Schweiz

Operation Abwahl: Politiker suchen nach Alternativen zu Bundesanwalt Lauber

Wie lange noch? Michael Lauber, Bundesanwalt.

Wie lange noch? Michael Lauber, Bundesanwalt.

Im Herbst soll sich entscheiden, ob der angeschlagene Bundesanwalt wiedergewählt wird. Hinter den Kulissen ist die Suche nach Ersatz angelaufen.

«Bin ich denn wahnsinnig geworden?», gibt ein leitender kantonaler Staatsanwalt zurück. Er reagiert demonstrativ empört auf die Frage, ob er allenfalls Nachfolger von Michael Lauber werden wolle.

Die Episode lässt es erahnen: Um den Posten des Bundesanwalts reisst sich kaum jemand. Schon gar nicht Leute, die etwas zu verlieren haben. Der Ruf der Bundesanwaltschaft ist gerade mal wieder auf einem Tiefpunkt angelangt.

Operation ist angelaufen

Aber Fakt ist auch: Hinter den Kulissen ist die Suche nach einem Nachfolgerin oder einem Nachfolger für den umstrittenen Michael Lauber längst angelaufen. «Parteien sind am Suchen. Sie fragen herum», sagt ein bekannter Strafrechtler im Gespräch, der selbst angegangen wurde. Aber, wie er sagt, sogleich abgewinkt hat.

In der Herbstsession, im September also, so die derzeit immer noch aktuelle Planung, kommt es zum Showdown im Bundeshaus. Dann soll die Bundesversammlung entscheiden, ob sie Lauber für eine weitere Amtszeit wiederwählt.

Die Aktien des amtierenden Bundesanwalts stehen schlecht, die Affäre um seine nicht protokollierten oder «vergessenen» Treffen mit Fifa-Boss Gianni Infantino hat ihm arg zugesetzt. Ein Disziplinarverfahren der Aufsicht gegen Lauber läuft.

Wie bei den Bundesratswahlen

Das Wahlverfahren für den Bundesanwalt ist vergleichbar mit den Bundesratswahlen. Lauber, sofern er nicht noch zurückzieht, ist dabei ein Kandidat für die Wiederwahl. Aber es können auch die Namen anderer Kandidatinnen oder Kandidaten auf den Wahlzettel geschrieben werden. Es kann also zu einer Kampfwahl kommen.

Also überlegen sich Politikerinnen und Politiker: Welche Alternativen gibt es?

Die Suche läuft diskret. Kaum jemand will sich derzeit in die Karten blicken lassen, in welche Richtung die Reise gehen könnte. Sicher ist, dass diesmal eine Person gesucht wird, die solide und nachgewiesene Erfahrung in Strafverfolgung hat. Lauber hatte das nicht. Damit stehen vor allem kantonale Staatsanwälte im Blickfeld. Namen, die man derzeit immerhin hört:

Alberto Fabbri, Erster Staatsanwalt Basel-Stadt.

Alberto Fabbri, Erster Staatsanwalt Basel-Stadt.

  • Alberto Fabbri, 52, Erster Staatsanwalt Basel-Stadt. Fabbri (CVP) war Leitender Staatsanwalt des Bundes, bis er 2010 als Staatsanwalt nach Basel gewählt wurde. Als einer der Trümpfe des schweizerisch-italienischen Doppelbürgers gilt seine Mehrsprachigkeit, seine Führungserfahrung. In seiner Eigenschaft als militärischer Untersuchungsrichter griff Fabbri 2006 in der Affäre um einen im «SonntagsBlick» publizierten Geheimdienst-Fax zu CIA-Gefängnissen knallhart durch, liess einen Verdächtigen verhaften. Erfolglos. Das Leck im Geheimdienst wurde nie gefunden.
Olivier Jornot, Generalprokurator Genf.

Olivier Jornot, Generalprokurator Genf.

  • Olivier Jornot, 50, Genfer Generalprokurator. Jornot (FDP) ging 2015 im Zuge der «Swissleaks»-Enthüllungen gegen die Bank HSBC vor, nachdem die Bundesanwaltschaft unter Lauber untätig geblieben war. Er führte Hausdurchsuchungen wegen Verdachts auf qualifizierte Geldwäscherei durch. Die Bank zahlte 40 Millionen Franken, und Jornot stellte das Verfahren ein. Er sorgt seit Längerem auch für Schlagzeilen, weil er das Verfahren gegen seinen Parteikollegen Pierre Maudet führt.

Ein weiterer Name, der fällt: Yves Bertossa, 45, Genf, SP. Führte unter anderem das Verfahren gegen Erwin Sperisen, den ehemaligen Polizeichef von Guatemala. Er ist der Sohn des bekannten und gefürchteten ehemaligen Genfer Generalstaatsanwalts Bernard Bertossa. Yves Bertossa ist auch am Verfahren gegen Maudet beteiligt.

Eine der wenigen Frauen, die derzeit genannt werden, arbeitet in der Bundesanwaltschaft: Lucienne Fauquex, 59, Staatanwältin, Leiterin des Rechtsdienstes der Bundesanwaltschaft. Sie war zuvor Leiterin der Zürcher Filiale der Bundesanwaltschaft.

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