicht unnötig und schädlich», schreibt der SGV.

Skisaison mit Einschränkungen gerettet

Erleichterung herrscht dagegen bei der Tourismusbranche. Sie kommt mit wenigen zusätzlichen Einschränkungen davon. So dürfen in Skigebieten Gondeln, Züge und Kabinen nur zu 60 Prozent ausgelastet werden, ausserdem gilt beim Anstehen nun nicht mehr nur die Maskenpflicht, sondern auch die Abstandsregel.

Diese Vorgabe existiere für kein anderes öffentliches Verkehrsmittel und werde bei der Umsetzung erhebliche Probleme bereiten, reagierte der Branchenverband Seilbahnen Schweiz in einer ersten Mitteilung. Insgesamt unterstütze der Verband aber den «pragmatischen Schweizer Weg.» Auch der Schweizer Tourismusverband begrüsst die Strategie der Landesregierung, auch wenn die 2/3-Regel «nicht ideal» sei. Positive Reaktionen gab es auch von Seiten der Skikantone Bern und Wallis.

In einer Mitteilung begrüsst auch die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK) den vom Bundesrat eingeschlagenen Weg. «Sicherer Wintersport kann möglich sein», wird GDK-Präsident Lukas Engelberger zitiert. Dazu müssten jedoch alle einen Beitrag leisten, nebst den Bergbahnen auch die Wintersportler.

Gewerkschaften kritisieren mangelnden Schutz am Arbeitsplatz

Auf einen harten Kurs verzichtet der Bundesrat beim Homeoffice: Es bleibt bei einer Empfehlung an die Arbeitgeber. Auch von obligatorischen Schutzkonzepten für alle Branchen und intensiveren Kontrollen, wie dies die Gewerkschaften seit dem Herbst fordern, will der Bundesrat weiterhin nichts wissen. Beim Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) stösst das auf Unverständnis: «Nur auf die vermeintliche Verantwortung der Arbeitgeber zu setzen, reicht nicht mehr: die Passivität des Bundesrates in dieser Sache ist unverständlich», schreibt der SGB in seiner Reaktion.

Er fordert, dass zumindest Arbeitnehmer aus Risikogruppen geschützt werden, insbesondere dann, wenn die Schutzmassnahmen am Arbeitsplatz nicht eingehalten werden könnten. Der Verband Angestellte Schweiz reagierte mit einem Appell an die Arbeitgeber: Sie sollten Homeoffice nun so vielen Mitarbeitenden wie möglich erlauben.