Rangliste
Die UBS verteilt Noten: Zug ist der wettbewerbsfähigste Kanton der Schweiz

Grosser Aufsteiger ist Solothurn, Nidwalden büsst am stärksten ein.

Niklaus Vontobel
Drucken
Teilen
Die UBS bewertete unter anderem, inwiefern in den Kantonen Innovation stattfindet. (Symbolbild)

Die UBS bewertete unter anderem, inwiefern in den Kantonen Innovation stattfindet. (Symbolbild)

Keystone

Die Grossbank UBS verteilt den Kantonen Noten für ihre «langfristige Wettbewerbsfähigkeit». In ihrem kantonalen Wettbewerbsindikator kommt der Kanton Zug am besten weg, am schlechtesten die Bergkantone Wallis und Graubünden sowie der Jura. Ihnen wird bescheinigt, relativ zu den anderen Kantonen ein geringes Wettbewerbspotenzial zu haben. Irgendwo dazwischen verorten die UBS-Ökonomen alle anderen Kantone. Das Prädikat «hohe Wettbewerbsfähigkeit» erhalten Aargau, Schwyz und Waadt verliehen. Hinter ihnen folgt ein Mittelfeld aus zehn Kantonen, in dem gemäss Grossbank allesamt noch «solide» Wachstumsaussichten haben. Und nur noch «moderat» seien die Aussichten für Appenzell, Glarus, Uri sowie Bern, Tessin und Neuenburg.

Der Kanton Aargau kommt neu auf Rang vier, macht einen Platz gut. Der UBS gefallen im Kanton vor allem die Wirtschaftsstruktur und die soliden Staatsfinanzen. Hingegen sehen die UBS-Ökonomen den Kanton eher schwach bei Humankapital und der Innovation. Basel-Land schafft es auf Rang 7. Dort gefallen Wirtschaftsstruktur und die gute Erreichbarkeit. Humankapital und Staatsfinanzen werden hingegen als mässig gut beurteilt. Luzern – auf Rang 8 – erhält Toppunkte für Wirtschaftsstruktur und Arbeitsmarkt, doch die Innovation wird als Schwäche ausgemacht.

Zug und Basel sind die wettbewerbsfähigsten Kantone

Rang Kanton Rangverschiebung zu Vorjahr Wettbewerbsindikator 2021
1Zug0100
2Basel-Stadt097,9
3Zürich094
4Aargau177,8
5Schwyz277,1
6Waadt–275,9
7Baselland274,7
8Luzern074,6
9Genf172,1
10Nidwalden–470,7
11Schaffhausen169,8
12Thurgau–166,9
13St.Gallen166,2
14Solothurn362,4
15Obwalden062,3
16Freiburg–360,2
17Appenzell Ausserrhoden–159,1
18Glarus058
19Bern257
20Appenzell Innerrhoden256,4
21Tessin–153,3
22Neuenburg–353,2
23Uri051,2
24Graubünden046,1
25Wallis042,9
26Jura033

Mit Humankapital bezeichnet die UBS den «Ausbildungsstand der Bevölkerung». Um diesen Ausbildungsstand in eine harte Zahl herunterzubrechen, nehmen die UBS-Ökonomen als Indikator den Anteil an Personen, die einen Abschluss haben von einer Universität oder einer Fachhochschule oder eine höhere Berufsbildung. Zug und Basel-Stadt kommen da auf die maximale Punktzahl, Zürich folgt knapp dahinter. Dagegen schaffen Luzern oder Aargau nicht halb so viele Punkte. Um die Wirtschaftsstruktur zu bewerten, schaut die UBS vor allem auf den Branchenmix in einem Kanton, und welches Wachstumspotenzial diese Branchen haben. Unter Innovation wird die Fähigkeit verstanden, Neues zu schaffen. Um dies in Zahlen zu fassen, wird auf Anmeldungen von Patenten geschaut und auf Investitionen in innovative Unternehmen.

Thurgau ein Platz vor St.Gallen

Der Kanton Thurgau landet auf Platz 12. Die besten Noten gibt es für die Staatsfinanzen und für das günstige Kostenumfeld (Mietpreisniveau für Büroflächen, Energiepreise, Löhne oder Steuersätze). Doch bei Innovation und dem Kostenumfeld schneidet der Kanton schlecht ab. In St.Gallen werden als Stärken die Wirtschaftsstruktur gesehen, die Staatsfinanzen und der Arbeitsmarkt, hingegen als Schwächen die Innovation und das Humankapital. Das reicht für Rang 13. In Solothurn werden ebenfalls Wirtschaftsstruktur und Staatsfinanzen ausgemacht als Faktoren, die Wettbewerbsfähigkeit heben. Aber ähnlich wie St.Gallen liegt Solothurn weit zurück bei Innovation und Humankapital. Das gibt Rang 14.

Im Vergleich zum letzten Mal, als die UBS ihre Noten verteilte, gab es einige Änderungen. Die Kantone Aargau und Schwyz sind Neuankömmlinge in der Kategorie der «Kantone mit hoher Wettbewerbsfähigkeit». Den höchsten Sprung nach oben schaffte der Kanton Solothurn: Die UBS vergab Zusatzpunkte, weil der Kanton die Reduktion der Unternehmenssteuern nachholte. Hingegen wurden die Kantone Nidwalden und Freiburg um einige Ränge tiefer eingestuft.

Die Wechsel in der Rangliste haben mit Corona wenig zu tun. Die globale Pandemie sei «kein Gamechanger» für die kantonale Wettbewerbsfähigkeit. Diese werde von der Coronakrise gesamthaft nur geringfügig tangiert, schreiben die UBS-Ökonomen. Am ehesten zum Problem könne eine Verschlechterung bei den Staatsfinanzen werden. Doch wenn dem so wäre, würde man es erst im nächsten Ranking sehen. Und ob es so weit kommt, ist noch offen. Die Kantone geben sich jedenfalls zuversichtlich. Die meisten budgetieren für dieses Jahr keine grösseren Defizite. Die einzige Ausnahme von dieser Regel ist der Kanton Genf, der mit einem hohen Defizit plant.

Der Blick in die Regionen

Die Notenvergabe hat die UBS nicht nur für die Kantone vorgenommen. Sie geht in den Kantonen auch hinunter auf die Regionen, insgesamt sind es 106 Wirtschaftsregionen. Dieser regionale Blick offenbart gemäss UBS in einigen Kantonen grosse Unterschiede, vor allem in den Kantonen Bern und Waadt. Die urbanen Regionen Bern und Lausanne verfügten über eine starke Wirtschaftsstruktur und eine gute Erreichbarkeit. Diese Regionen seien darum klar überdurchschnittlich wettbewerbsfähig. Doch fänden sich neben diesen Wachstumszentren im selben Kanton noch Regionen, die bezüglich Wettbewerbsfähigkeit schweizweit zu den schwächsten zählen. Die UBS nennt etwa Saanen-Obersimmental und Pays d’Enhaut.

Regionale Zentren, die sich vom Rest abheben: Dieses Muster ist oft zu beobachten in Kantonen mit relativ geringem oder mit moderatem Wachstumspotenzial. Im Kanton Graubünden trifft dies zu für die Region Chur, im Tessin für die Region Lugano und in Neuenburg für die gleichnamige Region. Überall ist die Wirtschaftsstruktur deutlich besser als in den übrigen Regionen ihrer Kantone.

Aktuelle Nachrichten