Pressespiegel
Rahmenabkommen, Tabletten und Sympathien für Diktatoren: Das und mehr schreibt die Sonntagspresse

Der Abbruch der Verhandlungen über ein Rahmenabkommen zwischen der Schweiz und der EU, die Überwachung von Patienten zu Hause durch das Spital und die vereitelte Flucht eines US-Kapitol-Randalierers in die Schweiz: Das und mehr findet sich in den Sonntagszeitungen.

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Bundesrat und EDA-Vorsteher Ignazio Cassis stellte den Antrag zum Abbruch der Verhandlungen.

Bundesrat und EDA-Vorsteher Ignazio Cassis stellte den Antrag zum Abbruch der Verhandlungen.

Peter Schneider / KEYSTONE

Parmelin warnt EU vor «Nadelstichen» gegen die Schweiz

Nach dem Verzicht auf das Rahmenabkommen setzt Bundespräsident Guy Parmelin auf Deeskalation. In einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» sendet Guy Parmelin nun eine klare Botschaft an die EU: «Nadelstiche bringen der Bevölkerung gar nichts, weder bei uns noch in der EU», sagt er. Und: «Die EU würde sich mit einer Torpedierung der Handelsbeziehungen zu einem ihrer wichtigsten Handelspartner selber schaden.» Parmelin nennt auch die Forschungskooperation, bei der die Teilnahme der Schweiz an den EU-Programmen weiter fraglich ist: «Die Forschung als Geisel zu nehmen, dient niemandem.» Damit werde bloss der Forschungsstandort Europa gegenüber Asien und den USA geschwächt.

Der SVP-Magistrat versichert, dass der Bundesrat auf allfällige Manöver aus Brüssel nicht mit Gegenmassnahmen reagieren wolle: «Solche Spielchen passen nicht zu unserer Politik. Wir arbeiten für das Interesse unserer Bürgerinnen und Bürger, das ja oft auch dem Interesse der Bevölkerung in der EU entspricht.» Die Deeskalationsstrategie des Bundesrats wird von den Parteien mehrheitlich mitgetragen. Eine Mehrheit will die Kohäsionszahlung an die EU deblockieren. Hitzige Debatten sind in der Sommersession des Parlaments, die am Montag beginnt, trotzdem zu erwarten.

Cassis selber stellte Antrag auf Übungsabbruch

Recherchen des SonntagsBlicks zeigen, wie es am 26. Mai im Bundesrat zum historischen Entscheid gekommen ist: EDA-Vorsteher Ignazio Cassis war es, der im Gremium beantragte, die Verhandlungen abzubrechen und das Insta zu beerdigen. Jener Bundesrat also, der das Dossier seit seiner Wahl 2017 der Öffentlichkeit verkaufen musste, der die Verhandlungen verantwortet und das diplomatische Personal bestimmt hat. In der Bundesverwaltung bestätigt man diese Information und begründet sie damit, dass Cassis der federführende Bundesrat sei. Tags zuvor, am Dienstag spätabends um 23 Uhr, griff Bundespräsident Guy Parmelin zum Telefon und versuchte vergeblich, Ursula von der Leyen zu erreichen. Die EU-Kommissionspräsidentin wusste nicht, worum es geht, und wollte sich tags darauf melden. So zumindest erzählt man die Version in EU-Kreisen, wie SonntagsBlick weiter berichtet.

Spitäler setzen auf Abtreibungspillen – auch ausserhalb der Zulassung

Das Abtreibungs-Medikament Mifegyne ist in der Schweiz von der Heilmittelbehörde Swissmedic nur bis zur siebten Schwangerschaftswoche zugelassen, doch wird es immer öfter bis zur neunten Schwangerschaftswoche eingesetzt. Das bestätigen mehrere Universitätsspitäler sowie das Zürcher Triemlispital gegenüber der «NZZ am Sonntag». «Da stehen wir ausdrücklich dahinter», sagt Barbara Meier Käppeli, die zuständige Pflegeexpertin am Unispital Zürich. Ein solcher Einsatz gilt als Off-label-Anwendung. Nun erhält diese Praxis halboffiziellen Status: Sie wird von der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) in einem sogenannten Expertenbrief gestützt. «Der Expertenbrief hat dazu geführt, dass Spitäler die medikamentöse Lösung etwas mutiger und konsequenter anwenden können», sagt Saira-Christine Renteria von der SGGG in der «NZZ am Sonntag».

Dazu beigetragen hat auch die Corona-Krise, die dazu führte, dass weniger Frauen eine Schwangerschaft operativ im Spital abbrechen wollten. Wie sich das in Zahlen auswirkt, ist unklar, da das Bundesamt für Statistik die neuen Daten erst im Sommer publiziert. Generell schwankt die Anzahl Abtreibungen zwischen 10’000 und 11’000 pro Jahr. Der Anteil medikamentöser Eingriffe ist in zehn Jahren bis 2019 von 60 auf 74 Prozent gestiegen. Im Corona-Jahr dürfte dieser Trend anhalten, wie Zahlen einzelner Spitäler zeigen. Und der Krankenkassenverband Santésuisse meldet auf Anfrage für 2020 einen Anstieg von zehn Prozent beim ambulant abgegebenen Mifegyne.

Weltweit einzigartig: Schweizer Covid-Tablette vor dem Durchbruch

Im Kampf gegen Corona taucht ein neues Arzneimittel aus Basel auf: Kin001 der Biotechfirma Kinarus. Es steht am Beginn der klinischen Versuchsphase und wird in den nächsten Monaten an über 400 Patienten geprüft, wie der SonntagsBlick berichtet. Verlaufen die Tests ohne Zwischenfälle, könnte die Schweiz bald einen veritablen Knaller in den Kampf gegen Corona schicken. Kin001 ist weltweit einzigartig, gleich in mehrfacher Hinsicht: Es wirkt in allen Phasen der Erkrankung. «Das Medikament ist antiviral, entzündungshemmend und antifibrotisch», sagt Alexander Bausch (59), CEO von Kinarus. Das Mittel hat noch einen weiteren Vorzug: «Es wirkt mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen alle Mutanten», sagt Bausch. Und: Der Stoff kommt in Form einer Tablette daher. Die ist leicht zu transportieren und lange haltbar. Und sie ist billig. Die aktuellen Therapien kosten bis zu 6000 Franken pro Patient. «Bei Kin001 wird der Preis unter 500 Franken liegen», sagt CEO Bausch. Das macht die Basler Therapie auch für ärmere Länder erschwinglich.

IIHF-Präsident Fasel verteidigt umstrittene Haltung zu Weissrussland

Der Präsident des Eishockey-Weltverbands IIHF, der Schweizer René Fasel, steht zu seiner Sympathie für die autokratischen Staatschefs in Russland und Weissrussland, Putin und Lukaschenko. Auch nach den jüngsten Vorkommnissen in Minsk schliesst er eine Missbilligung seiner dortigen Freunde aus. «Ich bin kein Politiker, sondern Präsident der IIHF. Es ist nicht an mir zu sagen: Ich verurteile das und das und das», sagte Fasel in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Ihn störe, welches Bild von Putin gezeichnet werde. Dessen Verdienste seien «enorm».

In dem Interview äussert sich der 71-jährige Freiburger, der die International Ice Hockey Federation mit Sitz in Zürich seit 1994 führt, auch zum jüngsten Streit mit dem Bürgermeister von Riga, wo gegenwärtig die Eishockey-Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Dort war die weissrussische Nationalflagge entfernt worden, was Fasel als «inakzeptabel» bezeichnet. «Wir haben gesagt: Entweder wird die Flagge wieder aufgehängt, oder ihr nehmt auch die IIHF-Fahne weg – weil wir nicht dahinterstehen können.»

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