"Wenn Sie mich fragen, was mein Lieblingsmöbel ist, käme mir bestimmt kein Rednerpult in den Sinn", begann Schneider-Ammann seine Rede vor dem Parlament und erntete Lachen und Applaus. Trotz etwas Wehmut falle es ihm nun leicht, im Parlament zu sprechen. "Weil ich zum ersten Mal vor Ihnen stehe ohne etwas zu wollen."

Mut heisse, sich zusammenzutun wenn Lösungen im Vordergrund stünden statt sich selbst zu profilieren, sagte Schneider-Ammann den National- und des Ständerates. Zur Ehrlichkeit in der Politik gehöre, "das Wichtige so zu benennen wie es ist – und nicht so wie es einem besser passt."

Rechtzeitigkeit, fuhr der abtretende Wirtschaftsminister fort, entscheide über Plan oder Tat. "Aufschieben mag kurzfristig einfacher sein als handeln, aber nur wer handelt, kommt nicht zu spät ans Ziel." Mut, Rechtzeitigkeit und Ehrlichkeit setzten voraus, dass man das Wohl des Landes vor sein eigenes stelle, sagte er.

Arbeiten und Resultate bringen: So habe er das Amt als Bundesrat interpretiert, sagte Schneider-Ammann. Er habe sich stets als Vertreter des Konkreten verstanden, nicht als Publikumsliebling.

Das Konkrete sei für ihn, dass möglichst alle im Land Arbeit hätten, die Wirtschaft wettbewerbsfähig sei, Bildung und Forschung stark seien und dass die Schweiz insgesamt gut dastehen müsse. Das sei nicht selbstverständlich und nicht garantiert. "Mit anderen Worten: Hier sind wir gefordert.".

«Eine seiner besten Reden»

Schneider-Ammann forderte Verbesserungen im liberalen Sinn: Mehr ermöglichen und weniger verbieten, mehr wagen und weniger regulieren, mehr auf die Realität schauen und weniger auf Positionen, mehr auf Reformbedarf und weniger auf Besitzstände, mehr auf Weltverbundenheit und weniger auf Rückzug.

Johann Schneider-Ammanns Abschiedsrede in voller Länge:

Johann Schneider-Ammann: «Es waren acht emotionale Jahre»

"Es waren acht emotionale Jahre, auch wenn man mir das nicht immer angesehen hat." Mit diesen Worten schloss Schneider-Ammann seine Rede. Es sei eine der besten als Bundesrat gewesen, sagt Politologe Andras Ladner zu "Tele Züri". Schneider-Ammann könne auf eine sehr erfolgreiche Zeit zurückblicken, auch wenn das medial nicht immer so präsent gewesen sei.

Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier verabschiedeten nach Doris Leuthard auch Schneider-Ammann mit einer ausgiebigen Standing Ovation.

Doris Leuthard beweist während der Rede der Nationalratspräsidentin, dass sie den Sinn für Humor auch bis zur Verabschiedung nicht verloren hat:

Marina Carobbio Guscetti: «Doris Leuthard wurde nie emotional»