Pro Juventute
Schulstress und Zukunftsangst: Auch Kinder denken an Suizid

Die Sorgen der Jugendlichen haben sich verändert. Das merkt auch die Notrufnummer 147. Hier können Kinder und Jugendliche ihre Alltagssorgen loswerden. Gab es früher viele Fragen zu Liebe und Sexualität, steht heute Stress im Zentrum.

Rebekka Balzarini
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Das Sorgentelefon ist bei Kindern beliebt.

Das Sorgentelefon ist bei Kindern beliebt.

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Wenn Kinder und Jugendliche nicht mehr weiter wissen, dann wählen sie manchmal diese Nummer: 147. Rund 350 Mal pro Tag klingelt im Büro in Bern das Notfalltelefon. Daran haben die neuen Medien nichts geändert.

Geändert haben sich aber die Sorgen der Jugendlichen: Immer mehr von ihnen rufen an, weil sie sich gestresst fühlen. 29.1 Prozent aller Anfragen im letzten Jahr standen im Zusammenhang mit Stress.

Die Kinder und Jugendlichen erzählten von stressbedingten persönlichen Krisen, Ängsten und teilten gar Suizidgedanken. Seit 2009 hat sich der Anteil stressbedingter Anrufe fast verdreifacht.

Sorgentelefon Das Sorgentelefon wird rege genutzt. Die Anrufe haben in den letzten Jahren zugenommen, die Sorgen haben sich verändert. 

Sorgentelefon Das Sorgentelefon wird rege genutzt. Die Anrufe haben in den letzten Jahren zugenommen, die Sorgen haben sich verändert. 

Pro Juventute

Bernhard Bürki, Mediensprecher von Pro Juventute, sieht vor allem einen Grund für den Stress im Alltag der Jugendlichen. Sie haben immer weniger Freizeit. Oder genauer: leere Zeit.

„Die meisten Kinder und Jugendlichen sind rund um die Uhr verplant.“ Problematisch dabei sei, dass auch Hobbies heute nicht mehr nur zum Spass da seien. „Hobbies müssen etwas bringen.“

Der Druck auf die Jugendlichen kommt nicht nur von den Eltern oder von der Schule. „Sie setzen sich häufig selber unter Druck und haben Angst, ohne gute Noten keine Lehrstelle oder keine Arbeitsstelle zu finden.

Neues Angebot ab April: Peer-Chats

Ab dem 9. April startet Pro Juventute ein neues Beratungsangebot, die Peer-Chats. Einmal in der Woche beraten Jugendliche dabei gleichaltrige und werden dabei von erfahrenen Peer-Coaches begleitet. Das Angebot ist momentan auf die Deutschschweiz beschränkt.

Teilweise sind sie so unglücklich, dass sie sich über Suizid Gedanken machen. Zwei- bis dreimal pro Tag teilen Kinder und Jugendliche mit den Beratern Suizidgedanken. Oder sie erzählen von Freunden, die einen Suizid angekündigt haben.

Ein- bis zweimal pro Woche muss Pro Juventute eine Krisenintervention organisieren. Zum Beispiel dann, wenn ein Kind anruft und bereits Tabletten geschluckt hat. „Wir fragen dann wo es sich befindet und schicken einen Krankenwagen los“, erklärt Bürki.

Die Probleme der Kinder und Jugendlichen kann Pro Juventute nicht in einem einzigen Beratungsgespräch lösen. «Wir wollen den ihnen die nächsten Schritte aufzeigen, die sie machen können», so Bürki.

Während die Sorgen auf Grund von Stress zugenommen haben, ist Liebe und Sexualität immer weniger Thema bei den telefonischen Beratungsgesprächen. Laut Pro Juventute finden die Jugendlichen dazu viele Informationen im Internet.

Auch die Organisation selber hat die Homepage an das veränderte Mediennutzungsverhalten angepasst und in den letzten Jahren immer mehr Ratgeber-Inhalte aufgeschaltet. Mittlerweile können die Jugendlichen ihre Fragen auch in einem Chat oder per Email stellen.

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